Europäische Abschreckung: Offene Debatte und strategische Autonomie
Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz hat Kaja Kallas, die EU-Außenbeauftragte, die Notwendigkeit einer offenen Debatte über die atomaren Abschreckungskapazitäten Europas unterstrichen. Sie äußerte Verständnis für die Entstehung dieser Diskussionen und betonte die Wichtigkeit, sie aktiv zu führen. Dies wird durch die gegenwärtige Transformation des transatlantischen Bündnisses unterstrichen, das in seiner heutigen Form nicht mehr mit der Vergangenheit vergleichbar sei. Kallas warnte vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Ihrer Ansicht nach führen mehr Atomwaffen nicht zu einer sichereren Welt. Eine Balance zu halten, sei von größter Bedeutung. Die EU sei in diesen Angelegenheiten auf die Kooperation der Mitgliedstaaten angewiesen, aber bereit, sich intensiv an den Debatten zu beteiligen.
Der EVP-Vorsitzende Manfred Weber hat angesichts der Spannungen in den transatlantischen Beziehungen jüngst gefordert, die Idee eines europäischen nuklearen Schutzschirms zu fördern. Emmanuel Macrons Vorschlag, für diesen Zweck das französische Arsenal bereitzustellen, sei vor dem Hintergrund der geopolitischen Entwicklungen ein großzügiges Angebot. Frankreich ist nach dem Brexit die einzige Atommacht der EU, und Macron plädiert für eine größere Unabhängigkeit Europas von den USA, um strategische Autonomie zu erreichen. Bereits 2020 rief Macron seine europäischen Partner zu Gesprächen auf, jedoch ohne nennenswerte Resonanz von Angela Merkel oder Olaf Scholz. Friedrich Merz hat sich hingegen offen für solche Gespräche gezeigt, was er bei seinem Amtsantritt in Paris bekräftigte.

