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Putin unter Druck – doch der Kreml blockt weiter

14. Mai 2025, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Ein gemeinsamer Waffenstillstand ab Montag, härtere Sanktionen und ein klares Ultimatum an Moskau: Europa und die USA erhöhen geschlossen den Druck auf Russland. Doch Putin schweigt – noch.

Der Westen fordert den Waffenstillstand –

Am Wochenende präsentierte sich die Ukraine-Allianz so geschlossen wie lange nicht mehr. Bundeskanzler Friedrich Merz, Emmanuel Macron, Keir Starmer und Donald Tusk reisten gemeinsam nach Kiew, um sich mit Präsident Selenskyj abzustimmen.

Auch Donald Trump wurde einbezogen. Heraus kam ein deutliches Signal: Ab Montag soll eine bedingungslose, 30-tägige Waffenruhe gelten – oder aber, so die Drohung, Russland bekommt es mit einem neuen Sanktionspaket zu tun.

Doch Wladimir Putin reagiert – wie so oft – taktisch. In einer nächtlichen Ansprache ließ er den Vorschlag unkommentiert, forderte stattdessen eigene Gespräche mit der Ukraine am Donnerstag in Istanbul. Beobachter werten das als Ablenkungsmanöver – ein Versuch, Zeit zu gewinnen, ohne sich zu binden.

Diplomatische Neuordnung – Europa führt, USA flankieren

Bemerkenswert ist vor allem die neue Rollenverteilung. Erstmals seit Kriegsbeginn übernimmt Europa diplomatisch die Initiative.

Die USA, zuletzt uneinig und durch innenpolitische Grabenkämpfe blockiert, agieren diesmal im Hintergrund, unterstützen aber den Kurs. Für Russland ist das gefährlich: Denn nur ein geschlossener Westen ist für den Kreml wirklich unbequem.

Die neue Dynamik offenbart sich auch in der Tonlage: Macron spricht offen von der Notwendigkeit eines „vollständigen Stopps aller Kampfhandlungen“, Selenskyj fordert einen „dauerhaften, zuverlässigen Waffenstillstand“. Und Merz betont, dass Putins vage Gesprächsbereitschaft „nicht reicht“, solange weiter Bomben fallen.

Sollte Russland die Waffenruhe verweigern, droht der Westen mit zusätzlichen Sanktionen. Doch ohne glaubwürdige Durchsetzung könnte das Ultimatum schnell zur leeren Geste verkommen.

Warum Putins Schweigen Kalkül ist

Der Kreml spielt auf Zeit. Während der Westen eine Feuerpause als Voraussetzung für Friedensgespräche sieht, dreht Russland die Reihenfolge um: Erst soll es einen politischen Deal geben, dann einen Waffenstillstand.

Das Problem: Russland fordert nach wie vor die vollständige Kontrolle über Regionen, die es militärisch nicht vollständig beherrscht. Eine für Kiew undenkbare Ausgangslage.

Dazu kommt: Die am Wochenende beendete russische „Waffenruhe“ zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs entpuppte sich als taktische PR-Aktion – während in der Ukraine weiterhin Angriffe gemeldet wurden. Vertrauen sieht anders aus.

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Was der Westen nun plant: Sanktionsschraube und Waffenlieferungen

Fällt Putins Zustimmung aus, soll sofort nachgeschärft werden. Geplant sind laut Informationen aus Brüssel und Washington:

  • Neue EU- und US-Sanktionen gegen russische Banken und Energieunternehmen
  • Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte, um Ölexporte weiter zu erschweren
  • Erweiterung von Sekundärsanktionen, um Drittstaaten unter Druck zu setzen, die Russland beim Sanktionsbruch helfen

Auch militärisch wird nachgelegt. Zwar bleibt offen, welche Systeme konkret geliefert werden, aber der Tenor ist klar: Die Ukraine soll militärisch stärker gemacht werden, um im Falle einer Verweigerung Moskaus nicht erneut ins Hintertreffen zu geraten.

Der Spaltpilz-Effekt

Putins bewährte Taktik, den Westen zu spalten, dürfte diesmal weniger funktionieren. Zwar blockiert Ungarn weiterhin Sanktionsbeschlüsse innerhalb der EU, doch der Druck auf Viktor Orbán wächst.

Experten sehen in der aktuellen Geschlossenheit ein klares Signal: Der Westen hat aus früheren Fehlern gelernt.

Thomas Jäger, Politikwissenschaftler aus Köln, warnt dennoch: „Putins Hauptziel bleibt die Zersetzung des westlichen Zusammenhalts.“ Deshalb, so Jäger, müsse jede diplomatische Initiative mit einem zweiten Hebel flankiert werden – wirtschaftlicher Schmerz.

Wie glaubwürdig ist das Ultimatum an Moskau?

Die entscheidende Frage: Wird Putin die angekündigte Frist verstreichen lassen – und wenn ja, was folgt dann?

Die Erfahrung zeigt, dass Druck auf den Kreml nur dann Wirkung zeigt, wenn er glaubwürdig und dauerhaft ist. Die angekündigte Waffenruhe ist daher nicht nur ein diplomatischer Appell – sie ist ein Test für den Westen selbst.

Denn sollte Putin das Ultimatum ignorieren und der Westen darauf nicht reagieren, würde das den Bruch der Einigkeit offenbaren – und dem Kreml neue Spielräume eröffnen. Umso wichtiger ist es, dass auf Worte Taten folgen.

Der Krieg tritt in eine neue Phase – politisch wie militärisch

Ob Moskau sich bewegt, ist offen. Doch der Westen hat seine Linie gefunden – zumindest vorerst. Die Reise nach Kiew, das Ultimatum, die abgestimmte Drohung mit Sanktionen: All das zeigt, dass die Initiative derzeit nicht in Moskau liegt, sondern in Brüssel, Berlin, Paris und Washington.

Putin wird entscheiden müssen, ob er den diplomatischen Spielraum nutzt – oder weiter auf Eskalation setzt. Doch diesmal ist der Preis für Stillstand hoch. Und der Westen scheint entschlossener denn je, ihn auch einzufordern.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 14.05.2025 · 11:00 Uhr
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