EU-Kommission nimmt Deutsche Börse und Nasdaq ins Visier: Kartellvorwürfe in der Finanzwelt
In Brüssel herrscht Aufregung: Die Europäische Kommission hat ein offizielles Kartellverfahren gegen die Deutsche Börse und die US-amerikanische Nasdaq initiiert. Im Zentrum der Untersuchung steht der Verdacht, dass sich die beiden Börsenbetreiber hinsichtlich ihrer Geschäfte mit Finanzinstrumenten in Europa unrechtmäßig abgesprochen haben könnten. Im Raum steht die Frage, ob beide Konzerne bei der Notierung, dem Handel und Clearing bestimmter Finanzderivate ihre Kräfte vereinten, anstatt zu konkurrieren.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera machte deutlich, dass die Kommission aktuelle Marktnachfrage, Preisabsprachen und den möglichen Austausch sensibler Geschäftsdaten prüfen wird. Solche wettbewerbswidrigen Arrangements könnten den europäischen Binnenmarkt nachhaltig beeinträchtigen. In einer ersten Reaktion betonte die Deutsche Börse, dass die Untersuchung noch in einer frühen Phase sei und man sich in einem kooperativen Dialog mit der EU befinde. Rückenwind erhält das Unternehmen durch die klare Kommunikation, dass es die aus Brüssel gefällte Entscheidung respektiert.
Eine Bestätigung der Vorwürfe könnte für die betroffenen Unternehmen herbe finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen: Strafen in Höhe von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes könnten verhängt werden. Im Jahr 2024 erzielte die Deutsche Börse einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro, also ein nicht unerhebliches Risiko. Die Bekanntmachung des Verfahrens führte zu einem merklichen Rückgang des Aktienkurses des DAX-notierten Unternehmens.
Besonders im Fokus steht eine alte Zusammenarbeit zwischen der Eurex und der finnischen Börse Helsinki Stock Exchange, die inzwischen zur Nasdaq gehört. Diese Kooperation aus dem Jahr 1999 wurde zuvor mit der EU-Kommission abgestimmt und hatte die Förderung des Wettbewerbs sowie die Verbesserung der Liquidität nordeuropäischer Derivatemärkte zum Ziel. Die Untersuchungen beschäftigen sich mit Finanzinstrumenten basierend auf finnischen Wertpapieren. Bereits im Herbst 2024 hatte es unangekündigte Kontrollen bei der Deutschen Börse und Nasdaq gegeben. Finanzderivate standen dabei im Mittelpunkt der Erkundung, wobei spezifische Details damals nicht übermittelt wurden.
Die Rolle der Derivate bei diesen Kartellvorwürfen ist nicht zu übersehen: Sie sind bedeutende Instrumente auf den Finanzmärkten, mit denen sowohl spekuliert als auch Geschäfte abgesichert werden können. Mit der Eurex unterhält die Deutsche Börse die größte Derivateplattform in Europa, während die Nasdaq zu den führenden globalen Börsenanbietern zählt.
EU-Kommissarin Ribera unterstrich erneut die fundamentale Rolle der europäischen Wettbewerbsregeln, die als Eckpfeiler für Innovation und Finanzstabilität gelten. Die Deutsche Börse zeigt sich trotz der Vorwürfe zuversichtlich: In enger Zusammenarbeit mit ihren juristischen Experten glaubt der Börsenbetreiber, seine Position erfolgreich verteidigen zu können.

