Investmentweek

Krypto-Reichtum, echte Gefahr – Wie eine Entführungswelle die Szene aufschreckt

25. Oktober 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Krypto-Reichtum, echte Gefahr – Wie eine Entführungswelle die Szene aufschreckt
Foto: InvestmentWeek
Laut Europol stiegen die registrierten Entführungsfälle mit Krypto-Bezug seit 2021 um über 180 Prozent – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Eine Serie von Entführungen schockt die Krypto-Community weltweit. Lernen Sie, warum digitale Vermögen Angreifer anziehen und wie sich Betroffene schützen können.

Die Stunde der Gewalt

Kein Hackerangriff, kein Phishing – rohe Gewalt. Anfang 2025 reist der Deutsche Michael M. (41) zu einem früheren Weggefährten aus der Grin-Coin-Szene in den US-Bundesstaat Kentucky. Das Wiedersehen kippt: Festsetzung, Drohungen, die Forderung, Bitcoin-Vermögen zu übertragen.

Stunden später kommt M. frei. Monate danach wird der mutmaßliche Täter John W. in New York in einem weiteren Fall verhaftet. Er bestreitet die Vorwürfe, sitzt gegen Kaution draußen – bis zum Prozess.

Es bleibt nicht bei Einzelfällen. In Frankreich befreien Spezialeinheiten einen Schweizer aus einem Haus bei Valence; zuvor hatten Kidnapper in Paris den Ledger-Mitgründer David B. und dessen Partnerin stundenlang misshandelt, in einem weiteren Versuch wird die Familie eines Kryptobörsen-Chefs am helllichten Tag attackiert.

Ermittler bringen einen 24-Jährigen als Drahtzieher einer Serie in Stellung, Interpol meldet Festnahme in Marokko. Die Behörden alarmieren, richten Hotlines ein, laden Branchenvertreter zum Krisengespräch.

Warum Krypto Opfer anzieht

Das Motiv ist banal: Kryptovermögen lässt sich unmittelbar erpressen. Während klassische Reichtümer in Unternehmensanteilen, Immobilien oder bankseitig kontrollierten Konten gebunden sind, liegen Coins in Wallets – abgesichert „nur“ durch Schlüssel. Wer Passwörter mit Gewalt erzwingt, kann Werte in Minuten verschieben. Und: Transaktionen sind final.

Es gibt kein „Chargeback“, keine Bank, die stoppt. Mixer-Dienste zerlegen Ströme in kleine Teile und verschleiern die Herkunft. Für Täter reduziert das Risiko.

Die Szene trägt ihren Teil bei. Viele der neuen Vermögen sind in kurzer Zeit entstanden – über Bitcoin, Ethereum oder frühe Token-Beteiligungen. Sichtbarkeit war stets Teil der Kultur: Forenposts, Konferenzpanels, Social-Media-Selbstdarstellung, GPS-Spuren auf Fitness-Apps. Wer mit Supersportwagen posiert, Aufenthaltsorte teilt oder Vorträge ohne Sicherheitskonzept gibt, wird kalkulierbar. Sicherheitsfirmen warnen seit Jahren: Operative Disziplin hinkt dem Vermögen hinterher.

Von Kentucky bis Paris: eine neue Täterlogik

Die jüngsten Fälle zeigen ein Muster: Täter suchen Nähe, knüpfen an frühere Kontakte an, locken in vermeintlich vertraute Settings – Wohnung, Büro, Hotelgarage. Dann folgt die „Cold Wallet Extraction“: physische Gewalt bis zur Herausgabe von Seeds, „Schlüsselteil-Sammlung“ aus Tresor, Bankschließfach, Safe. In New York dokumentieren Staatsanwälte stundenlange Misshandlungen – inklusive Androhung, Opfer aus dem Fenster zu stürzen.

In Frankreich reagieren die Behörden untypisch schnell: dezidierte Warnbriefe, Lagebilder, Schwerpunktfahndungen. Dass Entführungen klassisch an Geldübergaben scheiterten, gilt in der Kryptoökonomie weniger: Digitale Lösegelder wandern ohne Übergabe – und sind damit für Spezialeinheiten schwerer zu greifen.

Die Szene rüstet auf – leise

Hinter den Kulissen zieht die Branche Konsequenzen. Fonds und Börsen professionalisieren Personenschutz, führen „Need-to-know“-Prinzipien ein, verschieben Schlüsselrechte von Einzelpersonen auf Prozesse. Multisig-Wallets mit M-von-N-Freigaben, Zeitverzögerungen („timelocks“), Abkühlperioden und geografisch getrennte Key-Teile werden Standard.

Führungskräfte ändern Reiseroutinen, lassen Begleiterouten prüfen, verzichten auf Echtzeit-Posts. Ein Investor bringt es trocken auf den Punkt: „Ich komme allein nicht mehr an die Assets.“ Genau darum geht es: Zwang bleibt wirkungslos, wenn der Einzelne technisch nichts freigeben kann.

