Der europäische Batteriespeichermarkt steht vor neuen Herausforderungen: Erkenntnisse aus dem Fieldfisher Battery Energy Storagy Systems (BESS) Report
Die europäische Wirtschaftskanzlei Fieldfisher hat ihren neuesten „The European Battery Energy Storage System (BESS) Economy“ Report veröffentlicht.

08. April 2026, 16:24 Uhr · Quelle: Pressebox
Der Batteriespeichermarkt in Europa wächst trotz Netzüberlastungen und Genehmigungsverzögerungen, was Investitionen und den Ausbau erneuerbarer Energien beeinflusst.

Hamburg, 08.04.2026 (PresseBox) - Nach 18 Monaten beispielloser Expansion sieht sich der europäische Batteriespeichersektor zunehmend mit regulatorischen und netzbezogenen Zugangshürden konfrontiert. Der Konflikt im Nahen Osten wird die Nachfrage nach sauberer Energie weiter steigern und damit auch den Bedarf an Batteriespeicherkapazitäten erhöhen. Dies wird die Lieferketten zusätzlich belasten und den Druck auf Netzanschlüsse und Genehmigungsverfahren weiter erhöhen. Europas großskalige Batteriespeicherkapazität soll sich bis 2030 mehr als versechsfachen und über 100 GW erreichen. Der Bericht warnt jedoch, dass dieser Fortschritt von beschleunigten Netzausbauten, vereinfachten Planungsprozessen und klareren, berechenbareren und verlässlicheren rechtlichen Rahmenbedingungen für Investoren und Entwickler abhängt.

Die Analyse von Fieldfisher erstreckt sich auf elf* wichtige europäische Märkte und basiert auf dem BESS Market Maturity Index, der die Länder anhand von fünf rechtlichen und regulatorischen Säulen bewertet: Regulierung, Netzanschluss, Investorenvertrauen, Fördermaßnahmen und Cybersicherheit. Zusammengenommen zeigen diese Faktoren, wo die Märkte reifen – und wo strukturelle und rechtliche Hindernisse den Ausbau weiterhin bremsen.

Netzüberlastung und behördliche Verzögerungen nehmen europaweit zu

Der Report kommt zu dem Ergebnis, dass 9 von 11 Märkten bereits mit überlasteten Netzen konfrontiert sind, was zu langen Wartezeiten bei der Genehmigung von Netzanschlüssen und zunehmender Unsicherheit hinsichtlich der Realisierbarkeit von Projekten führt. In Deutschland ist die Lage besonders akut. Die Übertragungsnetzbetreiber erhielten Anfang 2025 Anträge auf neue Netzanschlüsse im Umfang von 226 GW, was die verfügbare Kapazität bei weitem übersteigt. Ein Netzbetreiber bestätigte, dass bis 2029 keine weiteren Kapazitäten zur Verfügung stehen. Irland sieht sich ähnlichen Einschränkungen gegenüber und nutzt aufgrund von Problemen mit der Netzbereitschaft nur 730 MW einer 10-GW-Pipeline. Der Bericht beschreibt, wie die Netzbetreiber mit diesen Herausforderungen umgehen, und zeigt Chancen auf, die sich aus der aktuellen Situation ergeben.

Feilim O’Caoimh, Co-Head der Praxisgruppe Energy, Natural Resources & Sustainability bei Fieldfisher, erklärt:

„Projektentwickler müssen schnell handeln, um sich den Netzzugang an Standorten zu sichern, an denen die Anschlussvorschriften flexibler sind. Aus Ertragssicht ist es entscheidend zu klären, ob Projektfinanzierungsstrukturen erforderlich sind . Ist dies der Fall, können Mechanismen wie Ertragsgarantien, Durchleitungsentgelte oder langfristige Kapazitätsverträge notwendig sein. Ist dies nicht der Fall, lassen sich die Ertragsmöglichkeiten durch flexiblere, marktbasierte kommerzielle Vereinbarungen optimieren. Angesichts der europaweit zunehmenden regulatorischen Veränderungen ist es zudem wichtig, in jedes Projekt wirksame Schutzmaßnahmen gegen Gesetzesänderungen zu integrieren. Eine vorausschauende Planung in Bezug auf Cybersicherheit und Brandschutz hilft, Verzögerungen zu vermeiden. Darüber hinaus ist die gemeinsame Unterbringung von Batterien mit Projekten im Bereich erneuerbare Energien oder Rechenzentren eine der einfachsten Möglichkeiten, zusätzliche Erlöse zu erzielen, Einspeisebeschränkungen zu reduzieren und stärkere sowie zuverlässigere Projekte zu realisieren."

Belgien und die Niederlande haben flexible Zugangsregelungen eingeführt, um Verkehrsüberlastungen zu bewältigen, während Spanien angesichts des raschen Anstiegs des Anteils erneuerbarer Energien mit zunehmenden Einspeisebeschränkungen konfrontiert ist. Dieser wachsende Druck macht deutlich, dass eine systemische Reform des Stromnetzes in ganz Europa erforderlich ist.

