Meme-Aktien feiern Comeback – Anleger zwischen Euphorie und Überhitzungswarnung
Die Rückkehr der Meme-Aktien hat in der vergangenen Woche alte Muster reaktiviert – mit neuen Risiken. Titel wie Opendoor Technologies oder Kohl’s verzeichneten zweistellige Kursgewinne, ehe sie gegen Ende der Woche deutlich nachgaben. Dennoch notieren viele dieser spekulativen Werte weiterhin auf Monatshochs. Parallel dazu haben der S&P 500 und der Nasdaq 100 neue Allzeithochs erreicht – ein Comeback, das nach dem tarifbedingten Rücksetzer im April so nicht erwartet worden war.
Zentrale Treiber sind erneut Privatanleger, die über Plattformen mit provisionsfreiem Handel sowie kurzfristigen Optionen massiv Engagements aufbauen. Am vergangenen Dienstag wurden rund 1,8 Milliarden Opendoor-Aktien gehandelt – fast zehn Prozent des gesamten US-Marktvolumens. Selbst im Januar 2021, auf dem Höhepunkt der GameStop-Euphorie, lag das Volumen niedriger.
Gleichzeitig zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen. Bitcoin hat sich deutlich von seinen Höchstständen entfernt, und auch die Meme-Rally verlor nach wenigen Tagen an Dynamik. Marktbeobachter verweisen zunehmend auf überdehnte Bewertungsniveaus: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im S&P 500 liegt mit knapp 23 rund 30 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt. Zugleich erreicht die Margin Debt – also das auf Kredit gehandelte Volumen – neue Höchststände und übertrifft sogar die Tech-Blase um die Jahrtausendwende.
Für professionelle Investoren entsteht damit ein Dilemma: Mitreiten oder absichern? Einige Banken raten zur Absicherung über Put-Optionen. Andere sehen in einem möglichen Rücksetzer von wenigen Prozentpunkten eine gesunde Korrektur – und potenzielle Einstiegsgelegenheit.
Makroökonomisch stellt sich die Lage komplexer dar als 2021. Die Zinsen sind höher, dennoch preist der Markt Zinssenkungen der US-Notenbank im späteren Jahresverlauf ein – ein potenzieller Rückenwind für Aktien. Gleichzeitig zeigen sich die jüngsten Handelsabkommen robuster als befürchtet. Der durch Trumps Zölle ausgelöste Schock im April wurde durch pragmatische 15-Prozent-Grundtarife ersetzt, die zwar Wachstum bremsen, aber keine Eskalation bedeuten.
Für viele Marktteilnehmer erinnert die Situation an 2021 – aber mit weniger Stimulus, weniger Liquidität und höherer Vorsicht. Während die Euphorie noch einmal Fahrt aufnehmen könnte, wächst parallel das Bewusstsein, dass sich Märkte selten linear entwickeln. Das Timing des nächsten Rücksetzers bleibt ungewiss – sein Eintreten gilt als ausgemacht.