Auch die Außenseite wird ernster: Branchengrößen, die im Vorjahr ohne Begleitung durch Konferenzflure liefen, erscheinen inzwischen mit Sicherheitskonzept – diskret, aber sichtbar. Gleichzeitig tauchen andere ab, löschen Fitness-Apps, treten von Bühnen ab, verlagern den Lebensmittelpunkt. Weniger Glamour, mehr Schutz.

Ein Schatten aus den Gründungsjahren

Viele heutige Schwachstellen sind Erblasten einer unregulierten Frühphase: globale Börsen im Halbdunkel, lax geprüfte Projekte, private Schlüssel auf privaten Laptops. Das hat kriminelle Milieus angezogen – von Geldwäschern bis zu Banden, die „Krypto-Cashouts“ professionalisiert haben. Selbst große Plattformen melden immer wieder Milliardenhacks.

Der Unterschied zur physischen Gewalt: Cyberangriffe lassen sich technisch dämpfen, durch Segregation, Versicherungen, Incident Response. Gegen Geiselnahmen helfen nur Prävention, Disziplin – und der Wille, auf Bequemlichkeit zu verzichten.

Was jetzt zählt: fünf harte Lektionen

1) Entkoppeln. Keine Single-Point-of-Failure. Private Keys fragmentieren, M-von-N, externe Treuhänder, Hardware-Module. Kein Manager darf allein eine Transaktion finalisieren.
2) Zeit kaufen. Timelocks, Limitregime, Auszahlungs-„Quarantäne“. Gewalt verliert Wirkung, wenn Gelder erst nach 24/48 Stunden fließen – und jede Ausnahme mehrere, getrennte Zustimmungen braucht.
3) Operational Security. Keine Echtzeit-Standorte, keine Routinen, keine Luxus-Selbstdarstellung. Reiseprofile variieren, Wohnadressen und Familienwege schützen.
4) Governance & Red Teaming. Regelmäßige „worst case“-Übungen: Entführungsszenario, Kommunikationssperre, Notfall-Signale, Polizei-Protokolle.
5) Staatliche Schnittstellen. Klar definierte Kontakte zu LKA/Interpol-Einheiten, schnelle Beweissicherung, Zugriff auf Blockchain-Analyse. Je früher Daten fließen, desto höher die Chance, Ströme zu verfolgen – trotz Mixer.

Politik und Strafverfolger: nachziehen, jetzt

Frankreich zeigt, wie es geht: spezifische Briefings für Risikogruppen, Taskforces, unmittelbare Ansprache der Community. Deutschland braucht Vergleichbares – verankert bei spezialisierten Dezernaten, mit Know-how zu Wallet-Forensik, Mixer-Taktiken und Krypto-Börsenprozessen.

Denn wer Entführungen als „Luxusproblem der Reichen“ abtut, verkennt das Risiko: Gewaltspiralen eskalieren, wenn sie sich lohnen. Präventive Standards in einer exportstarken FinTech-Nation sind kein Nice-to-have, sondern Standortpolitik.

Kein Platz für Romantik

Die Kryptoökonomie ist erwachsen geworden – mit allen Konsequenzen. Wer Milliarden bewegt, muss Sicherheitskultur leben wie Hedgefonds, Family Offices und Rüstungszulieferer. Dazu gehört auch, Mythen zu entzaubern: „Selbstverwahrung um jeden Preis“ ist kein Dogma, wenn sie Menschenleben gefährdet. Gute Verwahrungssysteme verteilen Macht, bauen Reibung ein und akzeptieren, dass Komfort ein Sicherheitsrisiko ist.

Die Entführungen dieses Jahres markieren einen Wendepunkt. Die Szene hat nun zwei Optionen: professioneller werden – oder zum Jagdrevier bleiben. Wer das ernst nimmt, zeigt es nicht auf Instagram, sondern in seinen Prozessen.

