In der Aufholjagd bei Seltenen Erden packt Trump die Bazooka aus
Wie lange sitzt China noch am längeren Hebel?
Luzern, 13.05.2026 (PresseBox) - James Litinsky glaubt, die Nachfrage nach schweren Seltenen Erden in Magneten wird nachlassen und ihre Preise sinken. In der Industrie sorgen seine Aussagen[1] für Aufruhr, denn Litinsky ist Boss von MP Materials, Betreiber des größten Bergwerks für Seltenen Erden außerhalb Chinas. Das Bergbauunternehmen verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und will es nicht beim Rohstoffabbau belassen. Raffinerie- und Separationsanlagen für alle Metalle der Seltenen Erden gehören ebenso zur Geschäftsstrategie wie eine eigene Magnetfabrik. Dank MP Materials sind die USA zum zweitgrößten Hersteller von Seltenen Erden aufgestiegen. Von den etwa 51.000 Tonnen Seltenerdkonzentrat, die 2025 in den USA produziert wurden, lieferte MP Materials alleine knapp 50700 Tonnen. Litinskys Aussagen schmälern jedenfalls nicht die Bedeutung kritischer Mineralien für das globale Machtgefüge, das von der Rivalität zwischen den USA und China, den zwei größten Volkswirtschaft der Welt, geprägt wird.
Der Abstand zu Chinas Dominanz über Seltene Erden wird zwar kleiner, er ist aber immer noch ziemlich groß: 2025 hat China laut US-Angaben 270.000 Tonnen produziert und hält einen Weltmarktanteil von geschätzt 70 Prozent. Hauptprodukt in Mountain Pass, das von MP Materials betriebene Bergwerk in Kalifornien, sind Konzentrate der leichten Seltenen Erden Neodym und Praseodym. Sie sind Schlüsselelemente in den extrem starken Dauermagneten für Elektroautos und Windturbinen. Für Verwunderung sorgten Litinskys Äußerungen auch deshalb, weil MP Materials angekündigt hat, ab Mitte 2026 die beiden schweren Seltenen Erden Dysprosium und Terbium herzustellen. Sie werden üblicherweise in kleinen Mengen Neodym-Magneten beigefügt, um deren Hitzeresistenz zu erhöhen.
Seltene Erden gegen Taiwan-Konzessionen
Das Erz in Mountain Pass gibt aber nicht viel her an schweren Seltenen Erden. Zwar gibt MP Materials an, über 200 Tonnen an schwerem Seltenerdoxiden (SEG+) produziert und eingelagert zu haben. Um genug Material für seine geplante Magnetfabrik in Texas zur Verfügung zu haben, muss Litinsky aber auch Material aus anderen Lagerstätten besorgen. Doch hier ist der Haken: Während China die leichten Seltenen Erden dominiert und westliche Länder wie die USA dabei sind diese Dominanz langsam aufzubrechen, ist der Markt für schwere Seltene Erden nahezu vollständig unter Pekings Kontrolle. Dazu kommt, dass die Zahl westlicher Mitbewerber, die um die wenigen nicht-chinesischen Quellen buhlen, nicht kleiner wird.
Bis die USA und verbündete Staaten wie Australien und Brasilien relevante Mengen an schweren Seltenen Erden selbst herstellen können, dürften noch viele Jahre vergehen. Solange sitzt Peking am längeren Hebel. Das weiß auch Trump, der Donnerstag und Freitag auf Staatsbesuch bei Xi Jinping in Peking sein wird. Kritische Rohstoffe werden dabei eine zentrale Rolle spielen und dies nicht zum Vorteil des US-Präsidenten. Asien-Analyst David Sacks hält es gar für möglich, dass Xi im Austausch für Rohstofflieferungen Trump Konzessionen bei Taiwan abringen könnte.
Mit Trumps angriffslustiger Außenpolitik kommt die Abhängigkeit von Chinas Rohstoffen noch deutlich zum Vorschein. Der Irankrieg hat die Waffenarsenale ausgedünnt. Allein in den ersten vier Tagen des Angriffs haben die USA gemeinsam mit Israel über 5000 Stück an Munition verpulvert, darunter extrem teure Abwehrraketen gegen Irans Billigdrohnen. Den Wert des verfeuerten Materials in den ersten 100 Stunden des Kriegs schätzt der US-Think Tank Foreign Policy Research Institute (FPRI) auf zehn bis 16 Milliarden US-Dollar.
