Gleichstellung in Vorstandsetagen: Ein stagnierendes Potenzial
Die Entwicklung in der Besetzung von Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft mit Frauen stockt. Laut der deutsch-schwedischen AllBright Stiftung stagniert der Frauenanteil in den Führungsetagen von 160 börsennotierten Unternehmen auf niedrigem Niveau. Wiebke Ankersen und Christian Berg, Führungspersönlichkeiten der Stiftung, betonen die Bedeutung einer besseren Nutzung weiblichen Potenzials, um die Wirtschaft voranzubringen.
Michaela Engelmeier, Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, wertet die Stagnation als eindeutiges "Alarmzeichen" für die gesellschaftspolitische Landschaft. Ihrer Meinung nach gefährdet das ungenutzte weibliche Potenzial nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch die Bewältigung des Fachkräftemangels. Ein alarmierender Befund der Analyse: Nur knapp jeder fünfte Vorstandsposten ist derzeit mit einer Frau besetzt, wobei der Anteil bei den zuletzt neu hinzugekommenen Mitgliedern nur 20 Prozent betrug.
Im Gegensatz dazu zeigen sich in den Aufsichtsräten der Dax-Konzerne immerhin annähernd gleichwertige Geschlechterverhältnisse mit einem Frauenanteil von rund 40 Prozent. Doch bleibt der Anteil in den Vorstandsetagen mit 25,7 Prozent deutlich geringer und sorgt dafür, dass Deutschland im internationalen Vergleich, insbesondere hinter Großbritannien, zurückfällt. Die geschlechterbedingte Führungslücke ist laut der Stiftung auch ein Resultat einer "Krisenlähmung", die auf veraltete Muster zurückgreift und innovative Mitarbeiterinnen übersieht.
Ein spezifisches Beispiel liefert die Automobilbranche. Trotz der drängenden Herausforderungen in ihrer Geschäftsmodellentwicklung, setzen Unternehmen wie Volkswagen, BMW und Porsche noch stark auf traditionelle Strukturen. Mit nur jeweils einer Frau im Vorstand bleibt die Automobilindustrie hierzulande hinter den Erwartungen zurück.
Deutsche Unternehmen schneiden auch im europäischen Kontext schlecht ab, wie eine Studie des Statistischen Bundesamts zeigt: Mit einem Frauenanteil von 29,1 Prozent liegen sie unter dem EU-Durchschnitt von 35,2 Prozent. Diese Diskrepanz spiegelt sich auch in der Untersuchung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wider. Trotz des Potenzials von Frauen, die fast die Hälfte der Arbeitskräfte ausmachen, bleibt die Führungsriege männlich dominiert.
Ein Blick auf die Erfolge familienfreundlicher Maßnahmen zeigt zwar eine positive Entwicklung, doch der durch Geschlechterungleichheit verursachte "Gender Leadership Gap" bleibt bestehen.

