EU-Kommission leitet Kartellverfahren gegen Deutsche Börse und Nasdaq ein
Die europäische Wettbewerbskommission hat ein förmliches Verfahren gegen die Deutsche Börse und die Nasdaq eingeleitet und ermittelt wegen eines möglichen Kartellverstoßes. Der Fokus liegt auf der Frage, ob die beiden Börsenunternehmen in den Bereichen Notierung, Handel und Clearing bei bestimmten Finanzderivaten abgestimmt gehandelt haben, um den Wettbewerb auszusparen. Die EU-Kommission untersucht unter anderem, ob es zu einer Aufteilung der Nachfrage, Preisabsprachen oder zum Austausch sensibler Geschäftsinformationen kam. Sollte sich diese Vermutungen bewahrheiten, stünden sie im Konflikt mit den europäischen Wettbewerbsrichtlinien und könnten den Binnenmarkt beeinflussen.
Trotz der Schwere der Anschuldigungen betont die Kommission jedoch, dass der Beginn des Verfahrens nicht auf dessen Ausgang schließen lässt und dass die Untersuchung mit hoher Priorität durchgeführt wird. Von Seiten der Deutschen Börse, die gemeinsam mit ihrer Terminbörse Eurex involviert ist, gibt es ein konstruktives Echo. Beide Institutionen prüfen die Vorwürfe und bekräftigen den über Jahre gewachsenen Dialog mit der EU-Kommission.
Die aktuellen Untersuchungen hängen mit einer Kooperation aus den späten 1990er Jahren zusammen, als die Eurex und die finnische Helsinki Stock Exchange, heute Teil von Nasdaq, eine Vereinbarung unterschrieben. Diese wurde bereits damals mit Brüssel geteilt und zielte darauf ab, den Wettbewerb anzukurbeln und die Marktliquidität nordischer Derivatemärkte zu steigern.
Bereits im September 2024 hatte die EU-Kommission ohne Vorankündigung Räumlichkeiten der Deutsche Börse und Nasdaq durchsucht. Detaillierte Ergebnisse dieser Aktion wurden seinerzeit nicht veröffentlicht. Im Clearing von Derivategeschäften, dem Streitthema der aktuellen Ermittlungen, spielen beide Börsen im globalen Kontext eine wesentliche Rolle.

