Fußball

Karl-Heinz Rummenigge wird 70: Und ewig ruft der FC Bayern

22. September 2025, 09:17 Uhr · Quelle: dpa
Karl-Heinz Rummenigge feiert seinen 70. Geburtstag in familiärem Kreis. Als FC-Bayern-Ikone teilt er Einblicke in seine Erfolge und die Zukunft des Clubs.

Grünwald (dpa) - Dieses Mal flüchtet Karl-Heinz Rummenigge nicht in wärmere Gefilde. Den 50. Geburtstag verbrachte er mit seiner Familie auf Capri. Zum 60. ging es nach Kalabrien, ganz unten an der italienischen Stiefelspitze. Wenn es in Deutschland herbstlich wird, ist es im geliebten Italien einfach angenehmer. 

«Dieses Mal aber feiere ich zu Hause – gemeinsam mit meiner ältesten Enkelin, die 16 Jahre alt wird», erzählt der frühere Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München beim Treffen in einem Café in Grünwald. 

Rummenigge ist in Plauderlaune. Es geht um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Um Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Max Eberl, Thomas Müller. Der am 25. September 1955 in Lippstadt - und damit im Einzugsgebiet von Borussia Dortmund - geborene Westfale Rummenigge hat viel erlebt in seinem Leben, das der Fußball geprägt hat. Der hat ihn berühmt und wohlhabend gemacht. 

Als Mitglied im Aufsichtsrat des deutschen Rekordmeisters mischt er an der Seite seines ewigen Weggefährten Hoeneß (73) immer noch tatkräftig mit. Rummenigge ist überzeugt, dass der Club seine Granden immer noch braucht. 

«Ich bin quasi wunschlos glücklich»

Ihr Erbe in der Führung des nationalen Branchenführers sieht er noch nicht in Gänze geregelt. «Es ist nicht alles erledigt, aber wir sind wieder auf einem guten, richtigen Weg angelangt», sagt Rummenigge im Interview der Deutschen Presse-Agentur, in dem er zurückblickt und gleichzeitig nach vorne schaut. 

«Eigentlich habe ich keine Wünsche mehr. Ich bin quasi wunschlos glücklich», sagt der 95-malige Nationalspieler, der als Profi unzählige Titel gewonnen und noch mehr Tore geschossen hat. Na klar, er wünscht sich weiterhin Gesundheit. «Die schätzt man mit zunehmendem Alter immer mehr. Und natürlich wünsche ich mir, dass es dem FC Bayern gut geht. Dass der Club auch in Zukunft erfolgreichen Fußball bei stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen spielen kann.»

Die schönste Zeit war für ihn die als Spieler. «Es gibt nichts Vergleichbares, als selbst auf dem Platz zu stehen. Wenn man vor 70.000 Zuschauern ein Tor erzielt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl.» Ein Unvollendeter ist er trotzdem geblieben. Zweimal stand Rummenigge mit der Nationalmannschaft im WM-Finale - und verlor; 1982 gegen Italien (1:3), 1986 gegen Argentinien (2:3).

«Franz, wir haben einen Fehler gemacht» 

Letzteres würde der Europameister von 1980 gerne noch mal spielen. Das Endspiel in Mexiko hat er sich später noch einmal mit Franz Beckenbauer angeschaut. Und da sagte er zum DFB-Teamchef: «Franz, wir haben einen Fehler gemacht!» 0:2 lag Deutschland früh im imposanten Aztekenstadion zurück, «das Spiel schien gelaufen». Dann kippte es in der Schlussphase durch Tore von Rudi Völler und Rummenigge. «Und dann haben wir einen Fehler gemacht: Wir wurden zu gierig. Wir wollten unbedingt das dritte Tor.»

Argentinien erzielte es. Und Diego Maradona hielt auf dem Höhepunkt seines Schaffens den goldenen WM-Pokal in den Händen - und nicht DFB-Kapitän Rummenigge. 39 Jahre später sagt der: «Ich habe das mittlerweile akzeptiert und auch kein Problem mehr damit.» Es war sein letztes Länderspiel. 

