Death Stranding 2: On the Beach (PS5) – Review
Der neue Lieferdienst beginnt. Death Stranding 2: On the Beach ist endlich da und verwandelt uns wieder in den coolsten Paketboten der Welt: Sam Porter Bridges. Hideo Kojima zeigt einmal mehr, warum er als Meister der überraschenden Wendungen und emotionalen Geschichten gilt.
Death Stranding – Was bisher geschah
Bevor wir in die Handlung von Death Stranding 2: On the Beach eintauchen, lohnt sich ein kurzer Blick zurück – ohne zu viel zu verraten. Die Welt wie wir sie kannten, existierte nicht mehr, die Menschen lebten isoliert und zurückgezogen, um sich von den Death Stranding zu schützen. Der erste Teil von Death Stranding endete mit einer überraschenden und emotional aufgeladenen Auflösung. Sam Porter Bridges hatte die Vereinigten Städte von Amerika wieder miteinander verbunden und seine persönliche Reise führte zu einem besonderen Ziel: der Beziehung zu Lou.
Sam zog sich schließlich aus der Öffentlichkeit zurück, um mit Lou – seiner Tochter – ein möglichst ruhiges und abgeschiedenes Leben zu führen. Diese intime Vater-Kind-Dynamik bildet den Ausgangspunkt von Teil zwei. Viel mehr wollen wir dazu nicht sagen, denn wer Teil eins noch nicht gespielt hat, sollte das unbedingt nachholen – nicht nur wegen der Story, sondern auch, um die vielen Anspielungen und Entwicklungen in Teil zwei besser einordnen zu können. Gleich zu Beginn habt ihr die Möglichkeit, einen etwas detailierteren Rückblick zu erhalten, ebenfalls ohne das Ende zu spoilern.
Death Stranding again – 9 Monate später
Das Spiel beginnt neun Monate nach dem Ende des ersten Teils. Wir sehen Sam gemütlich mit Lou, seiner Tochter, auf einem Hügel sitzen, während sie gemeinsam das Wetter genießen. Dann begleiten wir sie in ihr Versteck, wo wir über Fotos einen Einblick in ihr zweisames Leben in den letzten Monaten erhalten. Diese Szenen geht sofort ans Herz – insbesondere für mich, als Vater einer fast gleichaltrigen Tochter. Kojima schafft es meisterhaft, in wenigen Momenten starke emotionale Bindungen aufzubauen.
Doch die Idylle hält nicht lange: Fragile taucht unerwartet auf – ohne ihre Teleportationsfähigkeit, dafür aber mit einem coolen Fahrzeug und Handschuhen, die ihre Aussagen mit humorvollen Gesten unterstützen. Es zeigt sich, dass trotz der Rettung der USA im ersten Teil immer noch nicht alles gut ist. Sam soll erneut helfen, diesmal in New Mexico. Deadman hat dort eine persönliche Nachricht für ihn, die er nicht über Funk mitteilen kann.
Mit gemischten Gefühlen lässt Sam seine Tochter Lou bei Fragile zurück und beginnt seinen neuen Auftrag.
Natürlich fehlen auch die typischen Kojima Story-Wendungen nicht. Wie gewohnt gelingt es ihm, die Spieler mit unerwarteten Ereignissen und emotionalen Twists zu überraschen. Ohne zu spoilern: Ihr werdet mehrfach staunend als auch schockiert vor dem Bildschirm sitzen.
Bewährtes Gameplay mit frischen Impulsen
Spielerisch orientiert sich Death Stranding 2: On the Beach zunächst stark am Vorgänger. Wer mehr als 50 Stunden im ersten Teil verbracht hat, wird sich sofort zuhause fühlen. Die berüchtigten BTs und die lästigen Revoluzen, die einem das Leben schwer machen, sind zurück. Überraschend fand ich allerdings, dass Sam all seine Ausrüstung und Fähigkeiten aus Teil eins verloren hat. Begründet wird dies dadurch, dass Sam nach den Ereignissen von Teil eins untertauchen musste, um mit Lou ein normales Leben zu führen.
