Frauen in deutschen Vorstandsetagen: Fortschritte verlangsamen sich deutlich
Die Diskussion um die Geschlechtervielfalt in den Führungsetagen der größten deutschen Unternehmen erhält durch die neuesten Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) neuen Auftrieb. Trotz der bedeutenden Aufholjagd in den letzten zwei Jahrzehnten verharrt der Anteil der weiblichen Führungskräfte in Deutschlands Vorständen auf niedrigem Niveau und zeigt sogar leichte Rückgangstendenzen. Im Herbst 2025 hatten Frauen gerade einmal 18,6 Prozent der Vorstandsposten in den 200 umsatzstärksten Unternehmen inne – abgesehen vom Finanzsektor. Dies stellt ein Minus von 0,5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr dar. Im finanziellen Sektor hingegen konnte ein leichter Anstieg verzeichnet werden. Der Frauenanteil in den Vorständen der Top-100-Banken kletterte um über einen Prozentpunkt auf knapp 22 Prozent, während die führenden 60 Versicherungen einen Zuwachs auf etwas über 21 Prozent meldeten. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der positive Trend der letzten Jahre für weibliche Vorstandsmitglieder insgesamt ins Stocken geraten ist – ein Umstand, den das DIW eher dem schnelleren Zuwachs männlicher Vorstandsmitglieder zuschreibt. Besonders stagnierend ist die Situation bei den Vorstandsvorsitzen der umsatzstärksten 200 Unternehmen mit einem Anteil von lediglich 7,3 Prozent weiblicher Führung. Ein Umstand, der bereits im Vorjahr Bestand hatte. Auch das jüngste Update der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) zur DAX-Zusammensetzung rechtfertigt keine Euphorie: Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten beträgt 39,6 Prozent und in den Vorständen 25,3 Prozent – beide Zahlen zeigen kaum Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Dennoch führen vier Frauen DAX-Unternehmen, darunter prominente Namen wie Belén Garijo von Merck und Bettina Orlopp von Commerzbank. Die Diskussion um Geschlechterparität wird durch Stimmen wie Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Fidar, befeuert, die betont, dass Stillstand keine Alternative ist. Eine paritätische Verteilung in den Führungsgremien der Wirtschaft bleibt das erklärte Ziel. Sollte die Wirtschaft ihren Innovationsgeist in diesem Bereich nicht verstärken, könnte der Gesetzgeber gezwungen sein, einzugreifen.

