Pragmata im Test: Überzeugender Auftakt für Capcom-Newcomer
Manche hatten Pragmata vermutlich gar nicht mehr am Schirm. Dabei war der experimentelle Shooter von Capcom eines der ersten Spiele, die für die PlayStation 5 angekündigt wurden. Danach herrschte zwischen mehreren Verschiebungen aber lange Funkstille. Oft ist das ein Zeichen für eine eher holprige Entwicklung – Pragmata hat aber noch die Kurve gekriegt.
Die neue IP vom Resident-Evil-Studio Capcom ist fast schon eine Seltenheit. Immerhin handelt es sich bei Großprojekten dieser Art immer seltener um neue Marken, geschweige denn um Spiele mit neuartigen Gameplay-Konzepten. Gleichzeitig erinnert der Sci-Fi-Shooter auch an Klassiker aus der Ära der PS3 und Xbox 360.
Pragmata Review – bewährtes Gameplay mit Twist
Pragmata beginnt fast wie ein Horrorspiel. Nachdem Astronaut Hugh mit seiner Crew auf dem Mond ankommt, ist von den anderen Menschen keine Spur mehr. Die KI scheint die Kontrolle übernommen zu haben und mit der Crew ist es schnell vorüber. Danach wird es im Ton aber deutlich energiegeladener. Denn Hugh trifft die ulkige Androidin Diana, die für ihn überdrehte Roboter und bombastische Bosse per Hacking ausschalten kann.
Der Clou: Während Hugh auf einen Gegner zielt, aktiviert Diana ein Hacking-Minigame am Rand des Bildschirms, das mit den rechten Knöpfen gespielt wird. Über die kastenförmige Matrix gilt es einen Cursor bis zum Zielknopf zu manövrieren, um die Schwachpunkte der feindseligen Roboter freizulegen – Hughs Waffen allein sind zu schwach.
Ausgeklügelter Shooter von Capcom
Das mag auf den ersten Blick verwirrend wirken. Tatsächlich ist Pragmata aber ein sehr intuitives Spiel. Neben dem Hacking-Gefummel ist es steuerungstechnisch nämlich auf Linie mit populären Action-Games und geht gut von der Hand. Hugh ballert per Schultertaste und kann im Kampf Ausweichmanöver benutzen. Dadurch ergibt sich eine flotte Mischung aus der Geschwindigkeit japanischer Action-Klassiker mit der gewohnten Shooter-Formel. Vanquish von Platinum Games lässt grüßten und es ist wohl kein Zufall, dass Director Yonghee Cho früher für das Studio tätig war.
Auch fühlt man sich teilweise an Dead Space erinnert. Das liegt vor allem daran, dass das futuristische Setting sehr harmonisch auf das Gameplay abgestimmt ist und alle Spielelemente natürlich ineinander greifen. Überall gibt es kleine Hacking-Rätsel und Platforming-Abschnitte, die das Geschick mit dem etwas trägen Raumanzug testen. So bereitet das Spiel ganz natürlich auf die Kämpfe vor, wo es beispielsweise nötig sein könnte, über Laser zu springen und gleichzeitig Störsignal zu hacken.
Vermutlich hätte Pragmata auch als normaler Shooter funktioniert. Es hat deftiges Waffen-Feedback und die Roboter lassen sich sehr schön in Einzelteile zerlegen. Obendrauf hat der Titel ein großes Arsenal, mit Klassikern wie Schrotflinten und Raketenwerfern bis hin zu aufladbaren Lasern und Slow-Motion-Kanonen. Am Ende ist es aber das Multitasking zwischen Geballer, Puzzlespielchen und Akrobatik, das dem Spiel seine Identität verleiht. Pragmata versteht es dabei, konstant neue Elemente auf dem Hackingfeld einzuführen – seien es Störsignale, neue Buffs oder Attacken und komplexere Hacking-Muster.
Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad haut der Titel durchaus rein, aber durch die natürliche Lernkurve kommt kein Frust auf. Zudem sind Checkpoints relativ großzügig verteilt. Notfalls kann jederzeit auf einen Casual-Modus umgeschalten werden. Wer hingegen gar nicht bei der Hand gehalten werden will, kann Tutorials gänzlich ausschalten. Nur ein Hard Mode ist zu Beginn nicht verfügbar.
Stimmige Welt trifft auf erfrischende Charaktere
Dann ist da noch die Story. Es ist ja schon ein bisschen manipulativ, aus dem Sidekick ein ulkiges Androidenkind zu machen. Das kommt etwa einem Cartoon-Tierchen gleich. Nichtsdestotrotz sind die lockeren Dialoge eine nette Abwechslung zu ernsteren Spielen mit viel Story. Besonders der etwas dödelige Astronaut Hugh, der bei dem ganzen Quatsch mit entspannter Miene mitmacht, ist als Charakter erfrischend.
Die Raumstation fährt grafisch sehr stimmige und abwechslungsreiche Biome auf. Denn in der Story machen supereffiziente 3D-Drucker den KI-Zauber möglich, durch den auch Nachbildungen von Städten wie New York oder riesigen Wäldern entstehen. Nur das Missionsdesign drückt hier etwas auf die Atmosphäre. Überwiegend gilt es nämlich immer wieder mehrere Schlüssel für große Tore zu aktivieren, wodurch sich das Setting etwas eingeengt anfühlt.
Daneben ist die rund zehn- bis 15-stündige Kampagne relativ linear und knackig aufgebaut. Für Nebenaufgaben ist gesorgt, ohne in langwierige Fetch-Quests auszuarten. Zudem lässt sich eine kleine Homebase aufbauen, in der Hugh nicht nur Waffen, Hacks und seine HP upgraden kann, sondern auch mit Diana kommunizieren und andere Boni wie Einrichtungsgegenstände und neue Outfits freischalten.
Pragmata Review – Fazit
Den Entwicklern war es offensichtlich wichtig, ihr neues Spielkonzept nach mehr als vier Jahren an Verzögerungen bestmöglich abzuliefern. Obwohl die Mischung aus Shooter und Puzzle-Spielchen neuartig wirkt, geht es sehr intuitiv von der Hand. Obendrauf bietet es eine Vielzahl an Variationen der Kampfszenaren, so dass für ein Sequel gar nicht so viel Luft nach oben bleibt.