Die ersten Spielstunden dienen eindeutig als ausgedehntes Tutorial. Sam begegnet altbekannten Herausforderungen, muss seine Routen planen und Pakete ausliefern. Diese Einführung dauert gut vier Stunden – vor allem, wenn man sich Zeit nimmt, die detaillierte Welt genauer zu erkunden. Bei der Routenplanung kann man jetzt wie in Google Maps und anderen Navi-Systemen den ganzen Weg planen und sieht dann auch die Linie im Spiel, der man folgen kann. Insgesamt bietet das Spiel über 50 Stunden spannende Inhalte und zahllose Nebenmissionen, wodurch sich die Spielzeit sogar deutlich verlängern lässt.
Stealth im Fokus – eine Hommage an Metal Gear Solid
Eine der großen Neuerungen ist der verstärkte Fokus auf Stealth-Gameplay, das sofort Erinnerungen an Kojimas Metal Gear Solid-Reihe weckt. Sam verfügt nun über verschiedene Uniformen, die speziell entwickelt wurden, um sich besser der Umgebung anzupassen und weniger sichtbar für die gefährlichen BTs zu sein. Genau wie Solid Snake schleicht Sam durch das Terrain, versteckt sich im hohen Gras und lenkt Gegner gezielt ab.
Im Gegensatz zu Metal Gear Solid ist der Stealth-Modus weniger militärisch geprägt, sondern stärker auf Überleben und taktische Vermeidung von Konflikten fokussiert. Kojima hat das Prinzip des taktischen Schleichens weiterentwickelt, indem er es harmonisch in das Death Stranding-Universum integriert und es mit existenzieller Bedrohung verbindet. Dies sorgt für ein intensiveres Spielerlebnis.
Zusätzlich hat die Waffenvielfalt deutlich zugenommen. Besonders hervorzuheben ist ein neues Gewehr, das Seil-Stränge verschießt und Gegner sofort immobilisiert – eine hervorragende Erweiterung, die das taktische Vorgehen erheblich bereichert.
Charaktere mit Tiefe – und eine Puppe mit Vergangenheit
In Death Stranding 2: On the Beach stehen wieder viele bekannte und neue Charaktere im Mittelpunkt. Die Dialoge sind nicht nur zahlreich, sondern auch tiefgründig und emotional geschrieben. Immer wieder kommt es zu längeren Gesprächen, Diskussionen und kleinen philosophischen Ausflügen, die den Figuren mehr Tiefe verleihen und gleichzeitig die Story vorantreiben.
Besonders auffällig ist eine neue, geheimnisvolle Puppe namens Drawbridge Buddy, die Sam auf seinen Missionen begleitet. Sie erinnert stark an Mimir aus God of War, den sprechenden Kopf, den Kratos stets am Gürtel trägt. Genau wie Mimir liefert Drawbridge Buddy witzige, sarkastische oder auch tiefgründige Kommentare und entwickelt sich schnell zu einem absoluten Highlight.
Kojima spielt sogar bewusst mit dieser Parallele: Gleich zu Beginn soll Sam die Puppe an seinem Gürtel befestigen, woraufhin sie sich lautstark beschwert („On your bum? Come on!“) – was dazu führt, dass er sie stattdessen vorne auf der Brust montiert. Eine herrlich selbstreferenzielle Szene, wie man sie von Kojima kennt. Die Drawbridge Buddy fungiert nicht nur als Sidekick, sondern hilft auch bei der Navigation und gibt nützliche Hinweise im Spielverlauf. Ihre wachsende Beziehung zu Sam ist nicht nur funktional, sondern auch emotional nachvollziehbar – ein cleverer erzählerischer Kniff.
Grafikpracht auf höchstem Niveau
Grafisch ist Death Stranding 2: On the Beach ein absoluter Augenschmaus und setzt auf der PS5 neue Maßstäbe. Landschaften, Charaktermodelle und Wettereffekte sehen fantastisch aus und sorgen für filmreife Atmosphäre. Jeder Moment wirkt lebendig und detailreich – ein echter Genuss für Fans von High-End-Grafik.
