Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Nutztierhaltung in Deutschland
Fachtagung des Bundesverband Rind und Schwein e.V. 2026 in Berlin

17. April 2026, 10:32 Uhr · Quelle: LifePR
Experten beleuchteten Einflüsse auf die Nutztierhaltung durch globale Krisen und Innovationen, um die Versorgungssicherheit zu stärken.

Bonn, 17.04.2026 (lifePR) - Die diesjährige Fachtagung des Bundesverbandes Rind und Schwein e.V. (BRS) fand am 14. April in Berlin statt. Die Tagung stand mit dem Titel „Perspektiven denken – für Tierhaltung, für Ernährung, für morgen“ im Zeichen unserer Zeit, in der angesichts globaler Krisen die Versorgungssicherheit eine bedeutende gesellschaftliche Rolle spielt. Die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Nutztierhaltung der Zukunft – Angebot und Nachfrage nach tierischen Produkten, Strukturwandel in der Landwirtschaft, geopolitische Rahmenbedingungen, Klimawandel, Chancen durch künstliche Intelligenz sowie die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels – wurden von den eingeladenen Experten beleuchtet und bildeten den roten Faden der Veranstaltung. Aus der Politik nahmen Professor Dr. Eberhard Haunhorst, Leiter der Abteilung 3 „Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit” im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), sowie Albert Stegemann, Landwirt und Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Ernährung und Landwirtschaft, teil.

Referenten geben Einblicke in die Einflussfaktoren auf die Ernährungssicherung

Der Ernährungswissenschaftler und Buchautor Dr. Malte Rubach zeigte die Bedeutung effizienter, kombinierter Produktionssysteme aus Pflanzenbau und Tierhaltung in der landwirtschaftlichen Lebensmittelerzeugung auf. Nach Rubachs Einschätzung bleibt die globale Nachfrage nach tierischen Pro dukten hoch. Die Weltbevölkerung wächst und Schwellenländer steigern ihren Fleischverzehr. Laut Rubach spielt in der Welternährung vor allem die Versorgung mit hochwertigem Protein eine Rolle.

Der Meeresbiologe und Systemanalytiker Dr. Udo Engelhardt stellte die Bedeutung des Klimawandels und seine Konsequenzen für die Nutztierhaltung vor. Für gesicherte Rahmenbedingungen seien funktionierende Biosphären unerlässlich, betonte der Wissenschaftler. Diese stünden jedoch deutlich auf der Kippe, weshalb dringendes Handeln für den Klimaschutz erforderlich sei. Dies sei nur zu bewerkstelligen, wenn man sich vom singulären Denken verabschiede und vernetzt handele. Wasser werde in der Zukunft das alles bestimmende Thema sein.

Angesichts aktueller geopolitischer Herausforderungen referierte Oberst I. G. Schaus vom Operativen Führungskommando der Bundeswehr zum Operationsplan Deutschland. Ernährungssicherheit ist Teil der nationalen Sicherheit. Moderne Sicherheitsstrategien betrachten die Landwirtschaft als kritische Infrastruktur, die für die Resilienz von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft entscheidend sei. Sicherheit erfordere das Zusammenspiel von militärischer und ziviler Verteidigung. Versorgungssicherheit müsse auch in Krisen gewährleistet sein.

Björn Fromm, Geschäftsführer dreier Edeka-Märkte in Berlin und Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), vertrat die Rolle des Lebensmitteleinzelhandels. Er erklärte, dass die Konsumenten mit ihrem Kaufverhalten die Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel bestimmen. Der LEH könne über sein Sortiment und Kennzeichnungen allenfalls lenken. Auffällig beim Kaufverhalten sei, dass tierische Lebensmittel aus den höheren Haltungsformen 3 und 4 wenig nachgefragt werden. Laut Fromm sind für die Kaufentscheidung der Preis, der Geschmack, die Gewohnheit und die Verfügbarkeit der Produkte ausschlaggebend.

Prof. Lisa Bachmann von der Hochschule Neubrandenburg ging auf den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in der Tierhaltung sowie die damit verbundenen Möglichkeiten und Herausforderungen ein. Der Personalmangel in der landwirtschaftlichen Tierhaltung begünstige den steigenden Einsatz von KI. Bachmann forderte die Wiederaufnahme und Aufstockung des Bundesprogramms für Nutztierhaltung, um die Forschung, beispielsweise zum „Milchviehstall der Zukunft“, fortsetzen zu können.

