Einzelhandel in Deutschland: Hoffnung auf Besserung und die Realität der Kaufrückhaltung
Für das Jahr 2025 stehen die Zeichen auf Fortschritt, zumindest im Wunschdenken vieler Einzelhändler in Deutschland. Der Jahresstart war begleitet von großen Erwartungen, doch blieb die erhoffte Erholung bislang aus. Im Fokus steht der noch immer sorgsame Umgang der Verbraucher mit ihren Finanzen. Die Menschen setzen vermehrt auf Sparsamkeit, um finanziell abgesichert zu bleiben, wie Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland (HDE) erläutert. Hohe Lebenshaltungskosten und die Furcht vor internationalen Konflikteskalationen belasten das Konsumklima.
Eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln verdeutlicht die brisante Lage: Die Hälfte der rund 1.000 Befragten fühlt sich durch die wirtschaftlichen Entwicklungen stark verunsichert und bangt um ihren gewohnten Lebensstandard. Beinahe ebenso viele verschieben geplante Ausgaben. Diese Vorsicht schlägt sich auch im Einzelhandel nieder, wo eine HDE-Erhebung unter 650 Unternehmen zeigt, dass die Geschäftslage vielerorts stagniert oder sich verschlechtert hat. Einzig ein Viertel der befragten Händler hofft auf Umsatzsteigerungen im kommenden Jahr. Besonders optimistisch blicken die Branchen Lebensmittel, Uhren und Schmuck sowie Heimtextilien in die Zukunft, während in Haushaltswaren, Fahrrädern und Bekleidung die Aussicht trübe bleibt.
Der anhaltende Ukraine-Konflikt spielt laut Johannes Berentzen, Handelsexperte bei BBE, eine zentrale Rolle für die Kaufzurückhaltung. Eine Trendwende sei nur möglich, wenn sich die geopolitische Lage stabilisiert und der Handel attraktive Erlebnisse bietet, um das Konsumklima anzuheizen. Der Inflationsdruck auf die Verbraucher hält trotz leichter Abschwächung an, da die Preise für grundlegende Güter weiter steigen—ein Zustand, der spontane Käufe ungeachtet aller Angebote dämpft, wie HDE-Präsident Alexander von Preen beobachtet.
Doch auf dem trüben Horizont zeigen sich auch Hoffnungsschimmer: Der HDE hält an seiner Prognose fest, dass 2025 ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent und real ein Wachstum von 0,5 Prozent möglich sind. Insbesondere der Onlinehandel könnte von der allmählich zurückkehrenden Kauflaune profitieren. Hier erwartet der Handelsverband einen Anstieg von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Asiatische Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress spielen eine zunehmend wichtige Rolle und tragen maßgeblich zum Wachstum bei. Beim Online-Shopping erhalten diese Anbieter wachsenden Zulauf, insbesondere im Bereich Mode und Modeschmuck.
Ob der Einzelhandel seine Wende schafft, bleibt abzuwarten. Doch die leichten Erholungstendenzen des Konsumklimas und das Wachstum im E-Commerce lassen auf einen Silberstreif am Horizont hoffen.

