Nestlés weltweite Rückrufaktion von Babynahrung eskaliert
Nestlé hat seine globale Rückrufaktion von Babynahrung in den letzten Tagen deutlich ausgeweitet. Während zunächst rund 30 Länder betroffen waren, ist die Zahl laut Angaben des Nahrungsmittelkonzerns auf mindestens 50 gestiegen. Betroffen sind bedeutende Märkte in ganz Lateinamerika, Asien, Afrika und dem Nahen Osten, darunter Brasilien, Chile, China, Ägypten, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Neuerdings zählen auch Australien und Neuseeland dazu. Europa sieht Rückrufe in mindestens 27 Märkten, während in den USA und Kanada bislang keine Maßnahmen ergriffen wurden.
Nestlé hatte am Montag eine Warnung ausgegeben, dass bestimmte Säuglingsnahrungpotentiell giftige Stoffe enthalten könnte. Marken wie Beba und Spezialprodukte wie Alfamino stehen im Fokus. Eltern werden aufgefordert, die betroffenen Produkte zurückzugeben und nicht zu verwenden.
Laut einer eigens eingerichteten Webseite sieht das Unternehmen keine maßgeblichen finanziellen Folgen und geht von weniger als 0,5 Prozent des Jahresumsatzes betroffenem Volumen aus. Experten befürchten jedoch erhebliche Imageschäden.
Die Investmentbank Jefferies warnt, dass anhaltende Konsumentenbedenken zu hohen Umsatzverlusten führen könnten, wovon Konkurrenten wie Danone profitieren könnten. Auch Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel weist auf Reputationsrisiken hin. Trotz fehlender Krankheitsfälle hinterlässt die Thematik einen 'bitteren Nachgeschmack', vor allem hinsichtlich der Kommunikation.
Unternehmenschef Philipp Navratil steht unter Druck, angesichts der Situation Transparenz zu zeigen und Vertrauen zurückzugewinnen. Kritik kommt auch von Foodwatch, die Nestlé Verzögerungen vorwirft und fordert, die volle Wahrheit über den Rückruf bekannt zu geben. Die Organisation geht davon aus, dass über 60 Länder und mehr als 800 Produkte betroffen sind. Unklar ist weiterhin, wann die Probleme erstmals auftraten und welche Produktionsstätten konkret betroffen sind. Nestlé hat bislang keine weiterführenden Aussagen zum Image-Schaden gemacht und verweist auf die Informationen seiner Webseite.

