Deutschlands Schuldenrekord zwingt Investoren zu höheren Renditen
Rekordbedarf bei der Schuldenaufnahme
Nach Angaben der für das Schuldenmanagement zuständigen Bundesfinanzagentur plant der Bund für 2026 Emissionen mit festen Auktionsterminen von rund 512 Milliarden Euro. Hinzu kommen drei nicht terminierte Anleihen im Volumen von etwa zwölf Milliarden Euro, die direkt über Banken bei Investoren platziert werden sollen.
Damit übertrifft der Bund den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2023, als rund 500 Milliarden Euro zur Bewältigung der Corona- und Ukraine-Folgen aufgenommen wurden. Haupttreiber des neuen Höchststands sind das auf zwölf Jahre angelegte Infrastrukturpaket über 500 Milliarden Euro sowie zusätzliche Verteidigungsausgaben.
Für 2026 rechnet der Bund mit einer Neuverschuldung von rund 183,5 Milliarden Euro. Zusätzlich müssen auslaufende Wertpapiere im Umfang von etwa 309 Milliarden Euro refinanziert werden.
Mischung aus kurzen und langen Laufzeiten
Etwa ein Drittel der Mittel will der Bund über kurzfristige Geldmarktpapiere („Bubills“) mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr aufnehmen. Die restlichen zwei Drittel entfallen auf Anleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren. Anders als in vielen anderen Ländern setzt Deutschland dabei nicht einseitig auf kurze Laufzeiten, obwohl diese aktuell deutlich günstiger zu finanzieren wären.
Stattdessen werden Emissionen bei kurzen und mittleren Laufzeiten in etwa gleichmäßig erhöht. Langläufer mit Fälligkeiten zwischen 15 und 30 Jahren bleiben mit rund 60 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Die durchschnittliche Restlaufzeit aller Bundeswertpapiere sinkt dadurch leicht von 7,8 auf 7,7 Jahre.
Steigende Renditen als Preis für neue Schulden
An den Märkten hat die Ausweitung der Schuldenaufnahme bereits Spuren hinterlassen. Seit klar wurde, dass Deutschland die Schuldenbremse lockert, verlangen Investoren höhere Renditen – insbesondere bei langen Laufzeiten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist seit Jahresanfang auf rund 2,85 Prozent gestiegen, bei 30-jährigen Papieren liegt sie inzwischen bei etwa 3,48 Prozent und damit so hoch wie seit über 14 Jahren nicht mehr.
Dieser Trend ist kein deutsches Einzelphänomen. Weltweit reagieren Anleger auf steigende Staatsverschuldung mit höheren Renditeforderungen. Dennoch zahlt Deutschland im Vergleich weiterhin die niedrigsten Zinsen im Euroraum und wird von Ratingagenturen unverändert mit der Bestnote AAA bewertet.
Neue Anleihe mit 20 Jahren Laufzeit
Um die Nachfrage gezielt zu erweitern, plant der Bund 2026 zwei Neuerungen. Erstmals soll eine grüne Bundesanleihe mit 15 Jahren Laufzeit begeben werden. Zudem ist eine klassische Bundesanleihe mit 20 Jahren Laufzeit vorgesehen – ein Segment, das bislang fehlte.
Laut Bundesfinanzagentur signalisierten zahlreiche Investoren großes Interesse an dieser Laufzeit. Die USA haben bereits seit einigen Jahren wieder 20-jährige Staatsanleihen im Angebot. Zunächst ist eine einzelne Emission geplant, die später aufgestockt werden könnte.
Mit der stetigen Ausweitung des Laufzeitenspektrums will der Bund seine Rolle als Benchmark-Emittent im Euroraum festigen und für Investoren besser handelbare, großvolumige Anleihen anbieten.
Ausblick: Renditeanstieg dürfte abflachen
Trotz des Rekordangebots erwarten viele Marktbeobachter keinen weiteren starken Renditeanstieg. Von Bloomberg befragte Ökonomen rechnen für die zehnjährige Bundesanleihe bis Ende 2026 mit einem Niveau von rund 2,9 Prozent. Auch Fondsmanager sehen deutsche Staatsanleihen inzwischen wieder als attraktiv bewertet.
Ein deutlicher Renditesprung Richtung 3,5 Prozent gilt nur bei externen Schocks als wahrscheinlich – etwa bei einem unerwartet starken Anstieg der Inflation im Euroraum. Dieses Szenario wird derzeit jedoch weder von der Europäischen Zentralbank noch von der Mehrheit der Ökonomen erwartet.
Für Anleger bleibt damit festzuhalten: 2026 bringt ein historisch hohes Angebot an Bundesanleihen, attraktivere Renditen als in den Vorjahren und neue Laufzeiten – bei weiterhin vergleichsweise hoher Sicherheit.


