Der neue Arbeitszeit-Konsens: Deutsche lehnen 48-Stunden-Woche ab
Eine aktuelle Umfrage der IU Internationale Hochschule zeigt, dass die Mehrheit der Deutschen eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden ablehnt. 73,5 Prozent der Befragten äußerten, dass eine so lange Arbeitswoche ihr Leben negativ oder sehr negativ beeinflussen würde. Vor allem die eingeschränkte Zeit für Familie, Freunde, Sport und Hobbys, sowie gesundheitliche Bedenken, wurden als zentrale Gründe angeführt.
Am beliebtesten ist hingegen das Vollzeitmodell mit 35 bis 40 Wochenstunden, das 44,7 Prozent der Teilnehmenden als ideal für ihre Lebenssituation empfinden. Danach folgt die Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden und vollem Lohnausgleich, die 33,9 Prozent bevorzugen. Ein klassisches Teilzeitmodell mit weniger als 35 Wochenstunden hat bei 18,5 Prozent den Vorrang.
Aktuell gibt es politische Diskussionen über den gesetzlichen Teilzeitanspruch und die Möglichkeit, überarbeitete Arbeitszeitregelungen zu implementieren. SPD und Union erwägen, den Acht-Stunden-Tag durch eine maximale Wochenarbeitszeit zu ersetzen. Laut Statistischem Bundesamt betrug die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Jahr 2024 34,3 Stunden.
Arbeitszeitexperte Malte Martensen von der IU äußerte, dass das Empfinden der Bevölkerung sich überraschend weit vom politischen Diskurs entfernt hat. Die breite Ablehnung einer 48-Stunden-Woche hatte er so nicht erwartet. Der Reflex, in Krisenzeiten einfache Lösungen zu finden, greife zu kurz, denn die Menschen könnten nicht einfach mehr arbeiten, ohne bestehende organisatorische Hürden im Alltag zu bewältigen.
Martensen unterstreicht, dass viele 40 Stunden als akzeptabel empfinden, jedoch betonen, dass mehr Arbeitsstunden nicht realisierbar sind, solange Probleme wie unzureichende Kinderbetreuung und ungelöste Pflegelösungen bestehen bleiben.

