Europas Weg zur Eigenständigkeit: Eine zeitliche Herausforderung
Die militärische Unabhängigkeit Europas von den USA bleibt eine ambitionierte Aufgabe, wie die Sicherheitsexpertin Jana Puglierin feststellt. In einem Interview mit der Funke Mediengruppe betonte sie, dass Europa mindestens fünf Jahre zur Erreichung dieser Autarkie benötige, in komplexen Bereichen wie Aufklärung oder strategischem Lufttransport möglicherweise noch länger. Derzeit bestehen strategische Lücken, die europäische Armeen schließen müssen, um ein wirklich eigenständiges Verteidigungssystem aufzustellen.
Puglierin, die das Berliner Büro des European Council on Foreign Relations leitet, hob hervor, dass Europa ohne eine eigenständige Verteidigung in die Nähe eines Protektoratsverhältnisses mit einer Schutzmacht geraten könnte. Das alte Modell der Nato, unter US-Führung, sei in der aktuellen geopolitischen Lage nicht länger tragfähig.
Die Drohungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der mehrfach mit der Annexion Grönlands, das zu Dänemark gehört, kokettierte, unterstreichen die Notwendigkeit eines solchen Paradigmenwechsels. Im Hinblick auf eine mögliche EU-Atombombe äußerte Puglierin Zweifel an deren Sinnhaftigkeit.
Sie steht der Idee, dass europäische Länder eigenständig Nuklearwaffen anschaffen könnten, ablehnend gegenüber. Vielmehr sieht sie die strategische Zusammenarbeit mit den Atommächten Frankreich und Großbritannien als prioritären Ansatz, um die nukleare Abschreckungsfähigkeit Europas zu stärken.
Diese Kooperation wird umso relevanter, da die Verlässlichkeit des US-amerikanischen Nuklearschirms unter Präsident Trump wiederholt infrage gestellt wurde. In diesem Zusammenhang hat der französische Präsident Emmanuel Macron einen europäischen atomaren Schutzschild ins Spiel gebracht, der eventuell mehr Sicherheit und Selbstständigkeit in die Verteidigungspolitik der EU-Länder bringen könnte.