Auch der EU-Rüstungssektor verzeichnet einen gestiegenen Bedarf an einer ganzen Reihe von Rohstoffen. Grund ist hier der Krieg in der Ukraine sowie die generelle Aufrüstung, um gegen einen eventuellen Angriff Russlands gewappnet zu sein. Denn die EU kann nicht mehr auf die USA als Schutzmacht und Nato-Verbündeten vertrauen.
Nachschub von Patriot-Raketen keine Geldfrage
Berichte über leere Munitionslager der US-Armee mögen zwar übertrieben sein, doch bis die US-Rüstungsindustrie Nachschub bei bestimmten, strategisch zentralen Waffen liefern kann, kann es teilweise bis zu zwei Jahre dauern. Das gilt für teure Hightech-Abwehrsysteme wie Patriot und THAAD ebenso wie für offensive Lang- und Mittelstreckenraketen. Geld ist dabei nicht das Problem, wie es in einer FPRI-Analyse heißt.
In jedem Sprengkopf, Lenkwaffensystem, in Drohnen und Radaren stecken kleine Mengen von Neodym, Terbium, Dysprosium, Samarium oder Gallium. Sie machen zwar nur einen Bruchteil der Kosten aus: In einer 4,5-Millionen-Dollar Patriot-Abfangrakete machen diese gerade einmal 5.000 bis 15.000 Dollar aus, rechnet das FPRI vor. Die größte Hürde ist der Zugang zu diesen Spezialmetallen und den Schlüssel hält Peking in der Hand und weiß diesen geschickt als Pfand einzusetzen.
Gallium ist ein weiterer Stoff, der fast vollständig unter Chinas Kontrolle liegt: Der Weltmarktanteil an dem für Halbleiter wichtigen Material beträgt 98 Prozent. Als die USA noch unter Trumps Vorgänger Joe Biden Chinas Chip-Industrie aushebeln wollten, reagierte Peking zunächst mit Ausfuhrbeschränkungen und später sogar mit einem Exportverbot von Gallium. Dazu kamen Germanium und superharte Metalle wie Antimon. Allerdings hat das Exportverbot bei Gallium die USA nicht hart getroffen. Es gelang der Industrie auf Lieferanten aus Japan, Deutschland und Kanada auszuweichen, was so zu einer drastischen Verringerung der Direktimporte aus China führte.
Doch China legte weiter drauf und führte Ausfuhrbeschränkungen auf die schweren Seltenen Erden Holmium, Erbium, Thulium, Europium und Ytterbium sowie für Technologien rund um Abbau, Verarbeitung und Recycling von SeltenenErden ein. Immerhin konnten sich Trump und Xi vor einem Jahr zu einem Burgfrieden durchringen, der jedoch diesen November auslaufen wird. Ausfuhranträge der gelisteten Rohstoffe für militärische Anwendungen genehmigt China jedenfalls nicht.
43 Milliarden Dollar für die Rohstoffsicherung
Für Amerikas reduziertes Waffenarsenal ist das eine Problem. Der Aufbau zuverlässiger Lieferketten für Seltene Erden und andere Spezialmetalle steht daher ganz oben auf Trumps Agenda und ist in erster Linie auf militärische Bedürfnisse ausgerichtet. Die Mittel für Initiativen im Rohstoffbereich summieren sich seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit auf etwa 14 Milliarden US-Dollar. Doch schon unter Joe Biden nahm das Thema Rohstoffsicherung an Bedeutung beträchtlich zu. Seit 2021 pumpten die USA schätzungsweise 43 Milliarden US-Dollar in Rohstoff-relevante Bereiche.
Allein das im Februar angekündigte Lagerhaltungsprogramm „Project Vault“ ist zwölf Milliarden Dollar schwer. Zehn Milliarden Dollar stellt die US-Exportkreditagentur Eximbank in Form von Direktdarlehen bereit, der Rest soll aus dem Privatsektor kommen. Es ist die bisher größte Finanzierung in der Geschichte der Bank. Project Vault soll die heimische Industrie vor Versorgungsengpässen abschirmen, die Produktion und Verarbeitung kritischer Rohstoffe in den USA ausweiten und den Rohstoffsektor grundlegend stärken.
Angesichts ihrer Bedeutung für die unterschiedlichsten Rüstungsgüter genießen die 15 Seltenerdelemente unter den 60 als kritisch gelisteten Mineralien für die Regierung allerhöchste Priorität. Das spiegelt sich auch bei Project Vault wider: Priorität der Vorratslagerung haben ausgewählte Seltene Erden.
