JBS: Ein Comeback auf dem New Yorker Börsenparkett
Der brasilianische Fleischverarbeiter JBS erlebt einen eindrucksvollen Neustart, als seine Aktien am Freitag an der New Yorker Börse gehandelt werden. Dies markiert eine bemerkenswerte Rückkehr der Brüder Joesley und Wesley Batista, die vor weniger als einem Jahrzehnt in einen Rekord-Korruptionsskandal verwickelt und inhaftiert wurden. Nun sitzen sie wieder im Vorstand ihres globalen Lebensmittelimperiums.
Die Notierung in den USA, die von JBS seit 2009 angestrebt wurde, fällt in eine Phase, in der die Batistas auch ihre einflussreichen Verbindungen zur politischen Elite Brasiliens weitgehend wiederhergestellt haben. Ihre Präsenz war jüngst spürbar, als Wesley Batista neben hochrangigen Bankern und dem Chef der brasilianischen Zentralbank beim Erörtern wirtschaftlicher Ausblicke auf der Bühne stand.
In dieser lebhaften Atmosphäre ermutigte Batista die Anwesenden, auch die positiven Entwicklungen der linken Regierung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zu betrachten. Seine Rede fand im sonnigen Sao Paulo statt und wurde vom Applaus des Publikums begleitet.
Kaum ein anderer Wirtschaftsführer hat in Brasilia derzeit so viel Zugang wie die Batistas. Lulas öffentliche Agenda zeigt, dass die Brüder seit dem letzten Jahr bei mindestens fünf öffentlichen Events an der Seite des Präsidenten auftraten, begleitet von mehreren privaten Treffen mit ihm und seinen Ministern.
Ein Rückblick zeigt den steilen Absturz der Brüder, als sie vor fast einem Jahrzehnt gestanden, hunderte Politiker bestochen zu haben, ihre Firmensitze verließen und wegen Insiderhandelsvorwürfen inhaftiert wurden. Ein enger Vertrauter des brasilianischen Präsidialamtes kommentierte: "Sie sind zurück, weil sie investieren."
JBS betreibt weltweit Hunderte von Fleischverarbeitungsfabriken, konkurriert im US-Rindfleischmarkt mit Tyson Foods und zählt zu den größten Unternehmen Brasiliens in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung. Die Muttergesellschaft der Batistas, J&F, hat außerdem ihre Präsenz in der brasilianischen Wirtschaft auf die Bereiche Banking, Energie und Logistik ausgedehnt.
Ein bemerkenswerter Schachzug war die Spende von 5 Millionen Dollar durch die JBS-Tochter Pilgrim’s Pride an das Trump-Vance Inaugural Committee, was den globalen Einfluss der Batistas deutlich macht. Dies rief kritische Stimmen wie die der US-Senatorin Elizabeth Warren auf den Plan, die in einem öffentlichen Schreiben ernste Bedenken über eine mögliche Gegenleistung äußerte.
JBS betonte in ihrer Antwort, dass Pilgrim’s sich stets parteiübergreifend an demokratischen Prozessen beteilige. Die Rehabilitation der Brüder Batista geht über die Politik hinaus. Nach jahrelanger Verwicklung in den größten Korruptionsskandal Brasiliens, "Operação Lava Jato", konnte J&F eine gerichtliche Aussetzung einer 2 Milliarden-Dollar-Strafe erwirken.
Nach ihrem Geständnis, 1.800 Politiker bestochen zu haben, und der ergebnislosen Anklage wegen Insiderhandels gelang den Batistas ein weiterer Erfolg: Ein Urteil des brasilianischen Obersten Gerichtshofs hat in diesem Jahr die Strafe im Rahmen ihres Vergleichs ausgesetzt. Die Brüder hatten erfolgreich argumentiert, die damaligen Ankläger seien voreingenommen gewesen, was das Gericht akzeptierte. Der Fall wartet nun auf eine umfassendere Prüfung.
Ehemalige Konflikte seien "auf versöhnliche Weise gut verarbeitet" worden, wie Fabio Medina Osorio, Brasiliens Generalstaatsanwalt während der Temer-Administration, unterstrich.

