Sammlung von "Pulver-Kurt" schockt Ermittler

23. Januar 2011, 17:05 Uhr · Quelle: dpa

Meisenheim/Becherbach (dpa) - «Pulver-Kurt» hielt ein ganzes Dorf in Atem: Die Polizei hat bei einem Waffennarr im rheinland- pfälzischen Becherbach ein riesiges Sprengstoff- und Munitionslager entdeckt.

Damit Experten die rund 40 Kilo explosives Material sprengen konnten, mussten am Wochenende alle 600 Bewohner ihre Häuser und das Dorf verlassen. Die Polizei geht vom größten Waffen- und Sprengstoff-Fund bei einem Privatmann in Deutschland aus. «Die Bürger von Becherbach haben jahrelang auf einem hochexplosiven Pulverfass gelebt», betonte ein Polizeisprecher.

Die Einwohner des kleinen Ortes konnten erst am Sonntagmorgen - nach einer 16 Stunden langen Sperre ihres Heimatdorfes - zurück in ihre Häuser. Entwarnung gab es erst nach der Sprengung, die noch in weit mehr als zehn Kilometern Entfernung zu hören war.

In einer angemieteten Scheune in Becherbach sowie an seinem nahen Wohnort hatte ein 62-jähriger Rentner - in den Dörfern als «Pulver-Kurt» bekannt - neben dem Sprengstoff auch Kriegswaffen, Handgranaten, Minen und Munition gelagert. «Es ist vermutlich der bundesweit größte Waffen- und Sprengstoff-Fund bei einem Privatmann», sagte Polizeieinsatzleiter Arno Heeling. Zu den Vorwürfen äußerte sich der Rentner, der einen «Schwarzpulverschein» besitze und mit bestimmten Mengen hantieren dürfe, bisher nicht.

Die Polizei spricht von einer «Sammelleidenschaft», Anwohner bezeichnen den Mann als «Militaria-Freak». Die Waffen und der Sprengstoff dürften mehrere Jahrzehnte alt sein - teilweise müsse man in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückgehen, meinte Heeling. Seit wann und warum der 62-Jährige ein ganzes Kriegswaffenarsenal hortete, ist noch unbekannt. Unklar ist auch, warum die Polizei erst jetzt den Hinweis auf das Lager erhielt.

Bei dem hochexplosiven Sprengstoff aus der Scheune handelt es sich nach Angaben Heelings um einen Stoff, der Nitroglyzerin nahekommt. Nitroglyzerin kann schon bei heftigen Erschütterungen explodieren. Früher war die Verbindung ein häufiger Bestandteil gewerblicher Sprengstoffe. Ihre Bedeutung hat jedoch abgenommen. Nitroglyzerin kann auch für Raketentreibstoffe verwendet werden. Die Sprengung in Becherbach war dann auch eine sehr heikle Mission.

Nur noch völlig zerfetzte Strohballen, die einen Schutzwall am Sprengplatz bildeten, zeugten am Sonntagmorgen von der Detonation: Zunächst musste ein Sprengstoffexperte die beiden Kisten mit dem hochexplosiven Stoff aus der Scheune tragen und dann auf einem Anhänger deponieren, den ein ferngesteuerter Roboter zum Sprengplatz fuhr. «Das war der gefährlichste Moment», betonte Heeling. «In der Scheune war es sehr eng und es gab die Befürchtung, dass man ein Regal touchiert und eine Explosion auslöst.»

Mit fünf Kilometern pro Stunde legte der Roboter die mehreren hundert Meter zum Sprengort auf einem Hügel an einem Feldweg zurück. Dort zündeten die Experten. Wie nach allen Seiten abgeschossene Feuerwehrraketen sieht die Explosion auf Fotos aus. Nur eine Fensterscheibe eines Gebäudes ging zu Bruch, schilderte Heeling. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Meisenheim, Alfons Schneider (CDU), betonte: «Als klar wurde, dass die Scheune geräumt ist, haben wir alle aufgeatmet». Kriegswaffen und Munition sind jetzt in einem Bunker auf dem Truppenübungsplatz Baumholder.

Am Sonntag kehrte wieder das Leben nach Becherbach zurück. «Es lief alles ruhig ab», sagte eine Sprecherin am Nachmittag. Am Tag zuvor hatte gespenstische Stille über dem kleinen Ort gelegen. Ausgestorben alle Straßen und Häuser. Nur noch die Sprengstoffexperten waren im Ort - und die Tiere in den Ställen. Insgesamt rund 120 Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter hatten die Evakuierung begleitet, wie der Sprecher der Sanitätsdienste, Philipp Köhler, sagte. Etwa zehn Anwohner kamen in Klinken oder Altenpflegeeinrichtungen. Fast alle Bürger konnten bei Bekannten oder Verwandten übernachten, einige blieben im Hotel.

Nach Darstellung von Polizeieinsatzleiter Heeling waren die Beamten durch Hinweise aus der Bevölkerung auf den 62-Jährigen gestoßen. Auch gegen seinen Sohn und einen weiteren Mann wird ermittelt. Zur genauen Zahl der in den vergangenen Tagen an mehreren Orten gefundenen Waffen gibt es noch keine Angaben. Aber allein bei einer Durchsuchung des Wohnanwesens des 62-Jährigen am vergangenen Dienstag war bereits eine LKW-Ladung zusammengekommen. Alle Beschuldigten sind auf freiem Fuß.

Mit Verweis auf den «Schwarzpulverschein» des 62-Jährigen meinte Heeling: «Fachkenntnisse waren da und haben vielleicht dazu geführt, dass bisher nichts passiert ist.» Ein solcher Schein berechtigt nach Auskunft des Landesjagdverbandes Brandenburg zum Kauf von Schwarzpulver, um etwa mit Vorderladerwaffen zu schießen. Dabei handelt es sich nach den Worten von Geschäftsführer Bernd Möller oft um historische Waffen.

Kriminalität / Notfälle
23.01.2011 · 17:05 Uhr
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