Führung im 24/7-Betrieb: Was Unternehmen vom Sicherheitsumfeld lernen sollten
Warum Klarheit, Qualifizierung und Vertrauen zu den unterschätzten Wettbewerbsfaktoren im Executive Search werden

11. März 2026, 10:32 Uhr · Quelle: Pressebox
Führung im 24/7-Betrieb: Was Unternehmen vom Sicherheitsumfeld lernen sollten
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Führung im 24/7-Betrieb: Was Unternehmen vom Sicherheitsumfeld lernen sollten
Experten teilen Prinzipien aus dem 24/7-Betrieb, die Unternehmen bei Veränderungen und Personalentwicklung unterstützen.

Frankfurt, 11.03.2026 (PresseBox) - Ein Gespräch mit Tina Krogmann, Geschäftsführerin Personal/ Arbeitsdirektorin DB Sicherheit GmbH, und Jorma Schüch, Principal Public Sector bei HAGER Executive Consulting

Es gibt Organisationen, die können sich keine Unschärfe leisten.

Während in Konferenzräumen und auf Führungskräftetagungen über hybride Arbeitsmodelle, psychologische Sicherheit und neue Führungsbilder debattiert wird, funktioniert anderswo der Betrieb einfach — nachts, am Wochenende, unter Druck, ohne Pause. Im Sicherheitsumfeld ist Verlässlichkeit keine Formulierung im Leitbild. Sie ist tägliche Betriebsvoraussetzung.

Tina Krogmann weiß das aus langjähriger Praxis. Im Gespräch mit Jorma Schüch, Principal Public Sector bei HAGER Executive Consulting, spricht sie darüber, welche Führungsprinzipien sich im 24/7-Betrieb wirklich bewähren — und warum die Antworten, die das Sicherheitsumfeld entwickelt hat, weit über die eigene Branche hinausweisen.

Führung wird konkret

Führung ist ein Begriff, der gerne in große Konzepte gekleidet wird. Im Dauerbetrieb hat man für Konzepte wenig Zeit.

Wer in einem sicherheitskritischen Umfeld Verantwortung trägt, führt nicht entlang idealtypischer Bürotage. Entscheidungen müssen belastbar sein — unabhängig von Uhrzeit, persönlicher Verfassung oder situativer Nähe zur Führungskraft. Was zählt, zeigt sich nicht im Jahresgespräch, sondern im Moment.

Für Krogmann verdichtet sich gute Führung auf drei Faktoren: Klarheit, Verlässlichkeit und echtes Interesse am Menschen. Das klingt schlicht — und ist es auch. Absichtlich.

Unklare Erwartungen und widersprüchliche Botschaften entfalten in einem 24/7-System unmittelbare Wirkung. Reibung entsteht genau dort, wo Orientierung fehlt. Klarheit hingegen entlastet — nicht nur die Führungskraft, sondern das gesamte Team. Dabei löst Krogmann ein verbreitetes Missverständnis auf: Präsenz bedeutet nicht Kontrolle. Gerade in Strukturen, in denen Führung nicht jederzeit physisch greifbar ist, wird Vertrauen zum entscheidenden Wirkfaktor. Und Vertrauen entsteht nicht durch Aufsicht, sondern durch Haltung — durch das tägliche Zuhören, durch das Erklären von Entscheidungen, durch die sichtbare Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bevor man dazu aufgefordert wird.

Der Arbeitsmarkt verlangt ehrliche Antworten

Parallel verschiebt sich der Arbeitsmarkt in einem Tempo, das viele Unternehmen noch nicht vollständig verarbeitet haben. Lineare Karrierewege verlieren an Bedeutung. Brüche, Wechsel, Neuorientierungen — das ist heute nicht die Ausnahme, sondern die Normalität.

Für die DB Sicherheit GmbH ist die Konsequenz klar: Ohne strategisch gedachten Quereinstieg und konsequente interne Qualifizierung lässt sich der Personalbedarf der Zukunft nicht decken. Der Fokus verschiebt sich bewusst weg vom perfekten Lebenslauf — hin zu Motivation, Haltung und Entwicklungspotenzial.

Das ist keine Notlösung, sondern eine strategische Neupositionierung. Quereinstieg öffnet Perspektiven — für Menschen, die neue Wege suchen, und für Organisationen, die frische Zugänge brauchen. Der entscheidende Faktor liegt jedoch in der Begleitung: Wer diesen Einstieg nicht systematisch strukturiert, verspielt das Potenzial, das er sich erhofft hat.

Interne Qualifizierung versteht Krogmann deshalb nicht als Zusatzangebot, sondern als Investition in Stabilität. Wer im eigenen Unternehmen wächst, baut nicht nur Kompetenz auf — er baut Bindung auf. In Umfeldern mit hoher Verantwortung ist das kein weicher Faktor, sondern ein harter Stabilitätsvorteil.

Die eigentliche Frage hinter allen Strategiepapieren

Bei aller Themenvielfalt verdichtet sich die Herausforderung der kommenden Jahre auf eine einzige, ernsthafte Leitfrage: Wie gelingt Verlässlichkeit in einer Welt permanenter Veränderung?

Diese Frage verändert, wie Prioritäten gesetzt werden müssen. Führungskräfte bleiben der stärkste Hebel — nicht durch mehr Regelwerke, sondern durch Klarheit, gelebte Haltung und gezielte Befähigung. Wer das vernachlässigt, verliert an genau der Stelle, wo es am meisten zählt.

Gleichzeitig gewinnt ein Prinzip an Relevanz, das in vielen Unternehmen noch zu wenig strategisches Gewicht hat: Qualifizierung statt Austausch. Wer primär ersetzt, denkt kurzfristig. Wer konsequent entwickelt, stärkt die eigene Organisation von innen heraus. Genau hier entsteht strukturelle Resilienz — mit messbaren Effekten auf Stabilität, Leistungsfähigkeit und die Qualität von Führung.

