DAX erlebt winterliches Börsengefühl: Jahresendrally bleibt aus
Die Stimmung auf dem deutschen Aktienmarkt ähnelt aktuell eher frostigem Winterwetter als einem warmen Jahresendspurt. Der DAX, der deutsche Leitindex, fiel am Mittwoch im späten Handel unter die bedeutende 24.000-Punkte-Marke und schloss mit einem Rückgang von 0,48 Prozent bei 23.960,59 Punkten. Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, nachdem der DAX bis Mitte Dezember noch leicht zugelegt hatte und lange Zeit über der runden Grenze verweilte. Thomas Altmann von QC Partners beschreibt die Situation treffend mit den Worten: 'Nachhaltige Kauflaune ist momentan einfach nicht zu spüren.' Ein wesentlicher Faktor für die derzeitige Vorsicht der Investoren ist die bevorstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Jörg Held von Ethenea prognostiziert, dass die EZB angesichts besserer Wachstumsaussichten die Zinsen stabil halten könnte. Die Inflation bewegt sich um die angestrebten zwei Prozent, was hektische Zinsschritte unnötig erscheinen lässt.
Auch der MDax und der EuroStoxx 50 mussten Verluste hinnehmen, beide mit einem Minus von 0,6 Prozent. Im positiven Kontrast stehen hingegen Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt, die von einem 50-Milliarden-Euro-Beschaffungsprogramm der Bundeswehr profitieren konnten. Die Aktien dieser Unternehmen verzeichneten teils deutliche Kurszuwächse. Auf der anderen Seite zeigt sich der Autosektor durch den jüngsten Vorschlag der EU zur Lockerung des Verbrennerverbots unter Druck. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen verloren bis zu 1,8 Prozent an Marktkapitalisierung, wobei Analyst Harald Hendrikse die EU-Pläne als unzureichend für die Branche einschätzt. Zudem sieht sich der Technologiesektor nach US-amerikanischen Drohungen über Gegenmaßnahmen gegen europäische Firmen in der Defensive, was sich negativ auf die Kurse von Siemens, DHL und SAP auswirkte.
Positive Akzente setzen hingegen Unternehmen wie Thyssenkrupp Nucera, die dank starker Geschäftszahlen ein Plus von 6,5 Prozent verbuchen konnten. Demgegenüber musste Südzucker nach einer zurückhaltenden Prognose Einbußen von 6 Prozent hinnehmen.

