Kaufland & Co.: Vom Supermarkt zum Allround-Dienstleister
Die großen Handelsketten in Deutschland, einst ausgerichtet auf den Verkauf von Lebensmitteln, haben ihr Sortiment in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Kaufland beispielsweise reiht sich nun in die Reihe von Dienstleistern ein, die auch Versicherungen anbieten – ein Novum im Kerngeschäft von Supermärkten.
Fotodienstleistungen und Mobilfunkverträge sind bei Anbietern wie Edeka, Lidl, Aldi, Rewe und Kaufland längst etabliert. Die Verbraucher schätzen die Möglichkeit, bequem und schnell online Fotos zu bestellen, um sie später in der Filiale abzuholen. Auch die eigenen Mobilfunk-Tarife dieser Ketten sind sehr beliebt. Urlaubsreisen können bei allen großen Händlern außer Kaufland gebucht werden. Rewe positioniert sich dabei besonders stark und fungiert sogar als eigener Reiseveranstalter über seine Touristik-Sparte Dertour.
Der Wandel zu einem breiteren Dienstleistungsangebot erklärt sich aus dem Streben der Ketten, in den Köpfen der Kunden zu einem verlässlichen Alltagsbegleiter zu avancieren. 'Sich bei günstigen Handytarifen oder Reiseplanung zu profilieren, schafft Vertrauen', erläutert Stefan Rohrbach von der Hochschule der Medien in Stuttgart. Dies zeigt sich auch im Bereich Versicherungen, wo Kaufland zusammen mit dem Online-Versicherer DA Direkt erste Angebote schafft.
Rewe und Edeka zeigen Innovationsdrang auch im Bereich Lieferservices. So bietet Rewe einen vollumfänglichen Lieferdienst, während Edeka über den Online-Anbieter Picnic beteiligt ist und Click & Collect als Serviceoption bereitstellt. Discounter wie Aldi experimentieren hingegen noch mit ausgewählten Liefermöglichkeiten.
Wesentlich breiter ist inzwischen auch das Non-Food-Sortiment der Discounter. Neben klassischen Warengruppen sind nun auch Möbel, Fahrräder und Küchengeräte im Online-Angebot vertreten. Diesen Trend erklärt Marketing-Experte Rohrbach als einen Schritt, nicht nur zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen, sondern auch Kunden durch themenbezogene Aktionen beim Einkauf zu begleiten.
In einem zunehmend bargeldlosen Umfeld bieten die Supermärkte weiterhin die Möglichkeit, beim Bezahlen Bargeld abzuheben – eine Dienstleistung, die 2024 beträchtlich an Nachfrage gewonnen hat. Zeitgleich verringern Banken die Anzahl ihrer Geldautomaten.
Nicht zuletzt nutzen die Händler saisonale Aktionen und Geschenkkarten bekannter Anbieter wie Amazon und Spotify, um weitere Kaufanreize zu schaffen. Der Discounter Aldi etwa lockte mit einem Weihnachtsmarkt und einer mobilen Eisdiele innovative Angebote in den Markt.
Der Trend ist klar: Einzelhändler wie Aldi und Rewe verwandeln sich von reinen Lebensmittelanbietern in umfassende Alltagsbegleiter – eine Entwicklung, die auch von Drogerieketten wie dm und Rossmann erkannt wurde, die mittlerweile ebenfalls ihr Lebensmittelangebot deutlich ausgebaut haben.

