Grenzkrieg eskaliert: Hunderttausende fliehen aus Kambodscha
Vermittlungsversuch aus Washington verpufft
Die Eskalation erfolgt trotz eines kurzfristigen Vermittlungsversuchs von US-Präsident Donald Trump. Nach Telefonaten mit Kambodschas Ministerpräsident Hun Manet und Thailands Regierungschef Anutin Charnvirakul hatte Trump erklärt, beide Seiten hätten sich bereit erklärt, die Kampfhandlungen einzustellen. Eine offizielle Bestätigung aus Phnom Penh oder Bangkok blieb jedoch aus.
Unklar war zudem, auf welchen Zeitpunkt sich Trumps Ankündigung bezog. In Südostasien war es zu diesem Zeitpunkt bereits Nacht, während die Gefechte am folgenden Morgen erneut aufflammten. Beide Länder beschuldigten sich gegenseitig, zivile Gebiete beschossen zu haben.
Thailand kündigt Fortsetzung der Militäraktionen an
Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul machte deutlich, dass Bangkok nicht zu einem einseitigen Einlenken bereit ist. Thailand werde seine militärischen Operationen fortsetzen, solange eine Bedrohung für Land und Bevölkerung bestehe, schrieb er in einer Stellungnahme. Die jüngsten Aktionen der thailändischen Streitkräfte sprächen für sich, so Charnvirakul.
Bereits zuvor hatte Thailand Luftangriffe auf kambodschanische Stellungen geflogen. Beide Seiten werfen sich vor, eine zuvor geltende Waffenruhe gebrochen zu haben.
Humanitäre Lage verschärft sich
Die anhaltenden Kämpfe haben erhebliche humanitäre Folgen. Nach Angaben internationaler Beobachter und lokaler Behörden sind inzwischen mehr als 500.000 Menschen aus den Grenzregionen geflohen. Viele suchen notdürftig Schutz auf Feldern, in Tempeln oder bei Verwandten. Mindestens 20 Menschen kamen bislang ums Leben, darunter mehrere Zivilisten. Zudem wurden Hunderte verletzt.
Hilfsorganisationen warnen vor einer weiteren Verschlechterung der Lage, sollte der Konflikt anhalten. Die Schließung der Grenze erschwert nicht nur die Fluchtbewegungen, sondern auch die Versorgung der betroffenen Regionen.
Jahrzehntealter Konflikt als Brandherd
Hintergrund der Eskalation ist ein seit Jahrzehnten schwelender Streit um Grenzverläufe und Hoheitsrechte entlang der rund 800 Kilometer langen Grenze zwischen beiden Ländern. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu bewaffneten Auseinandersetzungen, die meist durch kurzfristige Waffenruhen eingedämmt wurden.
Die aktuelle Eskalation zeigt jedoch, wie fragil diese Vereinbarungen sind. Solange es keine belastbare politische Lösung gibt, bleibt die Region ein permanenter Krisenherd – mit wachsenden Risiken für die Zivilbevölkerung und die Stabilität in Südostasien.