Gallium ist ein Schlüsselelement für Halbleiter und Rüstungsgüter. In den USA wurde dieser Rohstoff seit vier Jahrzehnten nicht mehr hergestellt. Es kann als Nebenprodukt der Aluminium- und Zinkproduktion gewonnen werden. Das Problem mit Gallium liegt in dem kleinen Marktvolumen im Vergleich zu anderen Metallen, was die Wirtschaftlichkeit der Galliumgewinnung zu einer großen Herausforderung macht. Die gigantische Aluminiumproduktion in China erlaubt dort eine wirtschaftliche Galliumgewinnung. Das US-Energieministerium hat im September mit TRACE-Ga ein eigenes Förderprogramm für die Gewinnung von Gallium in der Höhe von sechs Millionen Dollar aufgelegt.
Ebenfalls aus dem Energieministerium kommen 140 Millionen Dollar an Fördermitteln für die Errichtung einer Demonstrationsanlage für die Herstellung von Seltenen Erden. Das Ziel ist, die Machbarkeit der Anlage zur Gewinnung und Trennung von Seltenerdelementen sowie einer Raffinerie nachzuweisen. Die Förderung ist Teil eines Finanzierungspakets für den Rohstoffsektor in der Höhe von einer Milliarde Dollar.
US-Regierung setzt auf Markteingriff in der Seltenerdindustrie
Eine der außergewöhnlichsten Maßnahmen der Trump-Regierung in Sachen Rohstoffpolitik, ist der Einstieg des Pentagons in MP Materials. Das Pentagon hat vergangenen Oktober 400 Millionen US-Dollar für 15 Prozent der Anteile locker gemacht. Zum Deal gehört eine Abnahmeverpflichtung für die nächsten zehn Jahre und eine nicht unumstrittene Mindestpreisgarantie von 110 US-Dollar pro Kilogram Neodym-Praseodym(NdPr)-Oxid. Das heißt, das Pentagon verpflichtet sich, für die Preisdifferenz aufzukommen, sollten die Preis unter die 110-Dollar-Marke fallen.
Preisgarantien sollen den Aufbau der Industrie vor Marktverzerrungen durch China schützen, die in einer nicht allzu fernen Vergangenheit schon einmal eine ganze Generation an Seltenerd-Unternehmungen versenkt haben. Die Industrie verlangt daher schon seit längerem Schutzmechanismen dieser Art. Doch es gibt auch Kritiker solcher Maßnahmen.
Die Schwierigkeit besteht darin, den Produzenten Seltener Erden Investitionssicherheit zu bieten, ohne neue Marktverzerrungen oder Handelshemmnisse zu schaffen. Hinzu kommt, dass nicht alle Seltenerd-Unternehmen auf Mindestpreisgarantien zählen können. Washington ist davon abgerückt diese grundsätzlich zu geben, was mit dem klammen US-Haushalt zu erklären ist.
Als das Pentagon seinen Einstieg in MP Materials im Juli 2025 bekannt gab, war der garantierte Mindestpreis fast doppelt so hoch wie das Marktniveau. Aktuell liegt der Marktpreis bei 112 US-Dollar. Historisch ist der Preis für NdPr-Oxid zwischen 2013 und 2020 nur einmal über die 80-Dollar-Marke geklettert. Seitdem ist die Tendenz zwar steigend, allerdings ist der Preis in der Regel deutlich unter der 110 Dollarmarke geblieben. Ausreißer gab es zu Beginn von Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 sowie am Anfang des Irankriegs.
Dauermagneten ohne schwere Seltene Erden
MP Materials erhält vom Pentagon auch einen Kredit in der Höhe von 150 Millionen Euro für den Ausbau seiner Separationsanlage für schwere Seltene Erden. Hier sollen zunächst Dysprosium und Terbium hergestellt werden. Eben die beiden Elemente, über die MP Materials’ CEO vergangene Woche sagte, dass sie für Magneten bald obsolet sein könnten.Litinsky betonte in dem Zusammenhang, dass sie in der Lage seien, „Magnete mit den erforderlichen Spezifikationen und einem sehr geringen oder gar keinen Schwermetallanteil herzustellen.“
Die Preise für Dysprosium-Metall bewegen sich in der Tat seit einigen Jahren tendenziell nach unten. Aktuell liegen sie bei 260 US-Dollar. Terbium-Metall liegt aktuell bei deutlich über 1000 US-Dollar. Der Preis ist seit 2020 um etwa ein Drittel gestiegen. Einige Beobachter bezweifeln, dass eine komplette Substitution von Dysprosium und Terbium in leistungsstarken Dauermagneten möglich ist. Sie sehen in Litinskys Aussagen einen Hinweis auf Probleme diese Elemente herzustellen. Auf der anderen Seite konnten Magnethersteller den Bedarf an Dysprosium und Terbium in Magneten in den vergangenen Jahren tatsächlich stetig mindern.
