Die Dynamik des Wohnungsmarkts als wirtschaftliche Herausforderung
Explodierende Mieten in Deutschlands Großstädten belasten nicht nur die Bewohner, sondern auch die wirtschaftliche Vitalität der Metropolen, wie das Münchner Ifo-Institut unter Leitung von Oliver Falck festgestellt hat. Eine aktuelle Studie zeigt auf, dass neue Mietverträge in den sieben größten Städten des Landes im Durchschnitt um 48 Prozent teurer sind als bestehende Mietverhältnisse, was sich pro Quadratmeter in einem erheblichen Aufschlag von 4,48 Euro niederschlägt.
Besonders drastisch ist die Preiskluft in Berlin, wo Neumieter rund 70 Prozent mehr zahlen als bestehende Mieter. Auch in München, Hamburg und anderen Großstädten sind deutliche Unterschiede von bis zu 45 Prozent erkennbar.
Seit 2013 nahmen die Mieten bei Neuverträgen um rund 75 Prozent zu, während Bestandsmieten weniger stark stiegen, was zunehmend zu einer sozialen Belastung und einem wirtschaftlichen Hemmnis für die Städte werden kann, warnt Falck. Simon Krause, Mitautor der Studie, beschreibt die wachsende Diskrepanz auf dem Wohnungsmarkt als „Schere“, bei der Neumieter wesentlich höhere Beträge zahlen als Bestandsmieter. Diese Entwicklung bewirkt, dass viele Haushalte über 50 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben, wohingegen Bestandsmieter bei etwa 35 Prozent liegen.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind weitreichend: Die starre Mietstruktur hemmt die Mobilität der Arbeitskräfte und beeinträchtigt damit ihre Verfügbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, erläutert Pascal Zamorski vom Ifo-Institut. Die Forscher rufen die Politik dazu auf, durch effizientere Nutzung des Wohnraumbestands, Baukostensenkungen und gezielte Förderung bezahlbaren Wohnens gegenzusteuern. Auch das Pestel Institut aus Hannover teilt diese Einschätzung und sieht in der Lösung der Wohnfrage eine Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, wie jüngst auf der Immobilienmesse Expo Real verdeutlicht wurde.