Die Agrarwissenschaftlerin Suzanne Otten war eingeladen, um den Strukturwandel in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung sowie die entsprechenden Einflussfaktoren vorzustellen. Leider fiel sie gesundheitsbedingt aus. Seit Jahrzehnten setzt sich der Rückgang der Betriebszahlen fort, gleichzeitig werden die Betriebe immer größer. Strukturwandel kann jedoch sowohl Herausforderung als auch Chance sein. Modernisierungen stärken die Effizienz, Innovationskraft und Resilienz der Systeme. Ernährungssicherheit entscheidet sich heute – bei der Frage, wer morgen die Höfe führt.

Politik bekennt sich klar zur Nutztierhaltung in Deutschland

Im Anschluss an die Vorträge schloss Professor Haunhorst an. Er machte deutlich, dass Deutschland ein Gunststandort für die tierische Erzeugung ist. „Es bringt nichts, die Produktion in andere Länder abwandern zu lassen, die unter weniger guten Standards arbeiten“, so Haunhorst. Ein besonderes Anliegen ist ihm das Thema der Marktöffnung und Aufhebung von Handelsrestriktionen für den Außen handel. Er verwies dabei auch auf die intensive Arbeit von Minister Alois Rainer im Rahmen der Exportstrategie. Der Export trage zur Stabilisierung der Märkte bei und sei somit ein wichtiger Baustein für den Erhalt der Tierhaltung in Deutschland und unseres resilienten Versorgungssystems.

Auch Albert Stegemann betonte das Bekenntnis der Politik zur Tierhaltung. „Wir sagen ganz klar Ja zur Nutztierhaltung!“, so Stegemann. Mit der politischen Agenda des BMEL soll es wieder möglich werden, in die Landwirtschaft zu investieren und damit Geld zu verdienen. Auf die Frage, ob und in welcher Höhe weiterhin mit Sonderzahlungen (GAP) zu rechnen sei, meinte Stegemann, dass die Unterstützung der Kommission und der Bundesregierung in Sachen Wettbewerbsfähigkeit ebenso wichtig sei wie Fördergelder. Entscheidend wären die Rahmenbedingungen, um die Zukunft der deutschen Landwirtschaft und die freie Marktwirtschaft sicherzustellen. Zu diesem Zweck sollen das Baugenehmigungsrecht und das Bundesemissionsschutzgesetz überarbeitet werden, um das Genehmigungsverfahren zu erleichtern.

In der Diskussion wurde auch die wichtige Stellschraube der Effizienz angesprochen. Eine effiziente landwirtschaftliche Erzeugung ist auch für den Klimaschutz von grundlegender Bedeutung. Rubach wies darauf hin, dass der Fleischverbrauch in Deutschland gestiegen ist – leider auch durch Importware. Dies sei nachteilig für den globalen Klimaschutz, da in Deutschland Produkte mit geringeren CO2 Emissionen produziert werden als in den meisten anderen Ländern.

Mit Blick auf die Haltungsformen HF1 bis HF5 kam aus dem Publikum der Hinweis an den LEH, ob er wirklich ab dem Jahr 2030 nur noch Produkte aus der HF3 oder höher anbieten wolle. Die Betriebe seien zwar grundsätzlich zur Umstellung bereit, jedoch sei das Tempo selbst bei größtem Einsatz nicht haltbar. Zudem müsse sich die Nachfrage entsprechend in den Preisen niederschlagen. Fromm erwiderte, dass aktuell andere Bedingungen als 2018 vorlägen, die die Umsetzung des Ziels erschwerten.

Die Fachtagung zeigte, dass die Zukunft der Nutztierhaltung von globalen, politischen, ökologischen und wirtschaftlichen Faktoren geprägt ist. Ernährungssicherheit wird zunehmend als Teil der nationalen Sicherheit verstanden und erfordert resiliente und nachhaltige Produktionssysteme. Innovationen, etwa durch künstliche Intelligenz, sowie stabile politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle. Der stellvertretender Geschäftsführer des BRS, Stephan Schneider, schloss die diesjährige Fachtagung mit den Worten: „Die heutige Veranstaltung hat gezeigt, dass die Landwirtschaft und die Nutztierhaltung wesentliche Bestandteile Deutschlands sind. Wir sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Darauf können wir stolz sein.“

Energie & Umwelt / Nutztierhaltung / Landwirtschaft / Klimawandel / KI / Ernährungssicherheit / Politik
[lifepr.de] · 17.04.2026 · 10:32 Uhr
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