Finanzen / Krypto / Entführung / Bitcoin / Sicherheit
[InvestmentWeek] · 25.10.2025 · 14:00 Uhr
[0 Kommentare]
In Deutschlands Haushalten herrscht reges Treiben auf Ergometern, Laufbändern und Crosstrainern. Laut Statistischem Bundesamt kann mittlerweile jeder vierte Haushalt mindestens ein Fitnessgerät sein Eigen nennen. Im Jahr 2023 summierten sich diese Geräte auf beachtliche 12,9 Millionen, verteilt auf 10,5 Millionen Haushalte. Interessanterweise hat sich der Anteil der fitnessbegeisterten Haushalte […] (00)
vor 30 Minuten
Explosion bei Silvesterparty in Skiort in der Schweiz
Crans-Montana (dpa) - Vor dem verheerenden Brand mit 40 Todesopfern im Schweizer Skiort Crans-Montana sind in der betroffenen Bar jahrelang keine Brandschutzkontrollen durchgeführt worden. Das hat der Präsident des Gemeinderats, Nicolas Feraud, mitgeteilt.  Wie sich herausstellte, fanden zwischen 2020 und 2025 keine der üblichen Brandschutzkontrollen statt, sagt Feraud. 2025 sei lediglich ein […] (00)
vor 15 Minuten
Michael B. Jordan
(BANG) - Michael B. Jordan begab sich wegen seiner 'Black Panther'-Rolle in Therapie. Der 38-Jährige spielte den Bösewicht Erik Killmonger in dem Superheldenfilm aus dem Jahr 2018. Die Figur blieb ihm auch nach Ende der Dreharbeiten eine Zeit lang erhalten. Deshalb suchte er einen Therapeuten auf und die Sitzungen halfen ihm dabei, ein "runder Mensch" zu werden. Bei einem Auftritt in der Sendung […] (00)
vor 1 Stunde
Withings Body Scan 2 – Ein neuer Standard für die Gesundheitsvorsorge zu Hause
Mit der Erfindung der weltweit ersten vernetzten Waage im Jahr 2009 etablierte sich Withings als Pionier im Bereich Connected Health. Jetzt setzt das Unternehmen einen neuen Meilenstein in der präventiven Gesundheitsvorsorge: mit  Body Scan 2, der fortschrittlichsten Longevity-Station für zu Hause. In Zusammenarbeit mit führenden Forschungszentren für Herz- und Stoffwechselerkrankungen entwickelt […] (00)
vor 2 Stunden
Bandai Namco veröffentlicht Walkthrough-Trailer zu CODE VEIN II
Bandai Namco Entertainment Europe veröffentlicht heute einen neuen Trailer zu CODE VEIN II, der Einblicke in ein weitläufiges Spielgebiet sowie das Fähigkeiten- und Partnersystem bietet. Außerdem wird die Demo zum CODE VEIN II Character Creator ab dem 23. 2026 Januar verfügbar sein, bevor das Spiel am 30. Januar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC (via Steam) erscheint. Das Video […] (00)
vor 12 Stunden
Milly Alcock als Supergirl
(BANG) - 'Supergirl' ähnelt 'Guardians of the Galaxy', weil der Film dem Originalmaterial "nicht religiös folgt". Der kommende DC Universe-Blockbuster basiert lose auf Tom Kings Comicreihe 'Supergirl: Woman of Tomorrow' (2022). DC-Chef James Gunn erklärte nun, dass der Film ähnlich wie seine 'Guardians of the Galaxy'-Trilogie funktionieren werde: 'Supergirl' behalte den "Kern" von Kings Geschichte […] (00)
vor 1 Stunde
Fitnessgeräte
Wiesbaden (dpa) - Haben Sie zu Hause ein Ergometer, ein Laufband oder einen Crosstrainer? Gut jeder vierte Haushalt in Deutschland hat mindestens ein Fitnessgerät, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.  Rund 12,9 Millionen Fitnessgeräte gab es im Jahr 2023 in den privaten Haushalten. Diese verteilten sich auf 10,5 Millionen Haushalte. Den Zahlen zufolge besaßen zu diesem Zeitpunkt […] (02)
vor 1 Stunde
Digitale Lagerverwaltung – so leicht geht das
Düsseldorf, 06.01.2026 (PresseBox) - Eine effiziente Lagerverwaltung ist das Herzstück vieler Unternehmen. Sobald Waren bewegt, gelagert oder versendet werden, entscheidet die Organisation des Lagers über Schnelligkeit, Transparenz und letztlich über die Zufriedenheit der Kunden. Während viele Betriebe noch mit Zettel und Stift oder einfachen Excel-Tabellen arbeiten, setzen immer mehr Unternehmen […] (00)
vor 1 Stunde
 
Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies bringt Verständnis für die Sorgen der […] (00)
TK-Pizza: Wie Gustavo Gusto im Wettbewerb kontert
Boomender Markt mit begrenztem Platz Der Markt für Tiefkühlprodukte wächst seit Jahren […] (00)
Runde Silber  Und Goldmünzen
Die Kryptowelt startet in die zweite Januarwoche mit einer Reihe wichtiger Ereignisse. Hier sind die […] (00)
Treffen der Koalition der Willigen in Paris
Paris (dpa) - Die westlichen Unterstützer der Ukraine wollen an diesem Dienstag mit Vertretern […] (01)
Die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz im Maschinenbau wächst rasant und birgt enorme […] (00)
Amanda Seyfried
(BANG) - Amanda Seyfried verbrachte ein Jahr mit der Vorbereitung auf ihre Rolle in 'The […] (01)
Tennis: United Cup
Sydney (dpa) - Alexander Zverev und Co. droht beim United Cup das frühe Aus. Nach dem klaren 0: […] (02)
SEGA-Mitgründer David Rosen verstorben – Der Mann hinter den Arcade-Wurzeln der Sonic-Macher
Die Spielewelt verabschiedet sich von einer ihrer stillen, aber entscheidenden […] (00)
 
 
Suchbegriff