Industrieaufträge rutschen ab, während Berlin neue Gesetze vorantreibt
Die deutsche Industrie hat im Juni erneut einen Rückgang bei den Aufträgen hinnehmen müssen, hauptsächlich bedingt durch eine nachlassende Nachfrage aus dem Ausland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fiel die Zahl der Bestellungen im Vergleich zum Vormonat um ein Prozent. Dieses Minus wird insbesondere auf schwächere Bestellungen in der Automobilbranche und den Bereich der Großaufträge zurückgeführt. Immerhin zeigt sich bei Ausklammerung der Großaufträge ein kleiner Lichtblick: Der Auftragseingang ohne diese sei sogar um 0,5 Prozent angestiegen.
Unterdessen zeigt sich die Bundesregierung trotz der Sommerpause emsig und verabschiedete kürzlich knapp zwei Dutzend Gesetzentwürfe. Darunter befindet sich auch das umstrittene Tariftreuegesetz, das sich hinsichtlich der Sicherung angemessener Arbeitsbedingungen bei öffentlichen Aufträgen als notwendig erweisen soll. Gleichzeitig steuert die Regierung auf die CO2-Reduktion im Industriesektor zu und plant die Ermöglichung der unterirdischen CO2-Speicherung – ein zukunftsweisender Schritt, so die Wirtschafts- und Energieministerin.
In der internationalen Handelsarena schlagen die neuen Zollpolitiken der USA Wellen. Mit erhöhten Abgaben auf indische Ölgeschäfte mit Russland greift die Regierung von Präsident Trump hart durch. Auch die Schweiz bleibt nicht verschont, da Schweizer Importe in den USA mit einem saftigen Zoll von 39 Prozent belegt werden. Der Industrieverband der Tech-Industrie warnt vor drohenden Bestelleinbrüchen, was die exportorientierte Schweizer Wirtschaft stark belasten könnte.
Am Rentenpult wird ebenfalls gedreht: Die Bundesregierung lässt verlauten, dass der Rentenbeitragssatz 2027 auf 18,8 Prozent steigen soll, angepasst an die demografische Realität und Finanzierungsnotwendigkeiten. Entgegen früherer Annahmen, die von einem geringeren Anstieg ausgingen, zeigt sich die Regierung damit offen für größere sprunghafte Anpassungen.
In der Eurozone kehrt derweil der Einzelhandel auf Wachstumskurs zurück. Ein Umsatzplus von 0,3 Prozent im Juni sichert der Branche einen kleinen Triumph, wenngleich dieser Zuwachs von Ökonomen so antizipiert worden war und somit keine Überraschungen bereithält.

