Investmentweek

Retten gehedgte ETFs wirklich das Depot?

28. Juli 2025, 15:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Frage, ob gehedgte ETFs das Depot retten, ist komplex. Hier werden die Vorteile und Nachteile von Währungsschutz und deren langfristige Auswirkungen beleuchtet.

Wenn gute Aktien keine Rendite bringen

Das Chartbild sieht eigentlich gut aus. Der S&P 500 hat seit Jahresbeginn rund neun Prozent zugelegt, die Nasdaq sogar noch mehr. Auch Welt-ETFs, in denen US-Aktien oft über 70 Prozent ausmachen, laufen in Dollar gerechnet ordentlich.

Doch wer in Deutschland wohnt, in Euro investiert – und sich zuletzt verwundert die Performance im Depot angeschaut hat –, sieht: Davon kommt erstaunlich wenig an. Das Minus ist real, die Erklärung einfach: Der Dollar schwächelt – und mit ihm der Wert der US-Aktien in Euro gerechnet.

Ein Fall wie der von Andreas P., Mitte 40, langjähriger ETF-Investor aus Köln, ist aktuell typisch. „Ich dachte erst, ich hätte einen Rechenfehler gemacht. In Dollar lief alles grün, im Euro-Depot aber sah ich ein dickes Minus.“ Er hatte Anfang des Jahres 50.000 Euro in den Nasdaq gesteckt – in der ungesicherten Variante. Rückblickend sagt er: „Ich hab auf die falsche Währung gesetzt.“

Was gehedgte ETFs tun – und was nicht

Währungsgesicherte ETFs – im Fachjargon „hedged ETFs“ – versprechen Abhilfe. Sie versuchen, die Verluste durch Wechselkursschwankungen mit Hilfe von Termingeschäften zu kompensieren.

Das Prinzip: Wer etwa einen ETF auf den S&P 500 mit Euro-Hedging kauft, setzt zusätzlich eine Art Versicherung gegen den fallenden Dollar auf. Der ETF-Anbieter wickelt diese Absicherung automatisch im Hintergrund ab.

Die Zahlen klingen vielversprechend: Während der klassische Invesco S&P 500 ETF im laufenden Jahr in Euro ein Minus von 3,6 Prozent verzeichnet, liegt die gehedgte Variante mit einem Plus von 7,7 Prozent deutlich im grünen Bereich. Beim Nasdaq ergibt sich ein ähnlich dramatischer Unterschied.

Der Preis der Sicherheit: unsichtbar, aber real

Doch so verlockend das klingt – gehedgte ETFs sind keine Wundermaschine. Sie kosten. Und zwar nicht nur durch etwas höhere Verwaltungsgebühren, sondern vor allem durch die sogenannten Rollkosten.

Scheinbar identische ETFs – völlig unterschiedliche Renditen – Der S&P 500 in gehedgter Variante brachte 2025 ein Plus von 7,7 %, die ungesicherte fiel um 3,6 %.

Die Absicherung wird meist monatlich oder quartalsweise über Terminkontrakte erneuert – und dabei wird regelmäßig Geld liegen gelassen. Besonders dann, wenn zwischen Euro und Dollar große Zinsunterschiede bestehen, wie aktuell: Die USA bieten über 5 Prozent Leitzinsen, die Eurozone rund 3 Prozent.

Das bedeutet: Wer sich gegen den Dollar absichern will, verzichtet faktisch auf zwei Prozent Rendite jährlich – allein durch diese Zinsdifferenz.

Hinzu kommt: Wer sich gegen einen schwachen Dollar absichert, hat gleichzeitig keinen Anteil an möglichen Währungsgewinnen, sollte der Greenback plötzlich wieder zulegen.

Langfristig gesichert – langfristig schwächer

Auch auf lange Sicht zeigt sich: Währungssicherung kostet. So haben ungesicherte MSCI-World-ETFs über fünf Jahre rund 92 Prozent zugelegt – die gesicherten Varianten kamen im selben Zeitraum nur auf rund 81 Prozent.

Eine Differenz, die sich in vielen Fällen durch die Absicherung erklären lässt. Oder wie es Fondsanalystin Anika Möller von HQ Trust formuliert: „Währungsschutz ist wie ein Regenschirm – hilfreich bei Regen, aber hinderlich bei Sonne.“

Gehedgte ETFs – für wen sie wirklich Sinn machen

Die wichtigste Frage ist deshalb nicht: Was bringt mehr Rendite? Sondern: In welcher Situation macht eine Absicherung überhaupt Sinn?

  • Bei kurzer Anlagedauer: Wer nur ein bis drei Jahre investiert und auf einen fixen Euro-Betrag angewiesen ist, kann mit einem währungsgesicherten ETF Risiken minimieren.
  • Bei festem Kapitalbedarf: Wenn etwa in zwei Jahren eine Immobilienzahlung ansteht, ist die Absicherung ein Mittel zur Planungssicherheit.
  • Bei Anleihen-ETFs: Gerade dort kann die Währungsseite ein zu großes Risiko darstellen – besonders bei kurzlaufenden Papieren, die kaum Rendite-Spielräume bieten.

Wer aber langfristig investiert ist, wie die meisten ETF-Sparer, fährt ohne Währungsschutz oft besser – nicht trotz, sondern wegen der Schwankungen. Denn sie gleichen sich über Jahrzehnte in der Regel aus.

„Hedging muss man wollen – und verstehen“

Vermögensverwalter wie Christian Röhl raten zur Zurückhaltung: „Viele Privatanleger greifen zu gehedgten ETFs, ohne die Kosten oder die Funktionsweise wirklich zu verstehen. Das ist gefährlich.“ Statt panisch umzustellen, sollte man überlegen: Ist der Dollar langfristig wirklich so schwach, dass sich eine dauerhafte Absicherung lohnt?

Denn eine falsche Entscheidung kann doppelt wehtun: Wer jetzt hektisch in gehedgte ETFs wechselt, verkauft oft zu schlechten Kursen – und sichert sich dann gegen einen Dollar ab, der sich vielleicht bald wieder erholt.

Finanzen / Börse / ETFs / Währungsabsicherung / Investieren
[InvestmentWeek] · 28.07.2025 · 15:00 Uhr
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