Gasbohrungen am Ammersee: Ein Akt des Widerstands
Umweltaktivisten von Greenpeace haben in einer spektakulären Aktion kurz vor dem Start der Erdgasbohrungen in Reichling bei Landsberg am Lech ein starkes Zeichen gesetzt. Wenige Tage bevor der umstrittene Bohrturm errichtet werden soll, erklommen 13 Aktivisten eine Bambus-Konstruktion am Bohrplatz und hissten eine Fahne mit der Aussage "Kein neues Gas!", während eine Person kühn in luftiger Höhe an einem Seil hing. Ihre Botschaft ist klar: Der Widerstand gegen neue fossile Projekte wird nicht verstummen.
Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die Bohrung auf Hochtouren. Die Regierung von Oberbayern hat den geplanten Start der Bauarbeiten bereits registriert. Die Ankunft von Kranteilen und Spezialtanks in den letzten Tagen weist auf die bevorstehenden Bauarbeiten hin. Dennoch bleibt der genaue Startzeitpunkt der Bohrungen unklar, da weiterhin einige formale Genehmigungen sowie technische Prüfberichte ausstehen.
Greenpeace kritisiert vehement die Bohrpläne und erinnert an die klimapolitischen Verpflichtungen Deutschlands. Saskia Reinbeck von Greenpeace Bayern warnt vor der langfristigen Abhängigkeit von Erdgas und ruft zu einem Stopp der Bohrungen auf. Dies wird durch ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs untermauert, das alle Staaten zur Erfüllung des 1,5-Grad-Ziels verpflichtet.
Hinter dem Projekt steht die "Energieprojekt Lech Kinsau 1", maßgeblich getrieben von der MRH Mineralöl-Rohstoff-Handel und der Genexco. Die geplante Förderdauer von bis zu 15 Jahren könnte eine substantielle Gasmenge zur Verfügung stellen, sofern die Probebohrung erfolgreich verläuft. Doch der Erfolg birgt auch die Gefahr weiterer Bohraktivitäten in der Region, befürchtet Greenpeace.
In der Gemeinde herrscht erhebliche Sorge, vor allem um das Trinkwasser, welches in unmittelbarer Nähe der Bohrstelle gewonnen wird. Dazu kommen Ängste um den Immobilienmarkt und den für die Region bedeutenden Tourismus. Die Betreiber des Projekts betonen, dass keine Umweltrisiken bestünden, doch die Skepsis bleibt groß.

