Rust Director will New World Aeternum mit 25 Millionen Dollar vor dem Tod bewahren
Die Schockwelle, die das angekündigte Ende von New World: Aeternum durch die Gaming-Community sandte, hat nun eine unerwartete Wendung genommen. Alistair McFarlane, Director bei Facepunch Studios – dem Team hinter dem legendären Survival-Hit Rust – hat Amazon Games ein Angebot unterbreitet, das aufhorchen lässt: 25 Millionen Dollar für die Rechte an dem MMORPG. Mit diesem mutigen Schritt will er verhindern, dass das Spiel am 31. Januar 2027 endgültig vom Netz geht. „Spiele sollten niemals sterben“, schrieb McFarlane in einem Tweet, der mittlerweile tausendfach geteilt wurde. Doch wird Amazon auf das Angebot eingehen? Und könnte dieser Vorstoß tatsächlich das Schicksal von New World: Aeternum wenden?
Ein Spiel, das zu früh stirbt
New World: Aeternum hatte 2016 seine erste Ankündigung, erreichte Spieler aber erst 2021. Als MMORPG von Amazon Games sollte es Amazons Einstieg in die Welt der großen Online-Rollenspiele markieren – eine ambitionierte Vision, die anfangs auch Früchte trug. Doch der Hype verebbte schnell, und trotz der Konsolenversion, die 2024 erschien, und einer Episode in der Secret Level-Fernsehserie im selben Jahr, kippte das Momentum. Die Hoffnung, dass Amazon dem Spiel eine langfristige Zukunft schenken würde, zerbrach, als das Unternehmen massive Entlassungen im Gaming-Bereich verkündete. Kurz darauf folgte die Ankündigung: Season 10 wird die letzte sein, und am 31. Januar 2027 ist endgültig Schluss.
Für viele Spieler kam dieser Beschluss wie ein Schlag ins Gesicht. Gerade einmal drei Jahre nach dem PC-Launch und nur zwei Jahre nach der Konsolenumsetzung soll das Spiel sterben? Was ist mit den investierten Stunden, den aufgebauten Charakteren, den Freundschaften, die in Aeternum geschmiedet wurden? Diese Fragen treiben die Community um – und offenbar auch Alistair McFarlane.
25 Millionen Dollar und eine klare Botschaft
McFarlanes Angebot ist nicht nur finanziell beachtlich, sondern auch symbolisch aufgeladen. In seinem Tweet an Amazon Games schrieb er unmissverständlich: „Spiele sollten niemals sterben.“ Diese Philosophie spiegelt die Haltung von Facepunch Studios wider, das Rust seit über einem Jahrzehnt erfolgreich am Leben hält – trotz anfänglicher Schwierigkeiten und einer hart umkämpften Nische. Rust hat bewiesen, dass ein Spiel mit der richtigen Community und Pflege überleben kann, selbst wenn es nicht mehr im Rampenlicht steht.
McFarlane schlug auch eine Alternative vor: Falls Amazon das Spiel nicht verkaufen will, könnte man zumindest öffentliche Server zulassen, die von der Community betrieben werden. „Ein Spiel wird für immer in den Händen einer engagierten Community leben“, argumentierte er und verwies auf die Arbeitsweise seines eigenen Studios. Diese Idee ist nicht neu – zahlreiche Spiele haben durch Community-Server ein Weiterleben gefunden, lange nachdem die offiziellen Server abgeschaltet wurden. Doch bei MMORPGs wie New World ist die technische Hürde höher, da die Server-Architektur oft komplex und proprietär ist.
Bislang ist unklar, ob Amazon überhaupt auf das Angebot reagiert hat. Die Schweigsamkeit des Konzerns lässt Raum für Spekulationen: Ist man an einem Deal interessiert? Oder wird Amazon das Spiel lieber sterben lassen, als es in fremde Hände zu geben?
Warum sterben Spiele überhaupt?
Die Kontroverse um das Sterben von Spielen ist nicht neu, hat aber in den letzten Jahren massiv an Brisanz gewonnen. Mit der zunehmenden Verbreitung von Live-Service-Titeln, die auf permanente Online-Verbindungen angewiesen sind, haben Spieler oft keine Möglichkeit, ihre Lieblingsspiele weiterzuspielen, wenn der Publisher die Server abschaltet. MultiVersus, das Prügel-Spektakel von Warner Bros., wurde nur ein Jahr nach dem offiziellen Launch eingestellt und sogar gedealistet – neue Spieler können es nicht einmal mehr ausprobieren. Anthem, BioWares ambitioniertes Action-RPG, wurde nach nur zwei Jahren aufgegeben, obwohl es noch eine treue Fangemeinde hatte.
