Krankenkassen im Fokus: Vorschläge für höhere Zuzahlungen und Praxisgebühren beleben Reformdebatte
Im Ringen um die finanzielle Stabilisierung der Krankenkassen sind nun höhere Arzneimittel-Zuzahlungen Teil der Diskussion. Der Gesundheitsökonom Wolfgang Greiner aus Bielefeld plädiert für eine Anpassung der Zuzahlungen an die Inflationsentwicklung, was auf eine Verdopplung der Eigenbeteiligung auf 10 Euro pro Medikament hinauslaufen könnte. Greiner argumentiert, dass diese Maßnahme nicht nur die Einnahmen auf schätzungsweise 5 Milliarden Euro verdoppeln würde, sondern auch dazu führen könnte, dass einige günstige Medikamente gänzlich aus der Erstattung fallen.
Diese Entwicklungen reihen sich in eine laufende Diskussion um die Einführung einer Praxisgebühr ein. Arbeitgeberverbände fordern umfassende Reformen, um die wachsenden Lohnnebenkosten zu bremsen. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), kritisierte die steigenden Beiträge zur Krankenversicherung als unsozial und eine Bremse für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Er verteidigte seinen umstrittenen Vorschlag für eine Praxisgebühr, während Hausärzte und Patientenschützer gegen ihn mobil machten.
Auch politische Stimmen melden sich zu Wort. Während der Gesundheitsexperte der Grünen, Janosch Dahmen, Praxisgebühren als eine Rückkehr zu "alten Irrwegen" bezeichnet, sieht er strukturelle Defizite vor allem auf der Ausgabenseite des Systems als problematisch. Die Gesundheitsministerin der CDU, Nina Warken, gerät ebenfalls in die Kritik, keine grundlegenden Reformen angestoßen zu haben.
Mit wachsendem Druck von mehreren Seiten, darunter auch vom Bundesrechnungshof, der vor massiv steigenden Zusatzbeiträgen gewarnt hat, mahnt die Gesundheitsministerkonferenz zur Eile. Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk fordert eine grundlegende Strukturreform des solidarisch finanzierten Systems. Diese Debatte zeigt einmal mehr, wie notwendig innovative und nachhaltige Lösungen im Gesundheitssystem sind, um dessen Zukunftsfähigkeit zu sichern.

