Neue Batterietechnik für die Elektromobilität: Von zehn auf achtzig Prozent in fünf Minuten
Wer noch mit einem Verbrenner fährt und über einen Wechsel zur Elektromobilität nachdenkt, landet früher oder später bei einer zentralen Frage: Wie lange steht man eigentlich an der Ladesäule? Während ein Tankvorgang wenige Minuten dauert, mussten Fahrer:innen von Elektrofahrzeugen bislang oft deutlich mehr Geduld aufbringen – ein Faktor, der die Akzeptanz der Technologie trotz sinkender Preise und wachsender Reichweiten bremst. Genau hier versucht eine neue Akkutechnologie anzusetzen: Der chinesische Automobilkonzern Geely hat mit seiner Untermarke Lynk & Co die sogenannte 900-Volt-Energee-Golden-Brick-Batterie vorgestellt, die bei einem offiziellen Test Ladezeiten erreichte, die selbst die erst kürzlich präsentierten Spitzenwerte des Konkurrenten BYD übertreffen – von zehn auf siebzig Prozent in vier Minuten und 22 Sekunden, von zehn auf achtzig Prozent in fünf Minuten und 32 Sekunden, sowie von zehn auf 97 Prozent in gerade einmal acht Minuten und 42 Sekunden.

Laden mit bis zu 1.100 kW
Der Schlüssel zu diesen Werten liegt in der Kombination aus hoher Systemspannung und außergewöhnlicher Spitzenladekapazität. Bei niedrigem Ladestand akzeptiert die Batterie eine Eingangsleistung von bis zu 1.100 Kilowatt – ein Wert, der im Bereich der Elektromobilität bislang kaum erreicht wurde. Erst wenn der Akku 75 Prozent Ladung überschreitet, drosselt das System auf rund 500 Kilowatt, und ab 97 Prozent auf 350 Kilowatt. Selbst dieser abschließende Wert liegt noch auf dem Niveau mancher Schnellladesäulen in ihrer jeweiligen Spitzenleistung. Um die bei solchen Stromflüssen entstehende Wärme kontrolliert abzuführen, setzt das System auf Flüssigkühlung – eine Voraussetzung sowohl für die Effizienz des Ladevorgangs als auch für eine möglichst geringe Alterung der Zellen.
Skepsis aus der Branche
Nicht alle Fachleute teilen den Enthusiasmus über derartige Rekordmeldungen vorbehaltlos. Markus Fallböhmer, zuständig für die Batterieproduktion bei BMW, mahnte zur Vorsicht: „Man muss bei solchen Ankündigungen immer aufpassen – ein Leistungsindikator lässt sich optimieren, aber andere Aspekte müssen dann Kompromisse eingehen.“ Tatsächlich stehen bei extrem hohen Laderaten Fragen nach Langlebigkeit, Sicherheit und der Gesamtperformance über die Lebensdauer des Fahrzeugs im Raum. Wie gut sich die Energee-Golden-Brick-Batterie in dieser Hinsicht verhält, wird sich erst im regulären Alltagsbetrieb über längere Zeiträume zeigen.
Das Infrastrukturproblem bleibt
Ein weiterer Vorbehalt betrifft die Rahmenbedingungen des Tests selbst: Die erzielten Ladezeiten wurden an speziellen Megawatt-Schnellladesäulen der Geely-Tochter Zeekr ermittelt, die bislang außerhalb Chinas kaum verfügbar sind. Innerhalb Chinas umfasst das selbst aufgebaute Ladenetz von Geely nach eigenen Angaben gut 10.000 Ladepunkte an rund 2.100 Stationen in 215 Städten. Zum Vergleich: BYD eröffnete Anfang April seinen 5.000. Megawatt-Schnellladestandort und plant, bis Jahresende 20.000 solcher Stationen in Betrieb zu nehmen. Auch wenn Geelys Netz wächst, ist der Abstand zum Wettbewerber erheblich. Außerhalb Chinas, etwa in Europa oder Nordamerika, fehlen sowohl die Fahrzeuge als auch die nötige Ladeinfrastruktur weitgehend. Die schnellsten öffentlichen Ladesäulen in Europa liefern derzeit maximal 350 Kilowatt – ein Bruchteil dessen, was die neue Batterie verarbeiten könnte. Die Technologie ist da; die Welt, die sie braucht, ist es noch nicht.
via CarNewsChina

