Frankreich nimmt Shein ins Visier: Großkontrolle am Pariser Flughafen
Frankreich hat mit einer beispiellosen Aktion die Kontrolle über rund 200.000 Pakete des Online-Modehändlers Shein am Pariser Flughafen übernommen. Diese umfassende Maßnahme, in Zusammenarbeit mit der Wettbewerbs-, Verbraucher- und Betrugsbekämpfungsbehörde, dient der Überprüfung der Warenkonformität sowie der Einhaltung von Steuer- und Zollbestimmungen. Finanzministerin Amélie de Montchalin teilte mit, dass erste Kontrollen bereits eine Vielzahl von Verstößen aufdeckten, darunter nicht zugelassene Kosmetika, gefährliches Kinderspielzeug und Haushaltsgeräte von fragwürdiger Qualität. Das Ziel der initiierten 24-Stunden-Operation besteht darin, alle eintreffenden Sendungen von Shein zu überprüfen.
Handelsminister Serge Papin wies darauf hin, dass bislang 80 Prozent der überprüften Produkte nicht den geltenden Normen entsprächen. Als Reaktion darauf sicherte Shein-CEO Donald Tang dem französischen Wirtschaftsministerium die Einhaltung nationaler Vorschriften zu. Mehrere Produkte, die nicht unter den Kleidungskatalog fallen, wurden vorerst von der Plattform entfernt, um den französischen Behörden entgegenzukommen. In Deutschland fordert der Handelsverband ebenfalls Maßnahmen gegen den E-Commerce-Riesen und appelliert an die Bundesregierung, den französischen Ansatz zu übernehmen. Dazu äußerte sich der Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, dass derartige Verstöße klare einheitliche Standards im internationalen Handel benötigen und rechtswidriges Verhalten Konsequenzen nach sich ziehen müsse.
Auch auf EU-Ebene forderte Frankreich unter Federführung von Außenminister Jean-Noël Barrot eine gründliche Untersuchung und Sanktionen gegen Shein. Französische Behörden gehen zudem gegen weitere problematische Praktiken des Unternehmens vor. So wurden sexuell anstößige Produkte sowie nicht genehmigte Waffen auf der Plattform entdeckt, was die Regierung zu einem raschen Handeln veranlasste. Shein betonte erneut seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den französischen Behörden, um alle offenen Fragen zu klären.

