Lufthansa legt Cityline sofort still – 2.200 Mitarbeiter freigestellt, Streiks führen zu Totalschließung
Das Management der Lufthansa-Gruppe greift angesichts der massiven Streikwelle im Konzern zu einer drastischen Maßnahme. Der Betrieb der Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline wird mit sofortiger Wirkung eingestellt. Das geht aus einer internen Information hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.
„Wir mussten nach umfänglicher Prüfung den Beschluss fassen, den Cityline-Flugbetrieb vorerst bis auf Weiteres temporär stillzulegen", heißt es in dem Schreiben.
Das bedeute, dass bis auf Weiteres keine Flüge mehr durchgeführt werden. „Alle betroffenen Mitarbeiter im Cockpit und in der Kabine werden widerruflich – bis auf wenige Ausnahmen – freigestellt." Ein Sprecher des Konzerns bestätigte die Information auf Anfrage.
2.200 Mitarbeiter freigestellt – Interessenausgleich und Sozialplan angekündigt
Was das konkret heißen soll, erfuhren die rund 2200 Mitarbeiter am frühen Nachmittag in einer Videoschalte. Darin stellte Cityline-Chef Fabian Schmidt den betroffenen Mitarbeitern einen Interessenausgleich und einen Sozialplan in Aussicht. „Wir werden versuchen, Anschlussmöglichkeiten in der Gruppe zu schaffen", sagte er.
Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann sprach von einem „schweren Tag" und einer „schmerzhaften" Entscheidung. Mit Blick auf die Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Lufthansa sagte er: „Wer den 100. Geburtstag feiert, muss auch an die Zukunft denken."
Das ist zynisch. Lufthansa feiert 100 Jahre – und feuert 2.200 Mitarbeiter. Niggemann nennt es „schmerzhaft", doch der Schmerz trifft nicht ihn. Er trifft die Piloten, die Flugbegleiter, die Techniker. Sie verlieren ihre Jobs, weil sie für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt haben. Die Botschaft ist klar: Wer streikt, fliegt raus.
UFO-Gewerkschaft entsetzt: „Offener Krieg gegen die eigenen Leute"
Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat entsetzt auf die angekündigte Schließung der bestreikten Regionalairline reagiert. „Wir sind erschüttert und schockiert über so viel Skrupellosigkeit", sagte UFO-Verhandlungsführer Harry Jäger der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist offener Krieg gegen die eigenen Leute."
Jäger hat recht. Das ist Krieg. Lufthansa kämpft nicht gegen die Gewerkschaft, sondern gegen die eigenen Mitarbeiter. Die Streiks waren hart, doch sie waren legal. Die Forderungen waren hoch, doch sie waren berechtigt. Cityline-Mitarbeiter verdienen weniger als Kollegen bei der Kernmarke, arbeiten mehr, haben schlechtere Bedingungen. Sie wollten Gerechtigkeit – und bekommen Freistellung.
Cityline sollte erst 2028 enden – jetzt kommt Aus zwei Jahre früher
Hintergrund des nun vollzogenen Schritts ist eine Entscheidung der Kernmarke Lufthansa Classic, auch wegen der ständigen Streiks auf die Dienste der Cityline zu verzichten. Die Tochter übernahm bislang Zubringerflüge etwa nach Frankfurt und München.
Nach bisheriger Planung sollte Cityline den Betrieb erst 2028 einstellen. Nun nimmt Lufthansa die 27 operativen Flugzeuge der Zubringerlinie „endgültig aus dem Programm, um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren", wie der Konzern mitteilte.
Das ist die Begründung. Cityline ist defizitär, die Streiks machen es schlimmer, also wird geschlossen. Doch die Wahrheit ist komplexer. Cityline war schon immer teuer, die Regionalflüge brachten wenig Gewinn, die Flotte war alt. Die Streiks sind der Vorwand – nicht der Grund.
27 Flugzeuge stillgelegt – sechs Langstreckenjets folgen im Oktober
Ende Oktober sollen dann sechs Langstreckenjets der Lufthansa-Kernmarke folgen. Neben vier Airbus A340-600 werden auch zwei Jumbos vom Typ Boeing 747-400 über den kommenden Winter stillgelegt. Der endgültige Abschied von diesem Flugzeugtyp sei für das kommende Jahr vorgesehen.
Im Winterflugprogramm werde das Angebot auf der Kurz- und Mittelstrecke um fünf Flugzeuge reduziert. Zugleich soll die günstiger arbeitende Tochter Discover mit neuen Airbus-A350-Jets schneller expandieren.
Das ist die Strategie. Lufthansa schrumpft die teuren Teile – Cityline, alte Langstreckenjets, ineffiziente Kurz- und Mittelstreckenflüge – und expandiert die günstigen Teile – Discover mit neuen A350s. Das macht wirtschaftlich Sinn. Doch es kostet Tausende Jobs.
Kerosinverbrauch 80 Prozent abgesichert – doch Versorgungsengpässe drohen
Besonders ineffiziente Flugzeuge würden vorzeitig aus dem Flugbetrieb genommen, um weniger Kerosin am freien Markt zukaufen zu müssen, hieß es weiter. Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group sei auf Basis des Rohölpreises mit rund 80 Prozent überdurchschnittlich hoch abgesichert. Aufgrund des Irankriegs warnen Behörden und Branchenvertreter inzwischen auch vor drohenden Versorgungsengpässen bei Kerosin.
Das ist die externe Begründung. Der Irankrieg treibt die Kerosinpreise, die Versorgung ist unsicher, ineffiziente Flugzeuge müssen weg. Das stimmt – aber es ist nicht der Hauptgrund. Lufthansa hätte Cityline auch ohne Irankrieg geschlossen. Der Krieg ist der Katalysator – nicht die Ursache.
Fazit – Lufthansa nutzt Streiks als Vorwand für geplante Schließung
Lufthansa schließt Cityline – offiziell wegen Streiks, inoffiziell wegen Unwirtschaftlichkeit. Die 2.200 Mitarbeiter sind Kollateralschaden einer Konzernstrategie, die schon lange feststand. Die Streiks beschleunigten das Ende, aber sie verursachten es nicht. Lufthansa wird effizienter, schlanker, profitabler. Doch der Preis zahlen die Mitarbeiter – nicht das Management.