Dass leistungsstarke Elektromotoren von E-Autos auch ganz ohne Seltene Erden auskommen, macht BMW vor. Der deutsche Autobhersteller hat aus der Seltenerdkrise 2010 seine Schlüsse gezogen und bewusst auf eine alternative Technologie gesetzt, um sich gegen künftige geopolitische Risiken zu wappnen. Trotz des Verzichts verbraucht BMW jährlich dennoch mehrere hundert Kilogramm an Seltenen Erden, denn die stecken in den vielen kleinen elektrischen Motoren, die alles mögliche vom Scheibenwischer bis zu den Fensterhebern bewegen.
Vollintegriertheit ist im Trend: Von der Mine zur Magnetfabrik
MP Materials hat den Anspruch, nicht nur abzubauen, sondern will die gesamte Wertschöpfungskette abdecken: von der Mine über die Verarbeitungs- und Separationsanlage bis zur Magnetfabrik. Letztere soll in Texas entstehen. Für die Errichtung bekommt MP Materials eine weitere Geldspritze aus Washington. Auch der Privatsektor beteiligt sich an der Finanzierung: Goldman Sachs und JPMorgan Chase wollen eine Milliarde Dollar beisteuern.
Mit Saudi-Arabien haben die USA einen alten Verbündeten im Nahen Osten, der angesichts von Peak-Oil seine Fühler auch in den Metallsektor ausstreckt. Im November gab MP Materials bekannt, gemeinsam mit dem Pentagon undMaaden, dem staatlichen Bergbauunternehmen der Saudis, eine Raffinerie für Seltene Erden im Nahen Osten zu errichten. Das Material soll aus Lagerstätten in Saudi-Arabien und anderen Ländern kommen. Doch die müssen erst noch gefunden und erschlossen werden.
Im März verpflichtete das Weiße Haus außerdem den australischen Seltenerdkonzern Lynas Rare Earths für 96 Millionen Dollar zur Lieferung von leichten und schweren Seltenerdoxiden über die nächsten vier Jahre. Auch hier gehört eine Mindestpreisgarantie von 110 US-Dollar für NdPr-Oxid zur Abmachung. Lynas Rare Earths ist mit seiner Anlage in Malaysien der größte Verarbeiter von Seltenen Erden außerhalb Chinas. Vor kurzem gelang es Lynas erfolgreich Dysprosium und Terbium herzustellen.
USA greifen nach brasilianischen Seltenen Erden
Im Januar diesen Jahres folgte dann der nächste Streich: im Rahmen eines 1,6 Milliarden Dollar schweren Investitionspakets aus Fremd- und Eigenkapital kündigte das US-Handelsministerium seinen Einstieg in USA Rare Earthan. Das 2019 gegründete Startup plant in Texas ab 2028 Seltene Erden abzubauen. In Oklahoma will die Firma noch dieses Jahr ein Magnetfabrik in Betrieb nehmen.
Dieser Deal sorgte jedoch für heftige Kritik, vor allem von den Demokraten. Die Verflechtungen von US-Handelsminister Howard Lutnick mit dem Finanzunternehmen Cantor Fitzgerald und USA Rare Earth werfen ein schiefes Licht auf dieses Geschäft. Zweifel gibt es auch an der Wirtschaftlichkeit der Lagerstätte von Round Top Mountain. Das Unternehmen räumte selbst ein, dass der Gehalt im Vergleich zu anderen Abbaustätten für Seltene Erden gering ist. Für Verunsicherung sorgt zudem, dass eine vorläufige Machbarkeitsstudie erst Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. Für Investoren üblicherweise eine wichtiges Entscheidungsinstrument, um in ein Bergbauunternehmen zu investieren.