Manchmal erreichen Spiele nicht einmal die Veröffentlichung. EAs Black Panther-Spiel wurde gestrichen, das Perfect Dark Reboot kassiert, und Hytale, das ein Jahrzehnt in Entwicklung war, wurde von Riot Games fallengelassen – nur um später von den Entwicklern zurückgekauft und in Early Access veröffentlicht zu werden. Dieser letzte Fall zeigt, dass Rettungsaktionen durchaus möglich sind, wenn die richtigen Leute zur richtigen Zeit eingreifen.
Community-Server als letzte Hoffnung?
Die Idee, Spiele durch Community-Server zu retten, ist verlockend, aber nicht immer praktikabel. Bei kleineren Titeln oder solchen mit einfacheren Architekturen ist es durchaus machbar – Spiele wie Counter-Strike 1.6 oder Minecraft leben seit Jahren dank privater Server weiter. Doch bei einem MMORPG wie New World, das auf komplexe Backend-Systeme, Datenbanken und Anti-Cheat-Mechanismen angewiesen ist, wird es deutlich schwieriger. Amazon müsste nicht nur die Server-Software freigeben, sondern auch sicherstellen, dass diese ohne die Infrastruktur von AWS (Amazon Web Services) lauffähig ist. Das ist ein technischer und rechtlicher Alptraum, den viele Unternehmen scheuen.
Dennoch gibt es Präzedenzfälle. City of Heroes, ein MMORPG, das 2012 geschlossen wurde, wurde Jahre später durch Reverse Engineering und private Server wiederbelebt – eine rechtliche Grauzone, die letztlich geduldet wurde. Star Wars Galaxies erlebte ein ähnliches Schicksal. Wenn McFarlane tatsächlich die Kontrolle über New World erlangt, könnte er das Spiel auf eine Art und Weise wiederbeleben, die sowohl legal als auch nachhaltig ist.
Facepunch Studios als Retter in der Not?
Facepunch Studios ist nicht irgendein Indie-Entwickler. Rust, das 2013 in Early Access startete und 2018 offiziell veröffentlicht wurde, ist eine der Erfolgsgeschichten der letzten Dekade. Das Spiel hat über 12 Millionen Kopien verkauft und ist dank konstanter Updates, Community-Engagement und einer lebendigen Modding-Szene nach wie vor extrem populär. Facepunch hat bewiesen, dass man ein Spiel langfristig am Leben halten kann, ohne auf aggressive Monetarisierung oder ständige Relaunches angewiesen zu sein.
Ob das Studio die Ressourcen und das Know-how hat, ein MMORPG wie New World zu betreiben, ist eine andere Frage. Rust ist ein Survival-Spiel mit PvP-Fokus, keine klassenbasierte Fantasy-MMO-Welt mit Quests, Dungeons und komplexen Wirtschaftssystemen. Doch McFarlanes Interesse zeigt, dass er an das Potenzial von New World glaubt – und dass er bereit ist, Millionen dafür zu riskieren.
Auch Anthem kämpft ums Überleben
New World: Aeternum ist nicht das einzige Spiel, das gerade um sein Leben ringt. Ein ehemaliger BioWare-Produzent hat einen Plan vorgeschlagen, um Anthem zu retten, indem man es in ein Einzelspieler-RPG umwandelt – Kosten: geschätzte 10 Millionen Dollar. Das ist deutlich weniger als McFarlanes Angebot für New World, zeigt aber, dass die Idee, totgeglaubte Spiele zu reanimieren, durchaus Konjunktur hat. Ob einer dieser Rettungsversuche Erfolg haben wird, ist ungewiss. Doch allein die Tatsache, dass sich Entwickler und Fans nicht kampflos geschlagen geben, ist ein ermutigendes Zeichen.
Amazons Dilemma: Verkaufen oder sterben lassen?
Für Amazon stellt sich nun die Frage: Lohnt es sich, New World zu verkaufen, oder ist es besser, das Spiel einfach zu beerdigen? Aus finanzieller Sicht könnte ein Verkauf sinnvoll sein – 25 Millionen Dollar sind nicht nichts, und das Spiel würde zumindest weiterleben, ohne dass Amazon dafür die Server-Kosten tragen muss. Andererseits könnte ein Verkauf als Eingeständnis des Scheiterns interpretiert werden, und Amazon hat bereits genug negative Schlagzeilen in der Gaming-Branche gesammelt.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob McFarlanes Angebot mehr ist als ein symbolischer Akt. Sollte Amazon tatsächlich darauf eingehen, wäre das ein Meilenstein – nicht nur für New World, sondern für die gesamte Debatte darüber, wer die Kontrolle über digitale Welten hat, wenn die ursprünglichen Schöpfer das Interesse verlieren.ben hat.


