Lagarde-Abgang: Ein neuer Akt im Brüsseler Personaldrama?

Die europäische Politik steht möglicherweise vor einer personellen Wende: Unbestätigten Berichten der 'Financial Times' zufolge erwägt EZB-Präsidentin Christine Lagarde, vorzeitig das Ruder der Europäischen Zentralbank (EZB) aus der Hand zu geben, noch bevor 2027 in Frankreich die Wähler zu den Urnen schreiten. Der drohende politische Umbruch in Frankreich durch möglicherweise erstarkende Rechtspopulisten scheint Lagarde zu einem Strategiewechsel anzutreiben, um eine Nachfolgeregelung frühzeitig in geordnete Bahnen zu lenken.
Eine Sprecherin der EZB in Frankfurt wiegelte zwar ab, man konzentriere sich auf die aktuellen Aufgaben, ein konkreter Entschluss über Lagardes Amtszeit sei noch nicht gefasst. Diese Rhetorik unterscheidet sich allerdings spürbar von früheren Bekundungen der EZB, in denen Lagardes Absicht, ihre Amtszeit bis Ende 2027 zu erfüllen, uneingeschränkt zum Ausdruck kam.
Gegner dieses Szenarios sehen sich durch Lagardes reguläre Amtszeit, die offiziell am 31. Oktober 2027 endet, bestätigt. Diese wurde im Herbst 2019 von der France-Kennerin nach Ablösung von Mario Draghi angetreten.
Sollte es tatsächlich zu einem vorzeitigen Rücktritt kommen, erwartet die Europäischen Institutionen ein Poker um die Nachfolge, beeinflusst von der strategisch-politischen Interessenklärerei der Eurostaaten. Interessanterweise ist die Debatte um Lagardes Abgang in das spannende Politikmikado involviert, in dem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron eine gewichtige Rolle spielen könnten.
Für die mögliche Nachfolge sind bereits prominente Namen im Umlauf. Die deutschen Bundesbank-Urgesteine Joachim Nagel und Isabel Schnabel gelten als Anwärter, wobei die 'FT' weiterhin Klaas Knot aus den Niederlanden und den Spanier Pablo Hernández de Cos, Chef der BIZ, als Favoriten notiert. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING, stellt indes heraus, dass ein dritter französischer Präsident wenig realistisch erscheint, womit Deutschland und Spanien die besten Karten zu haben scheinen.

