Oracle unter Druck: KI-Geschäft enttäuscht Anlegererwartungen
Der amerikanische Software-Gigant Oracle erfreut sich starken Wachstums durch verstärkte Aktivitäten im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Allerdings blieben die erhofften Wachstumszahlen hinter den ambitionierten Prognosen zurück. Zusätzlich sorgten Pläne für umfangreichere Investitionen in KI-Datenzentren für verstimmte Reaktionen unter Investoren, wodurch die ohnehin geschwächte Aktie merklich nachgab. In einem empfindlichen Kursrückgang fiel der Aktienwert um 14 Prozent auf 191 US-Dollar, wobei der Kurs im Tiefpunkt sogar um 16,5 Prozent ins Minus rutschte. Dies bedeutete phasenweise einen Rückgang des Marktwertes um über 100 Milliarden Dollar. Der Kurs lag fast auf dem Stand von Mitte Juni, bevor eine Welle des KI-Enthusiasmus die Aktie in die Höhe getrieben hatte. Noch im September war die Oracle-Aktie nach Veröffentlichung der Quartalszahlen deutlich auf beinahe 350 Dollar angestiegen und der Unternehmenswert kratzte an der Billion-Dollar-Marke. Der Unternehmer und Großaktionär Larry Ellison, der fast 40 Prozent der Anteile hält, überholte zu diesem Zeitpunkt gar zeitweise Tesla-Chef Elon Musk als reichster Mensch weltweit, so berichtete Bloomberg. Nach dem kürzlichen Absturz beläuft sich der Börsenwert nun auf etwa 548 Milliarden Dollar. Die Prognose für Oracle bleibt kurzfristig verhalten, wie Barclays-Analyst Raimo Lenschow feststellt. Das zweite Quartal wies zwar solide Ergebnisse auf, enttäuschte jedoch in zentralen Bereichen. Fragen hinsichtlich der Finanzierung künftiger Vorhaben und potentieller Risiken auf Kundenseite könnten künftig noch stärker ins Gewicht fallen. Das Management adressierte einige dieser Unsicherheiten bereits, doch bleiben die neuen Modelle der Kundenbeteiligung am Technikausbau ein Diskussionspunkt. Oracle hat sich, neben der bekannten Datenbanksoftware, auch im Cloud-Computing-Sektor etabliert, strebt aber nach Marktanteilen im Infrastrukturgeschäft. Hierbei möchte das Unternehmen vor allem durch den Aufbau von Rechenzentren von der KI-Welle profitieren. Im zweiten Geschäftsquartal sprang der Umsatz aus Cloud-Services um etwa ein Drittel auf rund acht Milliarden Dollar. Davon entfielen 4,1 Milliarden Dollar auf Rechenzentren, was einem Zuwachs von rund zwei Dritteln entspricht. Auch hier blieben die Ergebnisse hinter den Analystenerwartungen. Der Gesamtumsatz des Unternehmens stieg währungsbereinigt um 13 Prozent, während die Einnahmen aus Software um fünf Prozent sanken. Trotz zunehmender Kosten stieg der operative Gewinn, bereinigt um Sonderposten, auf 4,7 Milliarden Dollar an. Im Geschäftsjahr 2025/26 plant Oracle nun mit Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Dollar, 15 Milliarden mehr als zuvor. Diese Investitionen müssen bei einer bestehenden hohen Schuldenlast effektiv sein, da der ausstehende Vertragsbestand mittlerweile 523 Milliarden Dollar erreicht hat. Oracle ist Partner im von US-Präsident Donald Trump angekündigten KI-Aufbauprogramm Stargate, gemeinsam mit OpenAI und dem japanischen Investor Softbank. Investoren zeigen allgemein Bedenken, dass IT-Konzerne durch Kosten für KI-Infrastrukturen finanziell überfordert sein könnten. In der USA planen Unternehmen hohe Ausgaben für Rechenzentren und KI-Chips, während unklare Aussichten und scharfer Wettbewerb das Umfeld prägen. Oracle konkurriert hier mit den Branchengrößen Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud Platform, die alle auf hohe finanzielle Ressourcen zurückgreifen können. Die Resultate von Oracle führten zunächst zu Skepsis hinsichtlich der Bewertungen von KI-bezogenen Aktien. Dies belastete Technologiewerte in Asien merklich. Auch der Dax zeigte anfänglich Schwächen, konnte jedoch zum Handelsschluss wieder deutlich zulegen, nachdem der US-Leitindex Dow Jones Industrial ein weiteres Rekordhoch erreichte. SAP-Aktien büßten nach Handelsbeginn mehr als vier Prozent ein, konnten den Verlust letztlich aber auf etwa 0,8 Prozent reduzieren. Obwohl SAP kein erhebliches Geschäft mit Recheninfrastruktur hat, könnte eine vorsichtige Kundennachfrage im vierten Quartal das Unternehmen ausbremsen.

