Politischer Umschwung in Paris: Lecornu tritt zurück - Macron unter Handlungsdruck
In einem unerwarteten politischen Paukenschlag ist der französische Premierminister Sébastien Lecornu nach nur einem Monat im Amt zurückgetreten. Lecornus Rückzug folgt einer tiefen innenpolitischen Krise, die durch eine umstrittene Ressortverteilung in der neuen Regierung ausgelöst wurde. Präsident Emmanuel Macron nahm Lecornus Rücktrittsgesuch an und sieht sich nun vor die Herausforderung gestellt, erneut einen geeigneten Premierminister zu finden.
Die Krise spitzte sich zu, als Lecornu die Zusammenstellung seines Kabinetts verkündete, was prompt zu Protesten innerhalb der konservativen Koalitionspartner führte. Die Républicains, die gemeinsam mit Macrons zentristischem Lager in der Regierung agieren, drohten mit dem Ausstieg, nachdem ihre Forderungen nach einem bedeutenderen Einfluss im Kabinett ignoriert worden waren. Besonders der neue Verteidigungsminister Bruno Le Maire, zuvor langjähriger Wirtschafts- und Finanzminister und Vertreter des Macronschen Mitte-Lagers, sorgte für Unmut bei den Konservativen.
Unterdessen steckt Frankreich nicht nur politisch, sondern auch finanziell in Turbulenzen. Der umstrittene Sparhaushalt entfachte bereits zuvor Spannungen, die schließlich zum Sturz der Vorgängerregierung unter François Bayrou führten. Frankreichs Schuldenlast ist mit 3,3 Billionen Euro die höchste innerhalb der EU. In Anbetracht dieser Krisen könnte Macron gezwungen sein, entweder einen neuen Premierminister zu ernennen oder gar das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen.

