Pharmaindustrie atmet auf: US-Zölle verschonen EU-Arzneimittel
Die jüngsten Zollankündigungen der US-Regierung sorgen weltweit für Aufsehen. Doch in einem Punkt können europäische Pharmaunternehmen aufatmen: Arzneimittelimporte aus der EU bleiben von den drastischen neuen US-Zöllen unberührt. Ein Regierungsbeamter bestätigte, dass die festgelegte Obergrenze von 15 Prozent weiterhin für EU-Importe einschließlich Pharmaprodukte gelte. Dies kommt nach Unklarheiten seitens der EU-Kommission, die ursprünglich angenommen hatte, von den Regelungen ausgeschlossen zu sein.
US-Präsident Donald Trump hatte überraschend verkündet, ab Oktober drastische Zölle einzuführen, die Pharmaunternehmen vor die Wahl stellen, Produktionsstätten in den USA zu errichten oder mit einer Erhöhung um 100 Prozent bei Importarzneien zu rechnen. Die Details dieser Forderung blieben jedoch vage, was erhebliche Unsicherheit unter den Handelspartnern der EU auslöste.
Auch andere Branchen sind von neuen Zöllen betroffen. So wurden Einfuhrzölle auf Möbel um bis zu 50 Prozent und auf Polstermöbel um 30 Prozent erhöht. Besonders in die Kritik geraten sind Lastwagenimporte, für die ein 25-prozentiger Zoll angesetzt wird. Trump begründete seine Maßnahmen mit dem Schutz der nationalen Sicherheit und der Stärkung der US-Wirtschaft, die seiner Meinung nach durch ausländische Importe bedroht wird.
Für die deutsche Pharmaindustrie, die ihren wichtigsten Exportmarkt in den USA findet, bleibt die Situation angespannt. Etwa ein Viertel der Pharma-Exporte geht in die Vereinigten Staaten. Deutschlands Unternehmen erzielten dort 2024 Umsätze von 27 Milliarden Euro, was die Bedeutung des US-Markts hervorhebt, insbesondere angesichts der weniger restriktiven Preisgestaltung im Vergleich zu Deutschland. Impfstoffe und andere Pharmaprodukte sind dort besonders gefragt.
Bei dieser Art der wirtschaftlichen Unsicherheit zeigt sich die Anfälligkeit der internationalen Handelsbeziehungen – umso wichtiger ist die Klarheit und Verlässlichkeit in politischen Entscheidungen, um langfristige Planungssicherheit für Branchen und Unternehmen zu gewährleisten.

