Krieg in der Ukraine

Schwere Kämpfe vor neuen Ukraine-Friedensgesprächen

01. Juni 2025, 17:47 Uhr · Quelle: dpa
Unterhändler Kiews und Moskaus treffen am Montag zu neuen Friedensgesprächen zusammen. Am Tag davor jedoch sprechen an allen Fronten die Waffen, selbst hinter den Fronten wird gekämpft.

Moskau/Kiew (dpa) - Unmittelbar vor neuen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine haben Militärs und Geheimdienste beider Kriegsparteien teils spektakuläre Angriffe gestartet. Während die Diplomaten noch Unterlagen und Akten vorbereiteten, setzten die Militärs Kampfdrohnen und Bomben ein.

Kiew hat einem russischen Vorschlag für eine weitere direkte Gesprächsrunde zur Beendigung des Ukraine-Kriegs zugestimmt. «Am Montag wird unsere Delegation von (Verteidigungsminister) Rustem Umjerow geleitet», schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. Das Treffen soll wie die erste Runde vor zwei Wochen im türkischen Istanbul stattfinden.

Er habe die ukrainische Position für das Treffen in Istanbul festgelegt, schrieb Selenskyj: eine vollständige und bedingungslose Waffenrufe, die Freilassung Gefangener und die Rückkehr entführter Kinder. Außerdem sollte ein Treffen auf höchster Ebene vorbereitet werden, um einen verlässlichen und dauerhaften Frieden zu schaffen und Sicherheit zu gewährleisten. 

Ukraine greift russische Flugplätze und Bahnlinien an

Nach monatelanger Vorbereitung hat der ukrainische Geheimdienst einen umfassenden Schlag gegen russische Militärflugplätze geführt, von denen regelmäßig Kampfflugzeuge zu Angriffen gegen die Ukraine gestartet sind. Insgesamt seien bei den Angriffen gegen vier Flughäfen, darunter sogar einer bei Irkutsk in Sibirien, über 40 Maschinen zerstört worden, hieß es vom ukrainischen Geheimdienst SBU. 

Nach ukrainischen Angaben wurden bei der «Aktion Spinnennetz» Kampfflugzeuge vom Typ Tupolew Tu-95 sowie Tu-22 und spezielle Frühwarnflugzeuge Berijew A-50 getroffen. Das russische Militär bestätigte die «Terrorangriffe», sprach von «einigen» beschädigten Flugzeugen bei Murmansk und Irkutsk.

Nach offiziell unbestätigten Berichten setzte der ukrainische Geheimdienst Kampfdrohnen ein, die von Verstecken in Holzhäusern gestartet wurden, die auf Lastwagen verladen waren. «Zum richtigen Zeitpunkt wurden die Dächer ferngesteuert geöffnet, und die Drohnen flogen, um russische Bomber anzugreifen», hieß es. Eine unabhängige Bestätigung war nicht möglich.

Zuvor war bereits in der Nacht zum Samstag in einem von russischen Truppen kontrollierten Teil des Gebiets Saporischschja nach Angaben des Kiewer Militärgeheimdienstes ein Güterzug gesprengt worden. Der Militärzug mit Treibstofftanks und Güterwagons sei infolge einer Explosion auf dem Gleisbett entgleist, hieß es in der Mitteilung. 

Die Mitteilung erfolgte, nachdem es in der Nacht auf Sonntag zwei Vorfälle in Russland gegeben hatte. In den an die Ukraine grenzenden Gebieten Kursk und Brjansk entgleisten zwei Züge nach Brückeneinstürzen. Während der Gouverneur der Region Kursk, Alexander Chinschtejn, nach ersten Informationen von einem Verletzten schrieb, waren die Folgen in Brjansk deutlich schwerer. Dort kamen laut Gouverneur Alexander Bogomas 7 Menschen ums Leben und etwa 70 wurden verletzt, darunter drei Kinder. Er bestätigte Berichte über eine Explosion der Brücke. Das russische Ermittlungskomitee stufte die Brückeneinstürze als Terrorakt ein.