Im Vergleich zu Death Stranding 1 sind insbesondere die Licht- und Wettereffekte deutlich verbessert worden. Besonders bei Sonnenuntergängen oder starken Regenfällen zeigt das Spiel seine ganze technische Brillanz. Die verbesserte Texturqualität und detailliertere Charaktermovdelle tragen erheblich dazu bei, dass die Welt realistischer und immersiver wirkt als je zuvor. Von der PS5 Pro müssen wir erst gar nicht sprechen!
Soundtrack zum Verlieben
Ein weiterer großer Schritt nach vorne ist der Soundtrack. Jeder, der Kojima auf Instagram folgt, kennt seinen Fokus auf Musik, er holt immer wieder unbekanntere, geniale Lieder ins Rampenlicht. Sein Musikgeschmack geht über Genres hinaus. Während die musikalische Untermalung in Teil eins schon gut war, übertrifft sie sich in Death Stranding 2: On the Beach nochmals selbst. Jeder Song trifft genau ins Schwarze und sorgt für emotionale Höhepunkte, die direkt ins Herz gehen. Nicht überraschend, dass diese Tracks bereits fest in meiner Playlist gelandet sind.
Die atmosphärischen Ambient-Stücke ergänzen sich ideal mit dynamischen Tracks in intensiveren Sequenzen. Auch die Qualität der Soundeffekte hat sich verbessert, wodurch das Spielerlebnis noch immersiver wird. Geräusche der Umgebung und das subtile Knarren der Ausrüstung schaffen ein intensives Gefühl von Präsenz in Kojimas Welt.
Fahrzeuge und Menüführung – klare Verbesserungen
Ein nettes Extra sind die neuen Fahrzeuge, die eine willkommene Abwechslung bieten und gleichzeitig neue taktische Möglichkeiten eröffnen. Das Handling fühlt sich gut an und bereichert die Spielerfahrung.
Besonders gut gelungen ist die verbesserte Menüführung. Funktionen wie Auto-Arrange der Beladung sind nun auf Schnellzugriffstasten gelegt worden, was eine enorme Erleichterung im Spielfluss darstellt. Diese kleinen, aber feinen Änderungen zeigen, dass Kojima Productions genau auf Feedback gehört hat.
Death Stranding 2 vs 1 – Evolution statt Revolution
Im Vergleich zum ersten Teil hat Death Stranding 2: On the Beach in nahezu jedem Bereich deutliche Verbesserungen zu bieten. Während die grundlegenden Gameplay-Mechaniken erhalten blieben, wurden diese sinnvoll erweitert. Teilweise denkt man schon, man ist wieder im ersten Teil, weil es sich komplett gleich spielt. Die Wanderungen, die Materialien, Gegner, das Andocken, der Netzaufbau. Gleichzeitig sind so viele Elemente innerhalb des gelernten Universums erneuert und erweitert, dass man das schon wieder vergisst. So kann man sich aufgrund der bekannten Mechaniken komplett auf die Neuerungen konzentrieren. Insbesondere der Stealth-Aspekt, das verbesserte Inventarmanagement und die ausgebauten taktischen Optionen heben das Spiel deutlich vom Vorgänger ab.
Insgesamt jedoch wirken die Neuerungen gut integriert und erhöhen die spielerische Tiefe.
Fazit – Emotionales und taktisches Meisterwerk
Hideo Kojima beweist erneut, dass er zu den kreativsten Köpfen der Spieleindustrie zählt. Death Stranding 2: On the Beach ist Kojima pur: emotional, tiefgründig und voller Überraschungen. Wie immer verlangt Kojima von seinen Fans, ihm blind zu vertrauen, ihn nicht in Frage zu stellen und einfach drauf los zu spielen. Es gibt mehr als einmal Momente, wo man sich denkt: „Wieso Kojima?!“ Doch kann ich euch garantieren, es lohnt sich jeder einzelne Moment und Atemzug. Wie immer weiß er das Vertrauen seiner Playerbase zu schätzen und lässt uns nicht im Regen stehen.
Das Spiel knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an und erweitert die bewährte Formel um sinnvolle Neuerungen, die das Spielerlebnis bereichern. Trotz anfänglich vertrauter Gameplay-Mechaniken überzeugt es durch starke Story-Elemente, beeindruckende Grafik, einen Ohrwurm-Soundtrack und dem Prise Kojima mit perfektem Abgang zum Schluss.







