Massenproteste und Streikwelle erschüttern Frankreich: Gewerkschaften versus Sparmaßnahmen
In Frankreich formieren sich massive Protestwellen gegen mögliche Sparmaßnahmen der stark verschuldeten Nation. Am vergangenen Abend haben sich nach Schätzungen des Innenministeriums rund 500.000 Menschen an den landesweiten Demonstrationen beteiligt, während die Gewerkschaft CGT von über einer Million Teilnehmern sprach. Die französischen Behörden hatten ursprünglich mit 700.000 bis 800.000 Demonstrierenden gerechnet.
Der Streik führte zu signifikanten Störungen im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben. Zahlreiche Apotheken blieben geschlossen, Lehrpersonal fehlte in Schulen, und es kam zu Ausfällen und Verzögerungen im Bus- und Bahnverkehr. Am Vormittag beeinträchtigten Blockaden an verschiedenen Orten, darunter Busdepots, Hauptverkehrsstraßen und Schulen, den Alltag. Kurzzeitig drangen Dutzende Protestierende in den Innenhof des Wirtschaftsministeriums ein, und landesweit wurden mehr als 180 Personen festgenommen, davon etwa 30 in Paris.
Die Motive der Demonstranten sind klar: Sie wenden sich gegen Sparmaßnahmen, die das ohnehin wirtschaftlich belastete Land treffen könnten. Frankreich hält aktuell die dritthöchste Schuldenquote in der EU, gleich hinter Griechenland und Italien, und auch das Haushaltsdefizit von 5,8 Prozent sorgt für Besorgnis. Die EU hat deshalb bereits ein Defizitverfahren gegen Frankreich eingeleitet.
Ein Bündnis verschiedener Gewerkschaften kritisiert die weiterhin im Raum stehenden Sparpläne der zurückgetretenen Regierung als unverhältnismäßig und belastend für sozial schwache Gruppen. Besonders der Vorschlag, zwei Feiertage zu streichen, stieß auf heftigen Widerstand. Der neue Premierminister Sébastien Lecornu stellte klar, dass dieser Vorschlag nicht umgesetzt wird und berät derzeit über weitere Schritte zur Einsparung. Die Demonstranten hoffen, mit ihrem Protest Einfluss auf seine künftigen Entscheidungen zu nehmen.

