Premium unter Druck: Wie sich der Kampf um das Tiefkühlregal zuspitzt
Vom Pizzeria-Traum zur Premium-Marke
Gegründet wurde Gustavo Gusto 2014 von Christoph Schramm, der zuvor eine eigene Pizzeria in Passau betrieben hatte. Die Idee: Tiefkühlpizza auf Restaurantniveau. Mit handwerklicher Anmutung, hochwertigen Zutaten und klarer Premium-Positionierung traf die Marke den Zeitgeist.
Der Erfolg ließ sich messen. 2023 erzielte Gustavo Gusto rund 120 Millionen Euro Umsatz, 2024 folgten etwa 140 Millionen Euro. Das Unternehmen wurde von der Financial Times gleich zweimal als wachstumsstärkste Food-Marke Europas ausgezeichnet. Die Produktionskapazität stieg auf bis zu 300.000 Pizzen pro Tag.
Tiefkühlboom hält an – Pizza als Wachstumsmotor
Der Gesamtmarkt für Tiefkühlprodukte wächst seit Jahren. Nach Angaben des Deutschen Tiefkühlinstituts lag der Absatz 2024 bei rund 4,1 Millionen Tonnen, der Umsatz bei 22,6 Milliarden Euro. Für 2025 wurden weitere Zuwächse erwartet.
Innerhalb des Segments ist Pizza der wichtigste Treiber. Allein 2024 entfielen rund 425.000 Tonnen auf Tiefkühlpizza. Besonders dynamisch entwickelte sich das Premiumsegment – ein Markt, den Gustavo Gusto maßgeblich mitgeprägt hat.
Wenn die Großen zurückschlagen
Doch genau dieses Segment ist inzwischen hart umkämpft. Branchenriesen wie Dr. Oetker und Original Wagner haben eigene Premiumpizzen eingeführt. Mit hoher Marktmacht, breiter Distribution und aggressiveren Aktionspreisen drängen sie in die gleichen Regalzonen.
Der Platz im Tiefkühlregal ist begrenzt. Gleichzeitig reagieren viele Verbraucher angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit preissensibler. Eigenmarken gewinnen an Bedeutung – zulasten höherpreisiger Produkte.
Umsatzdämpfer als Wendepunkt
Im ersten Halbjahr 2025 musste Gustavo Gusto einen spürbaren Rückgang hinnehmen. Umsatz und Absatz sanken jeweils um rund zehn Prozent. Unternehmensgründer Schramm verweist auf das veränderte Konsumverhalten: Viele Kunden griffen verstärkt zu günstigeren Alternativen.
Zugleich verweigerte sich das Unternehmen einer Preisspirale. Während Wettbewerber ihre Aktionsquoten erhöhten, hielt Gustavo Gusto an der Premium-Positionierung fest. Kurzfristig belastete das die Zahlen, langfristig soll es die Profitabilität schützen.
Neue Produkte statt Preiskampf
Statt über Rabatte will Gustavo Gusto über Innovation zurück in die Spur finden. Die neue Produktlinie „Amore Napoli“ setzt auf 48 Stunden gereiften Sauerteig und ersetzt die kleinere Reihe „Extra luftig“. Vier Sorten sind zum Marktstart gelistet.
Der Ansatz ist klar: Differenzierung über Produktqualität statt Preis. Allerdings kam die neue Linie später als vergleichbare Angebote der Konkurrenz in den Handel – mit spürbaren Marktanteilsverschiebungen.
Fokus statt Expansion
International wächst die Marke weiter, allerdings auf Kosten der Marge. Weitere Expansionen stehen derzeit nicht im Fokus. Das Unternehmen will sich nicht verzetteln, sondern Prozesse optimieren und Effizienz steigern.
Langfristig bleibt das Ziel ambitioniert: Gustavo Gusto will zur Nummer zwei im deutschen Tiefkühlpizza-Markt aufsteigen. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob Premium auch in Zeiten knapper Haushaltsbudgets ausreichend Nachfrage findet.
Premium bleibt – aber nicht ohne Risiko
Der Markt für Tiefkühlpizza wächst weiter, doch die Spielregeln haben sich verändert. Premiumprodukte sind kein Selbstläufer mehr, wenn Konsumenten sparen und Großkonzerne mitziehen. Gustavo Gusto steht exemplarisch für eine Branche, in der Differenzierung schwieriger wird und strategische Disziplin über den Erfolg entscheidet.
Der Wettbewerb im Tiefkühlregal hat sich aufgeheizt – und die nächste Runde ist eröffnet.


