Netflix nach geplatztem Warner-Bros-Deal: Fokus auf Werbung und Content – Umsatz soll um 15,5 Prozent steigen
Investoren werden darauf achten, dass Netflix Ausgaben für Inhalte und Wachstum des Werbegeschäfts als Schlüsseltreiber betont, wenn das Unternehmen am Donnerstag Quartalszahlen vorlegt – die ersten Ergebnisse seit dem gescheiterten Gebot für Warner Bros Discovery. Der Kauf von Warner Bros hätte Netflix eine Handvoll begehrter Franchises wie „Game of Thrones" und „Friends" verschafft, ohne den kostspieligen Aufwand, eigene aufzubauen.
Stattdessen wird das Unternehmen härterer Konkurrenz durch ein kombiniertes Warner Bros und Paramount Skydance ausgesetzt sein, falls dieser vorgeschlagene 110-Milliarden-Dollar-Deal zustande kommt. Netflix wird erwartet, im ersten Quartal einen Umsatzanstieg von 15,5 Prozent auf 12,18 Milliarden Dollar zu melden, wobei 634 Millionen Dollar aus Werbung stammen, so von LSEG befragte Analysten.
Preiserhöhungen im März könnten Prognose nach oben treiben
Das Unternehmen erhöhte die US-Preise im März, was laut einigen Analysten dazu führen könnte, dass es seine Gesamtjahresumsatzprognose anhebt. Die Preiserhöhung könnte auch mehr Nutzer in Richtung des werbefinanzierten Tarifs drängen, dessen Umsatz weiterhin gering bleibt.
Das ist die Strategie. Netflix erhöht die Preise für werbefreie Abos – und macht damit das werbefinanzierte Abo attraktiver. Die Nutzer haben die Wahl: mehr zahlen oder Werbung akzeptieren. Viele werden sich für Werbung entscheiden. Und Netflix kassiert doppelt: einmal vom Nutzer, einmal vom Werbetreibenden.
Aktie stieg 26 Prozent seit Absage des Warner-Bros-Deals
Netflix-Aktien haben in diesem Jahr bisher 13 Prozent zugelegt, wobei die Aktie seit dem Ausstieg des Unternehmens aus dem 72-Milliarden-Dollar-Warner-Bros-Deal um etwa 26 Prozent gestiegen ist. Investoren erwarten nun, dass Netflix sich auf Sport und andere Live-Events konzentriert, während es versucht, Werbeeinnahmen zu steigern.
Das ist bemerkenswert. Die Börse reagierte positiv auf den geplatzten Deal. Warum? Weil 72 Milliarden Dollar zu teuer waren. Netflix hätte sich übernommen, Schulden aufnehmen, Synergien realisieren müssen. Stattdessen bleibt es fokussiert, agil, profitabel. Die Börse belohnt das.
Gabelli Funds: Netflix wird eine der größten globalen Werbeplattformen
„Wir betreten irgendwie eine weitere Phase für das Werbegeschäft, in der sie zu einer der größten skalierten globalen Werbeplattformen werden", sagte John Belton, Portfoliomanager bei Gabelli Funds, die Netflix-Aktien besitzt. Das Unternehmen erweiterte sein Live-Programmangebot während des Quartals, hervorgehoben durch ein Konzert der K-Pop-Supergruppe BTS, das aus Seoul gestreamt wurde und weltweit 18,4 Millionen Zuschauer anzog, sowie die World Baseball Classic 2026, die das weltweit meistgestreamte Baseballspiel wurde.
18,4 Millionen Zuschauer für ein BTS-Konzert – das ist eine gewaltige Zahl. Und es zeigt: Live-Events funktionieren. Sie ziehen Massen an, sie generieren Werbeumsätze, sie differenzieren Netflix von der Konkurrenz. Disney hat ESPN, Amazon hat Thursday Night Football, Netflix hat jetzt BTS und Baseball.
Warner-Paramount-Fusion droht – 110 Milliarden Dollar Konkurrenz
Stattdessen wird das Unternehmen härterer Konkurrenz durch ein kombiniertes Warner Bros und Paramount Skydance ausgesetzt sein, falls dieser vorgeschlagene 110-Milliarden-Dollar-Deal zustande kommt. Das ist das Risiko. Netflix wollte Warner Bros kaufen, um „Game of Thrones" und „Friends" zu besitzen. Jetzt fusionieren Warner Bros und Paramount – und schaffen einen Konkurrenten mit 110 Milliarden Dollar Umsatz.
Die neue Entität hätte HBO, Paramount+, Discovery+, Warner Bros Studios, Paramount Pictures. Das ist ein Content-Monster. Netflix muss dagegen ankämpfen – mit eigenen Produktionen, mit Live-Events, mit Werbung. Der Wettbewerb verschärft sich.
Fazit – Netflix bleibt fokussiert, doch Konkurrenz wächst
Netflix hat den Warner-Bros-Deal abgesagt – und die Börse belohnte es. Jetzt konzentriert sich das Unternehmen auf Werbung, Live-Events, Content. Die Strategie ist klar: nicht kaufen, sondern bauen. Doch die Konkurrenz wächst. Warner-Paramount wird kommen. Und Netflix muss beweisen, dass es auch ohne große M&A wachsen kann.