In der Ortschaft Krasnodon in der von Russland besetzten ostukrainischen Region Luhansk schlugen am Nachmittag nach russischer Darstellung mehrere Marschflugkörper ein. Raketen vom britisch-französischen Typ Storm Shadow trafen eine Industriezone, wie der von Moskau eingesetzte Gouverneur Leonid Pasentschuk nach Angaben der Staatsagentur Tass berichtete. Bei dem Angriff sei eine nicht näher genannte Zahl von Menschen verletzt worden. 

Kiews Militär meldet Tote und Verletzte nach russischem Angriff

Nach einem russischen Raketenangriff auf eine Ausbildungseinheit der Armee sind nach ukrainischen Angaben mindestens zwölf Soldaten ums Leben gekommen. Außerdem seien mehr als 60 Menschen verletzt worden, hieß es in einer Mitteilung der Bodentruppen. Während des Luftalarms habe es keinen Appell oder eine Massenversammlung gegeben, so das Militär. 

Der Kommandeur des ukrainischen Heers, General Mychajlo Drapatij, übernahm die Verantwortung für den Zwischenfall und kündigte seinen sofortigen Rücktritt an. «Als Kommandeur habe ich es versäumt, die Ausführung meiner Befehle in vollem Umfang sicherzustellen», schrieb er auf Facebook. «Ich habe keinen Druck ausgeübt, nicht überzeugt und die Einstellung zu den Männern in den Reihen nicht geändert. Dafür trage ich die Verantwortung.»

Unterschiedliche Positionen bei Verhandlungen

Moskau und Kiew unterscheiden sich insgesamt in ihrer Herangehensweise an die Verhandlungen. Die Ukraine will zunächst eine Waffenruhe aushandeln, in deren Verlauf dann der weitere Weg zum endgültigen Frieden besprochen werden könne.

Kremlchef Wladimir Putin hatte im März eine von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene bedingungslose 30-tägige Waffenruhe mit der Begründung abgelehnt, dass sich die Ukraine in der Zeit wiederbewaffnen und neu an der Front sortieren könne. Er will weiterkämpfen, bis die Ukraine den Bedingungen für einen endgültigen Frieden zustimmt. 

Im UN-Sicherheitsrat signalisierte Russland am Freitag aber Bereitschaft zu einer möglichen Waffenruhe - unter Bedingungen. «Für die Dauer der Waffenruhe ist es zumindest erforderlich, dass die westlichen Länder die Waffenlieferungen an das Kiewer Regime einstellen und die Ukraine ihre Mobilmachung beendet», sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja. Sein Land sei bereit, bei den Verhandlungen am Montag in Istanbul über die Bedingungen für einen Frieden zu reden. 

Die russischen Friedensbedingungen erinnern dabei stark an eine Kapitulation der Ukraine. So erhebt Moskau Ansprüche auf große Teile der Ukraine - darunter auch Gebiete, die es selbst bislang nicht erobern konnte. Zudem will der Kreml sich über die russischsprachige Minderheit im Nachbarland weiter anhaltenden Einfluss in Kiew sichern, das daher weder der Nato beitreten, noch eine schlagkräftige Armee behalten darf. 

Ukraine wollte vorab russisches Memorandum

Der ukrainische Verteidigungsminister Umjerow teilte mit, er habe dem russischen Chefverhandler schon ein Dokument mit der ukrainischen Position übermittelt. «Wir sind nicht gegen weitere Treffen mit den Russen und warten auf ihr „Memorandum“, damit das Treffen nicht ins Leere läuft und uns der Beendigung des Krieges wirklich näher bringt», schrieb er bei X. Umjerow warf Moskau weitere Verzögerungen vor und wiederholte die ukrainische Bereitschaft zu einer vollständigen und bedingungslosen Waffenruhe.

Konflikte / Diplomatie / Krieg / Ukraine / Russland / Gesamtzusammenfassung
01.06.2025 · 17:47 Uhr
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