Evotec trotzt Herausforderungen: Strategiewechsel zeigt Früchte
Mitten in einem umfangreichen Umbauprozess sieht sich der Biotechnologie-Konzern Evotec mit einer schwachen Nachfrage im Bereich der Wirkstoffforschung und präklinischen Entwicklung konfrontiert, was das Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt. Trotz fortschreitender Kostensenkungen geriet das Tagesgeschäft im ersten Halbjahr weiter in die Verlustzone. Der seit rund einem Jahr amtierende CEO Christian Wojczewski zeigt sich dennoch optimistisch und zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Restrukturierung. Die im MDax gelistete Aktie reagierte daraufhin mit einem Anstieg von gut zweieinhalb Prozent.
Wojczewski betonte die Fortschritte, die Evotec auf dem Weg zu nachhaltigem und profitablen Wachstum mache, und verwies auf ein nennenswertes Wachstum der Tochtergesellschaft Just-Evotec Biologics. Dank dieser Entwicklung zeichnet sich für das Gesamtjahr eine stärkere Senkung der Kosten ab, als ursprünglich angenommen.
Im ersten Halbjahr konnte Just-Evotec Biologics den Umsatz um 16 Prozent steigern, wobei ein kräftiges Wachstum mit Kunden außerhalb der üblichen Partner, Sandoz und dem US-Verteidigungsministerium, erzielt wurde. Diese Steigerung genügte jedoch nicht, um die Verluste des größeren Segments der Wirkstoffforschung und präklinischen Entwicklung auszugleichen. Evotec erwartet hier frühestens 2026 eine Markterholung. Zudem erschwerte die gestaffelte Realisierung der Umsätze mit Pharmapartnern die Lage.
Konzernweit sanken die Erlöse um fünf Prozent auf etwa 371 Millionen Euro. Analyst Charles Weston von RBC hob hervor, dass Evotec die Markterwartungen nicht erfüllen konnte. Das Management bestätigte dennoch die im Juli nach unten korrigierten Prognosen und erwartet für das Geschäftsjahr Gesamterlöse zwischen 760 und 800 Millionen Euro. Im besten Fall könnte damit das Niveau von 797 Millionen Euro aus dem Vorjahr erreicht werden. Das bereinigte operative Ergebnis soll durch die Umstrukturierungen auf 30 bis 50 Millionen Euro steigen.
Die zweite Jahreshälfte wird für Evotec entscheidend, nachdem das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im ersten Halbjahr auf minus 1,9 Millionen Euro fiel, trotz Kosteneinsparungen. Gegenüber dem Vorjahr verbesserte sich jedoch der Nettoverlust von minus 115,6 auf minus 75,1 Millionen Euro, was auf hohe einmalige Restrukturierungskosten im Vorjahr zurückzuführen ist.
Der Konzern hatte mit dem Aufbau moderner Produktionsstätten in den USA und Frankreich nach der Corona-Pandemie erhebliche Verluste eingefahren. Wojczewski steuert dem mit umfassenden Sparmaßnahmen und einer Fokussierung auf hochwertige Dienstleistungen und spezielle Therapiegebiete entgegen. Geplant ist eine Reduzierung des Projekt-Portfolios um etwa 30 Prozent.
Dazu kündigte Evotec Ende Juli an, den Standort in Toulouse an Sandoz verkaufen zu wollen. Zuvor war ein Standort in Österreich geschlossen worden und eine Produktion in Halle verkauft. Der Verkauf an Sandoz könnte Evotec rund 300 Millionen Dollar einbringen. Aktuell besteht jedoch nur eine unverbindliche Vereinbarung zwischen den Unternehmen, deren finaler Abschluss noch aussteht. Dazu sind die Stimmen der Mitarbeiter sowie behördliche Genehmigungen erforderlich, die für das vierte Quartal erwartet werden.

