Sewing genehmigte UniCredit-Deal – später leitete er die interne Aufarbeitung
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing war direkt in einen milliardenschweren Deal mit UniCredit involviert, den er Jahre später selbst im Rahmen einer internen Prüfung bewerten ließ. Der Hintergrund: Die Transaktion aus dem Jahr 2010 gehört zu einer Reihe sogenannter "enhanced repos", mit denen Kreditverpflichtungen durch Kombination von Anleihen und Derivaten bilanziell verschleiert wurden. Die Struktur ähnelte auffallend einem €2,2-Mrd.-Geschäft mit Monte dei Paschi di Siena (MPS) aus dem Jahr 2008.
Als Chief Credit Officer genehmigte Sewing den UniCredit-Deal gemeinsam mit einem Gremium im Vorstand. Interne Unterlagen zeigen, dass die Transaktion eine ähnliche Struktur wie die mit MPS hatte, einschließlich sogenannter "bond sourcing"-Mechanismen. Gerade dieser Aspekt war später zentraler Bestandteil einer Neubewertung, bei der Deutsche Bank zahlreiche Deals rückwirkend als Derivate statt als Finanzierung verbuchte.
Sewings interne Revision, die er 2013 leitete, betrachtete 87 vergleichbare Transaktionen. Der Bericht wurde Grundlage eines italienischen Strafprozesses, in dem sechs ehemalige Banker verurteilt wurden – später allerdings freigesprochen. Mehrere Betroffene machen inzwischen rechtliche Ansprüche gegen die Deutsche Bank geltend, eine Klage auf €152 Millionen läuft in Frankfurt.
Brisant ist: Weder im Audit-Bericht noch in Präsentationen gegenüber der italienischen Zentralbank wurde Sewing als einer der ursprünglichen Genehmiger des UniCredit-Geschäfts erwähnt. Die Bank argumentiert, es habe zu keinem Zeitpunkt einen Interessenskonflikt gegeben, da Sewing später nur Aspekte prüfte, für die er nicht zuvor verantwortlich war. Zugleich erklärte man, dass „keine Hinweise“ dafür vorlägen, dass Sewing Kenntnis über den kritischen "bond sourcing"-Teil gehabt habe.
Trotz des Freispruchs der ehemaligen Kollegen hält die Deutsche Bank an ihrer internen Darstellung fest, wonach Buchungsfehler auf fehlende Kommunikation zwischen Front Office und Finanzabteilung zurückzuführen seien. Eine italienische Berufungsinstanz hatte das jedoch zurückgewiesen und die nachträgliche Umklassifizierung als strategischen Schritt zur Umgehung regulatorischer Anforderungen bewertet. Laut Insidern stützt sich die Bank intern weiterhin auf eine 2014 von der BaFin beauftragte Untersuchung, die Sewings Audit entlaste.
Sewing selbst kommentierte die Vorwürfe nicht. Die Deutsche Bank betont, sein Verhalten sei jederzeit regelkonform gewesen. Dennoch bleibt seine Doppelrolle in der Causa ein heikler Punkt – nicht nur juristisch, sondern auch mit Blick auf Governance und interne Transparenz.