Im April gab USA Rare Earth bekannt die Serra-Verde-Gruppe aus Brasilien für 2,8 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Der US-Arm für Entwicklungsfinanzierung hat dem Unternehmen bereits im Februar eine Finanzierung in der Höhe von 565 Millionen US-Dollar zugesagt. Serra Verde ist im Besitz der Pela-Ema-Mine im Bundesstaat Goiás, in der seit Anfang 2024 Seltene Erden aus Ionen-Adsorptionstonen gewonnen werden. Ionen-Adsorptionstone gelten als wichtigste Quelle für schwere Seltenen Erden. Es handelt sich um die erste Lagerstätte dieser Art außerhalb Asiens.
Brasilien hat nach China die zweitgrößten bekannten Reserven für Seltene Erden, die mit 21 Millionen Tonnen beziffert werden. Das Potenzial ist groß, allerdings wird in dem südamerikanischen Land noch kaum abgebaut. Dank Brasiliens Rohstoffvorkommen hat Trump die exorbitanten Zölle auf brasilianische Produkte wieder aufgehoben. Diese waren als Bestrafung für die Verfolgung von Ex-Präsident Jair Bolsonaro durch die brasilianischen Justiz gedacht. Beim Besuch in Washington vor einigen Tagen, schien die Stimmung zwischen Trump und Brasiliens gewerkschaftsfreundlichen Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva gut zu sein.
USA und Frankreich planen gemeinsame Magnetfabrik
Auch Europa bleibt nicht außen vor: USA Rare Earth kündigte Anfang April an, sich am französischen Startup Caresterzu beteiligen. Die Firma baut in Südfrankreich eine Verarbeitungs- und Recyclinganlage für Seltene Erden. Die Vereinbarung mit USA Rare Earth sieht die Errichtung einer gemeinsamen Magnetfabrik in Frankreich vor. In Frankreich ist noch gutes Know-how über die Verarbeitung und Trennung von Seltenen Erden vorhanden. Das Land war in den 1980er Jahren einer der Weltmarktführer in dem Sektor.
Es scheint doch nicht alles so schlecht in der EU zu sein, wie aus dem Weißen Haus oft zu hören ist. Während Trump Nägel mit Köpfen macht, ist auch die EU nicht untätig geblieben. So hat der Wirtschaftsblock ebenfalls im April seine 16. Rohstoffpartnerschaft geschlossen — mit den USA. Die Beziehungen sind also noch intakt. Zu einer Verbesserung der Versorgung mit kritischen und strategischen Rohstoffen haben die Rohstoffpartnerschaften bislang aber kaum beigetragen.
Zumindest auf dem Papier hat die EU eine systematische und langfristig Strategie. Und auch hier wird Geld in die Hand genommen, um der Industrie Rohstoffe zu sichern. Allerdings gestaltet sich die Sache um einiges schwieriger, angesichts der EU-Struktur. Neben EU-weiten Fonds und Programmen wie der RESourceEU-Initiative, dem Battery Booster Paket und den strategischen EU-Projekte legen einzelne Mitgliedsstaaten auch eigene Programme auf.
In Deutschland ist dies der mit einer Milliarde Euro ausgestattete Rohstofffonds und in Frankreich gibt es mit InfraVia seit 2023 einen staatlichen Fonds für kritische Metalle, der mit 500 Millionen Euro ausgestattet ist. Alles in allem bringt die EU zwischen vier und fünf Milliarden Euro für die Sicherung von kritischen Rohstoffen auf. Deutlich weniger als die USA. Der Alte Kontinent setzt vor allem auf eine langfristige Strategie, in der etwa Kreislaufwirtschaft eine prominente Rolle bei der Sicherung von Rohstoffen spielen soll.
Ob Trumps Hau-drauf-Politik schneller zum Ziel kommt als die auf Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit ausgerichtete EU-Strategie, die mit vielen bürokratischen Hürden gepflastert ist, wird die Zeit zeigen. Zumindest rein optisch scheinen die USA besser positioniert zu.
Angesichts markteingreifender Maßnahmen wie Mindestpreisgarantien, ausgerechnet in einem stark vom Kapitalismus geprägten Land, stellt sich die Frage, ob das Problem nicht auch systemischer Natur ist. Kapital fließt schließlich am liebsten dorthin, wo schneller Gewinn wartet. Industrialisierung - und dazu gehört auch die mühsame Arbeit der Erschließung von Rohstoffen am Anfang der Lieferkette - bedeutet große Investitionen über lange Zeiträume.
Institut für seltene Erden und Metalle
Arndt Uhlendorff – Mai 2026


