Edzard Reuter: Visionär des Technologiekonzerns Daimler-Benz verstorben
Edzard Reuter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Daimler-Benz, ist im Alter von 96 Jahren in Stuttgart verstorben. Reuter leitete den Konzern von 1987 bis 1995 und war bekannt für seine ehrgeizigen Pläne, aus Daimler-Benz ein breiter aufgestelltes Technologie-Imperium zu formen. Obwohl seine Vision nie vollständig verwirklicht wurde, blieb er bis zu seinem Tod von der Richtigkeit seines Ansatzes überzeugt. In den Jahren unter Reuters Führung unternahm der Stuttgarter Konzern große Schritte in Richtung Diversifikation, beispielsweise mit der Gründung der Luft- und Raumfahrtsparte DASA und der Eingliederung von Unternehmen wie AEG, Dornier und MTU. Dieses Bestreben, das Unternehmen über den Automobilsektor hinaus zu entwickeln, wurde jedoch am Ende nicht zum Erfolg. Daimler kehrte schlussendlich zu seinem Kerngeschäft zurück. Der Übergang hinterließ zwar deutliche finanzielle Spuren, aber Reuter hielt dennoch an der Überzeugung fest, dass sein eingeschlagener Weg grundlegend richtig war. Seine Karriere bei Daimler-Benz begann der studierte Mathematiker und Jurist 1965 und wurde 1976 Teil des Vorstands. Obwohl er zweimal übergangen wurde, gelang ihm 1987 der Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden. Reuters Abgang bei Daimler verlief nicht ohne Kontroversen, ein Umstand, den er als persönlich demütigend empfand, aber im Bewusstsein der Richtigkeit seines Kurses akzeptierte. Jenseits seiner beruflichen Laufbahn engagierte sich Reuter intensiv für soziale und gesellschaftspolitische Themen. An der Spitze der nach ihm und seiner Frau benannten Stiftung setzte er sich für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen ein, inspiriert von seiner eigenen Kindheitserfahrung in der Türkei. Reuter, der Sohn des bekannten Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter und langjähriges SPD-Mitglied, kritisierte leidenschaftlich die erodierenden Werte in Europa. Trotz der zeitweise ernüchternden Umstände blieb er ein Überzeugungstäter, der stets an das Gute und die Problemlösungsfähigkeiten der Menschheit glaubte.

