Digitalisierung im Schneckentempo: Deutschland und sein Modernisierungsdrama
Ein neuer Bericht einer Expertenkommission über die Handlungsfähigkeit des deutschen Staates offenbart eine beeindruckende Versäumniskultur in Sachen Digitalisierung und Modernisierung. Dieser an den Bundespräsidenten übergebene Bericht könnte mit seinen kritischen Tönen als mahnendes Lehrstück für die deutsche Politik dienen: Die seit langem anhaltende Vernachlässigung der Modernisierung des Verwaltungsapparats hat die Bürger längst auf die Palme gebracht.
Bereits im Jahr 2001 prognostizierte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, dass es in ein paar Jahren unverständlich wäre, Personalausweise oder Führerscheine nicht online beantragen zu können. Zwei Jahrzehnte später zeigt die Realität ein anderes Bild, in dem das Vertrauen in staatliche Institutionen immer weiter erodiert.
Besonders drastisch zeigt sich dies bei der Bürokratie: So müssen Steuerdaten beim Umzug von einem Bundesland ins andere immer noch auf umständliche Weise manuell erfasst und weitergeleitet werden. Der Fortschritt, so scheint es, ist in Zeiten rasender digitaler Entwicklung an deutschen Amtsstuben vorbeigerauscht, während die Bürger unbequem in die Vergangenheit blicken müssen.