Genehmigungsverfahren und neue Compliance-Anforderungen schaffen rechtliche Hürden

Verzögerungen bei der Genehmigungserteilung gehören nach wie vor zu den drängendsten Herausforderungen in Europa. In Österreich, Deutschland und Irland überschreiten Planungs- und Umweltgenehmigungen regelmäßig die von der EU empfohlenen Fristen, wobei zusätzliche Brandschutz- und Umweltprüfungen die Entwicklung weiter verzögern. Im Gegensatz dazu hat Portugal die effizientesten Reformen in Europa umgesetzt, indem es Projekte für Batteriestationen am Standort beschleunigt und die Genehmigungszeiten um bis zu 40% verkürzt hat – unterstützt durch einen stabilen Rechtsrahmen und Fördermittel für mehr als 500 MW Kapazität.

Cybersicherheit ist mittlerweile zu einer vorgelagerten rechtlichen Verpflichtung geworden und nicht mehr nur eine nachgelagerte operative Überlegung. Neue EU- und britische Standards beeinflussen  die Lieferantenauswahl, die Systemarchitektur und die Fristen für Due-Diligence-Prüfungen, wobei Verstöße zunehmend zu Neukonzeptionen, Verzögerungen oder Eskalationen auf behördlicher Ebene führen.

Daniel Marhewka, Co-Head der Praxisgruppe Energy, Natural Resources & Sustainability bei Fieldfisher, erklärt:

„Investoren möchten den Ausbau der Speicherkapazitäten in Europa unterstützen, benötigen dafür aber Planungssicherheit. Klarere Planungsfristen, transparente Regeln für den Netzanschluss und einheitliche Compliance-Anforderungen würden private Investitionen in Milliardenhöhe freisetzen. Ein rechtlicher Rahmen, der Transparenz schafft und die wirtschaftliche Tragfähigkeit untermauert, ist daher unerlässlich, um Projekte erfolgreich umzusetzen.“

Trotz der beschriebenen Hindernisse bietet Europa erhebliche Chancen. So kann beispielsweise die gemeinsame Errichtung von Batterieanlagen an Standorten mit Wind- oder Solaranlagen die Einnahmen um 8–25 % steigern. Vorübergehende Befreiungen von Netzentgelten in Deutschland und Belgien verbessern zudem die Renditen in der Anfangsphase, während neue Kapazitätsmärkte in Italien, Belgien und Polen besser vorhersehbare Einnahmequellen eröffnen. Viele dieser Chancen hängen jedoch von einer proaktiven regulatorischen Positionierung, einer frühzeitigen Minderung rechtlicher Risiken und der Sicherung des Netzzugangs ab, bevor es zu Engpässen kommt.

Daniel Marhewka weiter:

„Europas Ambitionen im Bereich der Batteriespeicher sind real – doch um sie zu verwirklichen, müssen Investoren und Finanziers sich in einem sich stetig wandelnden regulatorischen Umfeld zurechtfinden und künftige Entwicklungen vorausschauend einkalkulieren. Wir würden uns freuen, Interessierte bei diesem Prozess zu unterstützen.“

*Über den Report: Der BESS-Report basiert auf einer detaillierten Untersuchung von elf europäischen BESS-Märkten und vereint die Erkenntnisse der Energie-, Regulierungs- und Infrastrukturspezialisten von Fieldfisher aus allen untersuchten Ländern. Die Analyse umfasst BESS‑Projekte mit einer Leistung von über 1 MW.  Zu den untersuchten Ländern zählen Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal, Spanien und das Vereinigte Königreich. Der Bericht vereint Analysen zu nationalen Vorschriften, Netzbedingungen, Genehmigungsverfahren, Cybersicherheitsanforderungen und Marktförderprogrammen, die auf der praktischen Projektarbeit und Branchenerfahrung der Kanzlei vor Ort basieren. Die Ergebnisse konzentrieren sich auf den Zeitraum von 2025 bis 2030, ergänzt um zukunftsgerichtete Einblicke bis 2035 und darüber hinaus. er Bericht stellt zudem den Fieldfisher BESS Market Maturity Index vor, der Länder anhand von fünf Kriterien vergleicht: Regulierung, Netzanschluss, Investorenvertrauen, Anreize und Cybersicherheit. Zusammen bietet diese Methodik einen praktischen, realistischen Überblick darüber, wie sich BESS-Projekte in ganz Europa entwickeln und wo die größten Chancen und Herausforderungen liegen.

Energie- / Umwelttechnik / Batteriespeicher / Fieldfisher Report / Netzanschlüsse / Regulatorische Hürden / Europa
[pressebox.de] · 08.04.2026 · 16:24 Uhr
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