Digitales Trinkgeld: Zwischen Komfort und Kritik

Das Phänomen der vorgeschlagenen Trinkgeldbeträge bei Kartenzahlungen sorgt derzeit für erhitzte Gemüter. Eine aktuelle Umfrage von YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt, dass mehr als die Hälfte der Befragten wenig begeistert von den digitalen Auswahlmöglichkeiten sind, die ihnen an Kartenterminals in Restaurants und Imbissstuben begegnen. Ein gutes Drittel der Befragten ist jedoch positiv gestimmt gegenüber diesen neuen Trinkgeldfunktionen.
Überraschenderweise gab jeder fünfte Umfrageteilnehmende an, dass die digitalen Vorschläge sie dazu veranlassten, weniger Trinkgeld zu geben, während lediglich sechs Prozent ihre Trinkgelderhöhung auf diese Funktion zurückführen. Fast 30 Prozent der Befragten sind noch nie mit diesen digitalen Auswahlfeldern konfrontiert worden.
Generell zeigt die Umfrage, dass sich das Trinkgeldverhalten kaum verändert hat: Mehr als die Hälfte der Befragten geben genauso viel Trinkgeld wie vor fünf Jahren. Besonders geläufig ist es, 6 bis 10 Prozent der Rechnungssumme als Trinkgeld zu hinterlassen. Mehr Trinkgeld, bis zu 15 Prozent, ist die Ausnahme.
Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht die digitale Trinkgeldfunktion als zeitgemäße Reaktion auf bargeldlose Zahlungen. Geschäftsführer Jürgen Benad betont, dass moderne Kartenterminals die Möglichkeit bieten, einfach und bequem Trinkgeld ohne Bargeld zu geben – ganz freiwillig und immer wählbar als 'Kein Trinkgeld' Option.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingegen warnt vor den möglichen negativen Auswirkungen dieses Systems. NGG-Referatsleiter Mark Baumeister äußert Bedenken darüber, dass die Gäste oft nicht wissen, ob das Trinkgeld wirklich bei den Mitarbeitenden ankommt. Zudem seien einige Arbeitgeber versucht, die Trinkgeldoption als Rechtfertigung für ausbleibende Gehaltserhöhungen zu nutzen.
Insbesondere bei großen Fast-Food-Ketten sei die Gewohnheit, Trinkgeld zu geben, eher unüblich, fügt die NGG hinzu. Die traditionelle Praxis in Deutschland, rundete Beträge bar zu geben, stehe im Kontrast zu dieser digitalen Entwicklung.
Für die Untersuchung wurden binnen drei Tagen 2.060 Personen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die erwachsene Wohnbevölkerung in Deutschland.

