Superstar erwägt Ausstieg

Schon wieder Nordschleife: Verlässt Verstappen die Formel 1?

16. April 2026, 09:15 Uhr · Quelle: dpa
Max Verstappen
Foto: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
Max Verstappen denkt über seine Zukunft in der Formel 1 nach. (Archivbild)
Regelwut, ein schwaches Auto und verlorene Vertraute: Max Verstappen hadert mit der Formel 1 und sucht woanders Ablenkung. Was für einen vorzeitigen Abschied des Superstars spricht - und was dagegen.

Berlin (dpa) - Für den Frustabbau nimmt sich Max Verstappen eine weitere Formel-1-Auszeit auf dem Nürburgring. Bei zwei Sportwagenrennen am Wochenende testet der Niederländer noch einmal für den 24-Stunden-Klassiker im Mai und holt sich erneut den Fahrspaß, der ihm gerade in der Formel 1 fehlt. «Wenn man für 22 Rennen von zu Hause weg ist, dann muss man am Ende etwas in seinem Leben tun, das einem Freude bereitet», sagte Verstappen gerade erst der BBC.

Die sich häufenden Ausflüge in andere Rennserien und die immer heftigeren Klagen des 28-Jährigen über die Entwicklung der Königsklasse befeuern die Debatte um einen Rücktritt von Verstappen. «Der Red-Bull-Fahrer ist näher als je zuvor an einem Ausstieg aus der Formel 1», urteilte zuletzt das Fachportal «The Race».

Was für einen Abschied von Verstappen spricht

Regelärger: Die neue Motorenformel erzürnt den viermaligen Weltmeister gewaltig. Viel kommt seit dieser Saison auf den Elektro-Anteil an, die Piloten können nicht mehr so oft im Vollgas-Bereich ihre Kunst zeigen. «Sie sind nur damit beschäftigt, die Batterie zu verwalten. Das macht es auch für einen Fahrer wie Max schwieriger, den Unterschied auszumachen», erklärte Verstappens Vater Jos. Sein Sohn wechselte zuletzt zwischen Wut und Resignation. «Ich bin nicht einmal mehr enttäuscht. Das habe ich längst hinter mir. Ich bin jenseits der Enttäuschung und ich weiß nicht einmal, wie man das nennt», sagte Max Verstappen vor der langen Formel-1-Pause im April.

Titelchance: Unter den neuen Regeln ist auch der Dienstwagen von Verstappen gerade nicht titeltauglich. «Offensichtlich ist das Auto ja eine Katastrophe», ätzte Sky-Experte Ralf Schumacher. Einmal Sechster, einmal Achter, einmal ausgeschieden - so liest sich Verstappens bisherige Saisonbilanz. «Der Max-Faktor ist nur dann da, wenn er ein Auto hat, zu dem er ein Vertrauen hat, das vorhersehbar ist. Das ist momentan nicht der Fall», sagte der langjährige Red-Bull-Berater Helmut Marko. Den Rückstand auf Mercedes, Ferrari und McLaren aufzuholen, wird wohl lange dauern. Ständig hinterherfahren, das dürfte Verstappen wenig reizen.

Red-Bull-Exodus: Eine Reihe wichtiger Verstappen-Vertrauter und Erfolgsmacher haben das Team zuletzt verlassen. Sein Förderer Marko ist ebenso weg wie Langzeit-Teamchef Christian Horner und Design-Guru Adrian Newey. Auch Ex-Sportdirektor Jonathan Wheatley und der einstige Chefingenieur Rob Marshall suchten woanders ihr Glück, spätestens nach dem kommenden Jahr wird Verstappens Renningenieur Gianpiero Lambiase zu McLaren wechseln. Die vielen Personalrochaden bringen Unruhe und dürften Verstappen nicht gefallen.

Ausstiegsklausel: Ein baldiger Abschied wäre für Verstappen wohl möglich, weil er dank einer Regelung in seinem bis Ende 2028 laufenden Vertrag angeblich zum Saisonschluss kündigen dürfte, wenn bis zur Jahresmitte nicht bestimmte Erfolge eintreten. Bis Oktober müsste der junge Familienvater sein Team über diesen Schritt informieren.

Was gegen einen Verstappen-Rücktritt spricht

Ehrgeiz: Wie so viele Sportler ist auch Verstappen davon getrieben, immer neue Titel und Triumphe zu sammeln. Schon im Vorjahr hatte er in den ersten Monaten Frust gezeigt, als es nicht so lief. In der zweiten Saisonhälfte startete er dann eine Aufholjagd und fand seinen Spaß wieder. «Was seine Meinung über die Formel 1 ändern wird, ist der Moment, in dem er wieder anfängt, Rennen zu gewinnen», sagte Ex-Weltmeister Jenson Button. Die Sportwagen-Ausflüge seien für Verstappen derzeit ein geeignetes «Ventil». Teamchef Laurent Mekies meint: «Wir haben viel Arbeit vor uns, aber ich bin sicher, sobald wir ihm ein schnelles Auto geben, wird er ein viel glücklicherer Max sein.»

Loyalität: Verstappen hat Red Bull viel zu verdanken, schon als Nachwuchspilot wurde er vom Getränke-Giganten gefördert. Seine gesamte Formel-1-Karriere verbrachte er bei den Teams des Unternehmens. Er bekommt ein sattes Jahresgehalt, hat hoch dotierte Sponsorenverträge und fühlt sich im Kreis der Mitarbeiter weiter wohl. «Es ist ein bisschen widersprüchlich, denn das Autofahren macht mir nicht wirklich Spaß, aber die Zusammenarbeit mit allen im Team und auch aus der Motorenabteilung gefällt mir sehr gut», sagte Verstappen zuletzt. 

Alternativen: Die Formel 1 ist weiter die Spitze des Motorsports und der Traum vieler Rennfahrer. «Als Kind wollte ich genau das machen, und damals hatte ich keine Ahnung, was ich erreichen würde und wie viel Geld man damit verdienen kann», sagte Verstappen. Auch wenn er seinen Spaß immer wieder auch in anderen Autos findet, scheint fraglich, ob das dauerhaft den Kick der Formel 1 ersetzen kann. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Max das so schnell aufgeben wird», sagte Ralf Schumacher.

Wechsel-Optionen: Selbst wenn Verstappen seines Daseins bei Red Bull wirklich überdrüssig wird, muss das nicht zwingend seinen Ausstieg aus der Formel 1 bedeuten. Immer wieder gibt es Spekulationen über Interesse oder sogar Angebote von der Konkurrenz. Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist seit langem ein Verstappen-Fan, Aston-Martin-Besitzer Lawrence Stroll würde sich vermutlich gern mit dem Vierfach-Champion schmücken. Auch ein Neustart bei McLaren kursierte zuletzt als Gerücht.

Motorsport / Formel 1 / Red Bull / Max Verstappen / Nürburgring / Debatte
16.04.2026 · 09:15 Uhr
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