Nach der großen Spielerzeit beim FC Bayern und Inter Mailand startete der Weltklassestürmer eine zweite Karriere in München. «Die musste ich mir viel härter erarbeiten», sagt er rückblickend. Im Windschatten von Beckenbauer und Hoeneß konnte er sich entwickeln, ein internationales Netzwerk aufbauen. 

2002 wurde Rummenigge erster Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. «Da war ich fit für den Posten.» Fast zwei Jahrzehnte lang bekleidete er diesen. Es war eine sportliche und finanzielle Erfolgsgeschichte. Sie begann mit dem Umzug in die Allianz Arena 2005. «Der Bau war unser wichtigster und größter Kampf.» Das Triple mit Trainer Jupp Heynckes 2013 und das historische Sechs-Titel-Jahr 2020 mit Hansi Flick waren die Krönungsmomente als Bayern-Chef.

«Verwerfungen» nach dem Rückzug als Chef

2021 machte Rummenigge Platz für Oliver Kahn. Die Umstände waren freilich nicht so, wie von ihm gewünscht. «Es sind damals auch ein paar Dinge passiert, die ich nicht für richtig gehalten habe.» Wie der Verkauf von David Alaba, der Verlust von Thiago, der Wechsel von Erfolgscoach Flick zum DFB. Auch Kahns Neuausrichtung des Vereins entsprach nicht Rummenigges Vorstellungen. 

Nach nicht einmal 24 Monaten wurde das Projekt abrupt beendet. Und Rummenigge kam zurück, zwar nicht als Vorstandschef, aber als Mitglied des Aufsichtsrates um Ehrenpräsident Hoeneß. «Uli hat mich damals angerufen und gesagt, das funktioniert so nicht», schildert Rummenigge: «Von Julian Nagelsmann, der eigentlich langjährig Trainer sein sollte, hatte man sich getrennt. Thomas Tuchel kam als Nachfolger, aber er hat zu keinem Zeitpunkt funktioniert in diesem Club. Das alles hat zu Verwerfungen geführt.» 

«Der FC Bayern braucht mehr Uli Hoeneß»

Die Alten mischen seitdem wieder gemeinsam mit. Und viele finden, dass Hoeneß und Rummenigge den Verein längst wieder aus dem Hintergrund steuern. «Zunächst einmal wissen wir, wie der Club funktioniert», sagt Rummenigge dazu. Ein Plädoyer hält er für Weggefährte Hoeneß, mit dem er auch nicht immer in allem einig war. «Der FC Bayern braucht nicht weniger Uli Hoeneß, er braucht mehr Uli Hoeneß.»

Zusammen achten sie im Aufsichtsrat auf die Finanzen, was im zurückliegenden Transfersommer auch Sportvorstand Max Eberl zu spüren bekam. Man müsse im Fußball-Business «auch mal das kleine Wörtchen "Nein" sagen», findet Rummenigge. «Die Gehaltskosten sind bei uns zu schnell angewachsen in eine Größenordnung, die nicht ganz ungefährlich ist.» Er warnt davor, «finanziellen Irrsinn» zu betreiben - der FC Barcelona gilt ihm als warnendes Beispiel. 

«Kontinuität» ist eines von Rummenigges Lieblingsworten, wenn es um den Vorstand geht. Man brauche dort Personen, die «Bayern-like» ticken und auch arbeiten. Die ideale Zukunftsbesetzung ist weiterhin nicht gefunden. 

Wer weiß, vielleicht tritt ja Bayerns Rekordspieler Thomas Müller (36) nach seinem Karriereende in die Fußstapfen der großen Ex-Spieler Beckenbauer, Hoeneß und Rummenigge. «Es ist der Wunsch der Fans und des Clubs, dass ehemalige Spieler bei Bayern München eine Führungsrolle einnehmen», sagt Rummenigge. Und Vereinslegende Müller kenne den Club bestens: «Aber er muss Lust auf diese ganz neue Herausforderung haben.» Eine Lust am FC Bayern, die Karl-Heinz Rummenigge auch mit 70 Jahren nicht loslässt.

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22.09.2025 · 09:17 Uhr
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