Koalitionsstreit am Horizont: Bürgergeld und Wohnkosten im Fokus
Ein drohender Konflikt zwischen den Koalitionspartnern hinsichtlich der Ausgestaltung des Bürgergeldes wirft seine Schatten voraus. Die Debatte entzündet sich an der Frage, ob bei den staatlichen Unterstützungen, insbesondere den Wohnkosten für Bürgergeldempfänger, gespart werden soll. Während Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU Vorschläge zur Deckelung der Mietkosten und eine Überprüfung der Wohnungsgröße erwägt, stoßen diese Überlegungen auf Widerstand innerhalb der SPD. Die Sozialdemokraten um Dagmar Schmidt halten diese Ideen für "wenig ausgegoren". CSU-Chef Markus Söder unterstreicht die Komplexität der anstehenden Reformen und die Herausforderung für beide Lager.
Merz brachte im ARD-"Sommerinterview" konkrete Sparmodelle zur Sprache, die sowohl Mieterhöhungen begrenzen als auch eine generelle Pauschalierung der Wohnkosten beinhalten könnten. Dies hat nicht nur gewerkschaftliche Kritik hervorgerufen; auch Sozialverbände kritisierten die Vorschläge als unzureichend durchdacht. Die SPD hingegen, vertreten durch Dagmar Schmidt, lehnt Leistungskürzungen strikt ab. Stattdessen fordern sie Investitionen in bezahlbaren Wohnraum und Maßnahmen gegen übermäßige Mietsteigerungen.
Der Kanzler betont jedoch, dass die derzeitigen Mietzahlungen an Bürgergeldempfänger mit bis zu 20 Euro pro Quadratmeter erheblich seien, und schlägt vor, diese auf den Prüfstand zu stellen. Sozialpolitische Akteure, darunter der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Deutsche Mieterbund, warnen vor den Folgen einer solchen Politik: drohende Wohnungslosigkeit und Armut als Folge unzureichender staatlicher Unterstützung.
Spannungen bleiben auch in den Diskussionen über die Reformen der Sozialversicherungen bestehen. Während Söder die Notwendigkeit einer umfassenden Reform des Bürgergelds betont, um mehr Gerechtigkeit zu erreichen, lässt Merz durchblicken, dass umfassende Diskussionen im Herbst anstehen und langfristig mehr Einsparungen erzielt werden könnten.
Der Haushaltsentwurf für das laufende Jahr zeigt bereits Rekordbeträge für die Grundsicherung, während weitere Reformpläne in der Schwebe stehen. Arbeitsministerin Bärbel Bas signalisiert nach der Sommerpause eine Reformankündigung ohne Kürzungen bei den Bedürftigsten. Besondere Beachtung findet zudem die Diskussion um die Neuregelung der Leistungen für ukrainische Flüchtlinge, die zu potenziellen Einsparungen führen könnte - ein Ansatz, der von Fachleuten kritisch gesehen wird.
Eine Vereinbarung zwischen Merz und Bas gibt es im Hinblick auf die Bekämpfung von Schwarzarbeit und das Zurückdrängen geringfügiger Beschäftigung. Beide sind sich einig, dass dies dringend angegangen werden muss, um ausbeuterische Praktiken zu eliminieren und Missbrauch staatlicher Mittel zu verhindern.

