Lobito-Korridor: Ein strategisches Projekt für deutsche Investitionen in Afrika
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei seiner Afrika-Reise deutsche Unternehmen dazu aufgerufen, in den geplanten Lobito-Korridor im südlichen Afrika zu investieren. Der Korridor stellt mehr als nur eine Eisenbahnverbindung dar; er ist ein strategisches Infrastrukturprojekt, das von enormer wirtschaftlicher Bedeutung ist. Diese Aussagen traf Steinmeier am letzten Tag seiner Reise in Huambo, Angola.
Ein europäisches Konsortium hat die Ausschreibung für das Projekt gewonnen, was zusätzliche Investitionsgelegenheiten für europäische, insbesondere deutsche Unternehmen eröffnet. Ziel des Korridors ist es, Chinas Neuer Seidenstraße Konkurrenz zu machen. Die Bahnstrecke, die sich über 1.300 Kilometer erstreckt, verbindet die angolanische Küstenstadt Lobito mit den rohstoffreichen Regionen im Süden der Demokratischen Republik Kongo und dem Kupfergürtel Sambias. Diese Verbindung soll den Transport kritischer Mineralien wie Kupfer und Kobalt erleichtern und dadurch Europas industrielle Abhängigkeit von China verringern. Auch die USA und die Europäische Union investieren erheblich in das Projekt. Der Ausbau der veralteten Strecke, die derzeit nur mit geringer Geschwindigkeit befahrbar ist, wird als Konkurrenz zur Neuen Seidenstraße angesehen.
Steinmeier wagte eine Fahrt auf der einfachen und holprigen Strecke, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Neben Infrastrukturprojekten würdigte der Bundespräsident auch die Arbeit von Minenräumern der Organisation Halo Trust in Angola. Unzählige Minen aus der Zeit des Bürgerkrieges stellen weiterhin eine Gefahr dar.
Steinmeier besuchte ein Rehabilitationszentrum für Minenopfer, das 1997 von Prinzessin Diana eingeweiht wurde. Dort werden Prothesen für Schwerverletzte gefertigt und angepasst, und mit Hilfe von Ärzten lernen die Betroffenen, sich mit den Prothesen wieder zu bewegen. Steinmeier zeigte sich berührt von den Schicksalen der Menschen, die durch Minen schwer verletzt wurden. Er betonte die Bedeutung der deutschen Unterstützung von Minenräumprojekten weltweit. Vor seinem Besuch in Angola hatte der Bundespräsident bereits Ägypten und Ghana bereist und wollte am späten Abend nach Berlin zurückkehren.