Auch Mitarbeiterbindung folgt einem klaren Muster. Menschen bleiben dort, wo drei Dinge zusammenkommen: Sinn, Klarheit und Perspektive. Wer versteht, wofür er arbeitet, was erwartet wird und wie er sich entwickeln kann, baut eine Verbindung zum Unternehmen auf, die belastbarer ist als jedes Retention-Programm.

Und noch ein Thema, das Krogmann ausdrücklich aus der Kategorie „weiche Faktoren“ herausnimmt: Gesundheit und Resilienz. In anspruchsvollen Arbeitsumfeldern sind sie keine optionalen Ergänzungen im Jahresprogramm, sondern betriebliche Voraussetzung für Leistungsfähigkeit. Wer das ignoriert, zahlt den Preis woanders.

Vor diesem Hintergrund versteht Krogmann HR klar als Gestalter von Rahmenbedingungen — nicht als administrative Begleitfunktion.

KI: ein Werkzeug, das Führung freisetzt — nicht ersetzt

Auch im Sicherheitsumfeld schreitet die Digitalisierung voran. Prozesse werden effizienter, Abläufe transparenter, Daten besser nutzbar. Die Diskussion um Künstliche Intelligenz wird dabei bei Krogmann bewusst nüchtern geführt — ohne Euphorie, aber auch ohne Abwehr.

Der eigentliche Mehrwert liegt nicht in maximaler Automatisierung. Er liegt darin, Zeit zurückzugewinnen — für echte Gespräche, für Entwicklung, für die Entscheidungen, die wirklich Führungskraft verlangen. KI, richtig eingesetzt, schafft genau diesen Raum.

Was dabei nicht verhandelbar bleibt: Verantwortung. Gerade dort, wo Entscheidungen Menschen betreffen, ist kein Algorithmus der richtige Entscheidungsträger. In sensiblen Bereichen gelten klare Prioritäten — Sorgfalt, Datenschutz und Verantwortungsbewusstsein stehen über jeder Effizienzüberlegung. KI kann HR entlasten. Führung ersetzen kann sie nicht.

Der Moment, in dem Führung wirklich beginnt

Ein Muster, das Krogmann aus ihrer eigenen Laufbahn mitnimmt, lässt sich auf einen Satz verdichten: Wachstum entsteht nicht, wenn alles geklärt ist.

Der prägende Schritt war für sie die erste Organfunktion als Geschäftsführerin im Jahr 2016. Nicht als Krönung einer langen Vorbereitung — sondern als Sprung in eine Rolle, die größer war als die Sicherheit, die sie zu diesem Zeitpunkt hatte. Was sie rückblickend als entscheidend beschreibt, ist nicht das Amt selbst, sondern die Entscheidung davor: die Bereitschaft, ja zu sagen, bevor alle Fragen beantwortet waren.

Das ist keine Romantisierung von Risiko. Es ist eine nüchterne Beobachtung über Führung: Wer wartet, bis er vollständig vorbereitet ist, wartet oft zu lang. Wirkung entsteht nicht aus Perfektion — sondern aus der Fähigkeit, unter Unsicherheit klar zu bleiben und trotzdem zu entscheiden. Für Unternehmen, die heute Führungspersönlichkeiten suchen, ist das eine relevante Frage: Worauf schauen wir eigentlich — auf den makellosen Lebenslauf oder auf die Momente, in denen jemand Verantwortung übernommen hat, obwohl es unbequem war?

Was das für Organisationen und die Besetzung von Führungsrollen bedeutet

Aus Sicht von HAGER Executive Consulting bestätigen diese Einblicke eine Entwicklung, die sich branchenübergreifend beobachten lässt. Die Herausforderung, die das Sicherheitsumfeld besonders sichtbar macht, ist keine sektorale Besonderheit — sie ist das Grundproblem jeder Organisation, die gleichzeitig stabil bleiben und sich verändern muss.

Erfolgreich navigieren werden jene Unternehmen, die Führung nicht als Selbstläufer behandeln, sondern als Kompetenz, die systematisch entwickelt werden muss. Den Quereinstieg nicht als Notbehelf verstehen, sondern als strategische Öffnung. Die Qualifizierung der eigenen Menschen konsequenter priorisieren als den externen Ersatz. Und die Technologie dort einsetzen, wo sie echte Entlastung schafft — ohne dabei die Verantwortung aus der Hand zu geben.

Gerade bei der Besetzung kritischer Führungspositionen im Executive Search zeigt sich immer deutlicher: Neben fachlicher Exzellenz sind es Klarheit, Entscheidungsfähigkeit und Führungswirksamkeit, die über nachhaltige Wirkung entscheiden. Nicht das fertige Profil — sondern der Mensch dahinter.

Der stille Wettbewerbsvorteil

Aus unserer Beratungspraxis bei HAGER Executive Consulting zeigt sich dabei ein klares Bild: Die Bedingungen im Sicherheitsumfeld sind besonders. Die Führungsprinzipien, die dort entstehen, sind es nicht.

In einer Arbeitswelt permanenter Veränderung wird nicht die Organisation mit den meisten Initiativen gewinnen — sondern die mit der größten Klarheit, der höchsten Verlässlichkeit und der glaubwürdigsten Führung. Das ist kein Paradox. Es ist die ehrlichste Antwort auf eine Zeit, in der alles in Bewegung ist.

Führung / Sicherheitsumfeld / Personalentwicklung / Quereinstieg / Arbeitsmarkt / Dienstleistungen
[pressebox.de] · 11.03.2026 · 10:32 Uhr
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